Das Panikorchester Beul bereichert nach 25 Jahren das letzte Mal den Bad Neuenahrer Zug
„Bald jeht dat Trömmelche nie mie…!“
Bad Neuenahr. Eine wunderschöne und doch traurige Geschichte nimmt 2014 ein Ende. Hier einige unvergessliche Punkte aus 25 Jahren Panikorchester. Im Jahre 1988 in der Gaststätte „zur Erholung“ entstand das heutige Panikorchester. Der Dauerkarnevalist Georg Peukert stand mit seiner Frau und den Eheleuten Elfriede und Kurt Korb an der Theke. Nach einigen Bierchen kam das Jahresthema - Fastelovend in Bad Neuenahr - auf den Tisch bzw. auf die Theke.
Im Frühjahr 1988 waren Schorsch und Oskar mit Rasseln und einer Trommel im Karnevalszug mitmaschiert. „Wie könnte man daraus für die Zukunft eine Fußgruppe mit Musikinstrumenten machen? Wer hätte Lust mitzumachen? Woher die Instrumente nehmen?“ So damals Georg Peukert. Nachdem Schorsch hin und her überlegt hatte, fiel ihm plötzlich der Coca-Matthes ein. Hatte der nicht im Rahmen seiner Alträucherei einige alte Instrumente des ehemaligen Tambourcorps Beul ergattern können? Es näherte sich Mitternacht, als die Vier zum Telefon griffen. Die Sache ließ ihnen einfach keine Ruhe.
Sie riefen beim Matthes Odenkirchen zu Hause an, um ihm ihre Idee vorzutragen. Dieser war sogleich Feuer und Flamme und eine Idee war geboren. Da Wilfried Ronstadt als Einziger ein Melodieinstrument, sprich die Mundharmonika beherrschte, schaute man ihn als Lyraspieler aus, der Rest der Gruppe sollte nur Krach machen. Die alten Trommeln der Junggesellen wurden restauriert, zum Teil mit neuen Fellen oder ein bisschen Farbe aufgepeppt. Schlegel und Koppeln wurden dazu gekauft.
Rätselraten um den Namen
Ein Instrument spielen konnte niemand und es war unter den Mitstreitern auch kein richtiger Musiker. Aber Spaß an der Freud‘ wollten alle haben. Nach einigen Vorschlägen gab man sich den Namen „Panik-Orchester-Beul“. Wer letztendlich diesen Namen vorgeschlagen hat, ist heute nicht mehr zu ermitteln. Jedenfalls fand der ausgesuchte Name große Begeisterung. So kam es dazu, das eine kleine Gruppe am Karnevalssonntag, den 5. Februar 1989 phantasievoll kostümiert zum ersten Mal als Panik-Orchester-Beul im Zooch von Bad Neuenahr mitmarschierte. Immer mehr Beuler Jecken gesellten sich mit Kind und Kegel dazu. So waren es am Ende ungefähr 50 Personen. Hiervon spielte der größte Teil ein Instrument, der Rest hatte entweder ein Tambourin oder eine Rassel, um das Publikum in Stimmung zu bringen.
Auch wenn es niemand glauben will: geübt hat die Truppe nie. Wilfried, der keine Noten gelernt hatte, spielte sich auf dem CD-Spieler ein Karnevalslied vor und nach Gehör spielte er es dann auf der Lyra nach. In den späteren Jahren bekam er durch Achim Reisner dabei Unterstützung. Ähnlich ging es allen anderen, die sich mit der kleinen oder der dicken Trommel anfreunden mussten. Aber der Wille war bei allen da und sie hatten nach einiger Zeit ein Repertoire von 15 Karnevalsstücken. Schlecht angehört haben sie sich sicher nie, denn sie wurden auf Geburtstagen, Polterabenden und Goldhochzeiten engagiert. Einige Jahre hintereinander trat das Panikorchester auch bei Henny im Hotel „Zum Ahrtal“ auf. 2001 spielten sie in Nierendorf im Umzug mit. Im Jahre 1996 wurde ihnen sogar der Pokal für die schönste Gruppe überreicht. Jedes Jahr im Sommer veranstalteten sie ein Sommerfest an verschiedenen Orten. Auf der Beuler Wiese, auf der Klimastation, beim Matthes sowie bei Thielemanns auf dem Hof und bei Bitzens im Garten. Zu diesen Festen waren Freiluftkegelbahnen, Torwände, Dart-Spiele, Flippergeräte und für die Kinder Schwimmbecken aufgebaut. Wenn das Orchester auf der Wiese feiern konnte, gab es auch ein Zeltlager für die Kinder und manche Erwachsene. Sonntagsmorgens traf man sich dann wieder zum gemütlichen Frühstück. Am Karnevalssonntag wurden alle Clowns ab 8 Uhr morgens geschminkt. Um auch optisch zu dem zu werden, was die Truppe ausmachte. Roswitha Stefanski mit ihrer Tochter Anna und ihren Helferinnen haben hier in mehr als 20 Jahren hervorragende Arbeit geleistet.
Die toll geschminkten Clownsgesichter waren Kult. Im Laufe der Jahre haben das Panikorchester leider einige Freunde verlassen müssen. Günther Schäfer, Kurt Korb, Christine und Rolf Peukert, Barbara und Hans Georg Linden, Petra und Dr. Paul Adolf Holterhoff, Bernd Breymann und Werner Friedewald. Sogar Tollitäten kamen aus ihren Reihen. Im Jahre 1985 als Erster der KG Prinz Wilfried I. (Ronstadt) und im Jahre 2002 das Prinzenpaar Gertrud I. und Manfred I. (Liebsch). Auch der Ortsvorsteher von Bad Neuenahr, Heinz Dieter Brand, war begeistertes Orchestermitglied.
Eine tolle Zeit geht zu Ende
Nun haben sie bald 26 Jahre auf dem Buckel. Da 1991 wegen des Golfkrieges der Straßenkarneval ausfallen musste, wollen sie zum 25. Mal am Sonntag, den 2. März 2014 den Bad Neuenahrer Karnevalszug eröffnen. Das Ende des Panikorchesters ist ihnen wahrhaftig nicht leicht gefallen. Lange haben sie überlegt - „was können wir tun, wie können wir Mistreiter gewinnen.“ Alle Bemühungen liefen ins Leere. Der Altersdurchschnitt der Musiker liegt knapp unter 70 und jetzt: „he dät et wieh un do dät et wieh, alles wat schön is, dat kann me nit mieh“. „Wir haben uns gedacht, irgendwann muss einmal Schluss sein, und nach 26 schönen Jahren wollen wir uns vom Straßenkarneval verabschieden“ so Doris Ronstadt. Ohne Unterstützung wäre diese schöne Zeit nicht möglich gewesen: Hier sind die Wirtsleute Werner und Inge Friedewald und später die Wirtsleute Helmut und Maria Bitzen zu nennen. Besonders bedanken möchte sie sich bei der Karnevalsgesellschaft Blau-Weiss für die gute Zusammenarbeit in allen den Jahren. Aber das größte Dankeschön gilt dem Bürgerverein Beul St. Willibrord e.V., der sie immer unterstützt hat. Finanziell und auf viele andere Arten. Eine unvergessliche Zeit geht jetzt zu Ende. Bad Neuenahr und dem Karneval wird einiges fehlen. So sollte der Jubel und Applaus am Karnevalsumzug riesig sein, wenn das Panikorchester ein letztes Mal durch Bad Neuenahr marschiert, und es das letzte Mal schön laut wird.
