Bezahlbarer Wohnraum knapp
Bezahlbarer Wohnraum für Rentner in Bad Neuenahr-Ahrweiler finden
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Für Urlauber sofort verfügbar – für meine Mutter seit fünf Jahren nicht
Mehr als 35 passende Ferienwohnungen, aber kein dauerhaftes Zuhause: Wie kann das sein?
Seit inzwischen fünf Jahren suche ich für meine Mutter eine kleine Wohnung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Keine große Wohnung, kein Neubau mit Luxusausstattung, einfach eine kleine Wohnung im Grünen. Gesucht werden ungefähr 45 bis 50 Quadratmeter, möglichst im Erdgeschoss oder höchstens in der ersten Etage. Meine Mutter ist Rentnerin, hat einen kleinen Hund und möchte in der Nähe ihrer Familie wohnen.
Eigentlich sollte das kein völlig unrealistischer Wunsch sein.
In der Praxis fühlt sich die Suche inzwischen aber genau so an: unrealistisch, zermürbend und eigentlich aussichtslos.
Wir haben in diesen fünf Jahren so ziemlich alles versucht. Immobilienportale wurden regelmäßig durchsucht, Suchaufträge eingerichtet, Anzeigen gelesen und Anfragen verschickt. Wir haben im Bekanntenkreis gefragt, persönliche Kontakte genutzt und nach Angeboten Ausschau gehalten, die vielleicht noch gar nicht öffentlich inseriert waren. Auch Vermieter und Wohnungsanbieter wurden direkt angesprochen.
Trotzdem: keine passende Wohnung.
Mal sind Haustiere grundsätzlich ausgeschlossen. Mal liegt die Wohnung im zweiten oder dritten Stock. Mal ist sie deutlich größer und damit zu teuer. Und wenn tatsächlich einmal eine kleine, halbwegs passende Wohnung angeboten wird, gibt es offenbar so viele Interessenten, dass man kaum eine Chance hat.
Rund 670 Euro Miete warm – bei einer kleinen Rente unter 900 Euro
Nach aktuellen Mietpreis-Auswertungen liegt die durchschnittliche Warmmiete in Bad Neuenahr-Ahrweiler bei etwa 13,45 Euro pro Quadratmeter. Für eine Wohnung mit 45 Quadratmetern wären das rechnerisch rund 605 Euro im Monat, bei 50 Quadratmetern ungefähr 673 Euro. Strom, Internet und möglicherweise weitere Kosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Andere aktuelle Auswertungen kommen sogar auf bis zu 13,83 Euro Warmmiete pro Quadratmeter. Dann kostet eine 50-Quadratmeter-Wohnung bereits rund 692 Euro warm.
Für Menschen mit einer kleinen Rente ist das sehr viel Geld. Zumal die durchschnittliche eigene gesetzliche Altersrente von Frauen in Rheinland-Pfalz deutlich unter 1.000 Euro monatlich liegt.. Die Zahlen zeigen, wie knapp die Rechnung für viele ältere Frauen ist.
Und selbst wenn die Finanzierung irgendwie möglich wäre: Man muss die Wohnung erst einmal finden.
Für viele Rentnerinnen sind neue, moderne Wohnungen zu den inzwischen aufgerufenen Preisen schlicht utopisch – zumal in Rheinland-Pfalz fast jede vierte Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet gilt. Wohnraum, der in Größe, Ausstattung und Preis tatsächlich zur Lebensrealität älterer Menschen mit kleiner Rente passt, existiert dagegen so gut wie gar nicht.
Als Ferienwohnung ist derselbe Wohnraum plötzlich vorhanden
Was mich mittlerweile nicht nur traurig, sondern wirklich wütend macht, ist ein einfacher Vergleich.
Sucht man eine dauerhaft zu mietende kleine Wohnung mit etwa 45 bis 50 Quadratmetern, in niedriger Etage und mit erlaubtem Hund, findet man praktisch nichts.
Gibt man ähnliche Kriterien dagegen auf Portalen für Ferienwohnungen ein, sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.
Bei einer aktuellen eigenen Suche habe ich auf verschiedenen Portalen auf Anhieb mehr als 35 Ferienwohnungen gefunden, die zumindest wesentliche Kriterien erfüllen: klein oder kompakt, für ein oder zwei Personen geeignet, ebenerdig, im Erdgeschoss oder über wenige Stufen erreichbar und teilweise ausdrücklich hundefreundlich.
Warum ist offenbar so viel geeigneter Wohnraum für einige Tage verfügbar, aber nicht für Menschen, die hier dauerhaft leben möchten?
Allein das Portal „Traum-Ferienwohnungen“ weist derzeit 29 Ferienunterkünfte in Bad Neuenahr-Ahrweiler aus. Airbnb wirbt für den Ort sogar mit rund 80 haustierfreundlichen Unterkünften. Auf weiteren Plattformen finden sich zusätzliche Angebote, darunter kleine Apartments mit Garten, Terrasse oder ebenerdigem Zugang.
Eine konkrete Ferienwohnung mit rund 45 Quadratmetern im Erdgeschoss wird beispielsweise ab 80 Euro pro Nacht angeboten. Bereits bei 15 belegten Nächten wären das 1.200 Euro Umsatz im Monat. So wird deutlich, warum die kurzfristige Vermietung für Eigentümer attraktiver erscheinen kann als eine normale dauerhafte Vermietung.
Für Urlauber ist der Wohnraum also da. Für eine Rentnerin, die in der Nähe ihrer Familie leben möchte, offenbar nicht.
Tourismus ist wichtig – aber Menschen brauchen ein Zuhause
Bad Neuenahr-Ahrweiler lebt vom Tourismus. Das soll überhaupt nicht bestritten werden. Ferienwohnungen, Hotels und Gäste gehören zur Stadt und sichern Arbeitsplätze und Einnahmen.
Aber eine Stadt darf nicht nur ein schöner Aufenthaltsort für Besucher sein. Sie muss auch ein Ort bleiben, an dem ortsansässige Menschen dauerhaft leben können. Gerade ältere Menschen brauchen erreichbaren, bezahlbaren und möglichst barrierearmen Wohnraum in ihrem vertrauten Umfeld.
Es geht auch nicht darum, einzelnen Vermietern einen Vorwurf zu machen. Sie nutzen die Möglichkeiten, die der Markt und die geltenden Regeln ihnen bieten. Die eigentliche Frage richtet sich an die Politik: Wie viel Wohnraum darf dem dauerhaften Mietmarkt verloren gehen, bevor eine Kommune handelt?
Selbst politische Anfragen bleiben ohne Antwort
Ich habe versucht, das Thema auch auf politischem Weg anzusprechen. Unter anderem richtete ich eine Anfrage an Vertreter der Freien Wähler. Eine Antwort auf meine Fragen oder wenigstens eine erkennbare Reaktion auf das Problem erhielt ich nicht.
Das enttäuscht.
Man hört häufig, Bürgerinnen und Bürger sollten sich einbringen, ihre Anliegen schildern und den Kontakt zur Politik suchen. Aber dann muss die Politik auch antworten. Selbst dann, wenn sie keine schnelle Lösung anbieten kann. Schweigen löst jedenfalls keine Wohnungsnot.
Nach fünf Jahren Suche bleibt bei mir vor allem das Gefühl, dass Menschen wie meine Mutter auf diesem Wohnungsmarkt kaum noch vorkommen. Sie sucht keine Traumwohnung. Sie möchte einfach eine realistische Chance auf eine eigene kleine Wohnung im familiären Umfeld haben.
Dass dies nahezu unmöglich erscheint, während gleichzeitig Dutzende passende Wohnungen tageweise an Urlauber vermietet werden, kann man nicht mehr nur mit „Angebot und Nachfrage“ erklären und dann abhaken.
Es braucht bezahlbaren Wohnraum, auch für die ältere Generation, die einfach nur leben möchte. Selbstbestimmt und altersgerecht.
Und es braucht eine ehrliche Antwort der Stadt und der Kommunalpolitik auf die Frage, ob Bad Neuenahr-Ahrweiler nur ein attraktiver Urlaubsort sein möchte – oder auch eine Stadt, in der Menschen mit einer kleinen Rente noch wohnen können.
Quellen und Hinweise
Miete-Aktuell: Mietspiegel Bad Neuenahr-Ahrweiler 2026, durchschnittlich 10,48 Euro Kaltmiete, 2,97 Euro Nebenkosten und 13,45 Euro Warmmiete je Quadratmeter.
Mein-Nebenkostenrechner: durchschnittlich 11,15 Euro Kaltmiete und 13,83 Euro Warmmiete je Quadratmeter.
Ministerium für Kommunen, Bauen und Wohnen Rheinland-Pfalz: Informationen zum Landesgesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum.
Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: Ortsrechtsammlung und Informationen zum Tourismus.
Traum-Ferienwohnungen, Airbnb, HomeToGo
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kleine gemütliche Ferienwohnung - keine Mietwohnung Foto: Klaus Wenigmann