Ministerin Eveline Lemke referierte in der BBS Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bogen zwischen EU, Land und Kommune
Schüler zeigten sich wissbegierig und gut informiert - Krim-Krise war Gegenstand vieler Fragen
Bad Neuenahr. Die 60 teilnehmenden Schüler redeten Tacheles. „Was verbindet Ihr spontan mit Politikern?“, hatte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bei ihrem Besuch in der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr gefragt: „Korruption, Lügen und falsche Versprechen“ waren die ehrlichen Antworten - und die Ministerin hatte irgendwie schon mit starkem Tobak gerechnet. Sie hatte es provoziert. Und sie weiß um das schlechte Image ihrer Zunft. Mit ihrem Besuch in Berufsschule möchte sie Politik(er) näher bringen und „anfassbar machen“. Imageprobleme haben freilich nicht nur Politiker, auch mit der Europäischen Union (EU) können sich viele Menschen kaum identifizieren. Anlässlich des deutschlandweiten EU-Projekttages nutzten die Schüler am Montagvormittag die Gelegenheit, Chancen und Probleme der EU und Gesamteuropas mit der Ministerin zu erörtern. Auf Einladung von Sozialkundelehrer Michael Sauer-Beus baute Lemke Brücken zwischen Europa, Rheinland-Pfalz und Kommunen. Die kommende Europawahl kam indes kaum zur Sprache.
Frage-Antwortspiel statt Frontalunterricht
Konsequent stehend, eloquent und die Schüler mit einbeziehend sprach sie diverse EU-Themen an. Ihr gegenüber saßen gut informierte und konzentrierte Schüler des beruflichen Gymnasiums (Klasse 13), der Höheren Berufsfachschule Medien (entsprechend Jahrgangsstufe 11) und angehende Bankkaufleute (drittes Lehrjahr). Kein austauschbarer Frontalunterricht, vielmehr ein lebendiges Frage-Antwort-Spiel hielt die Ministerin für die Schüler bereit. Sie spannte den Bogen von der Privatisierung des Nürburgrings über den Länder-Finanzausgleich, erneuerbare Energien bis hin zum und Frieden in Europa und den damit verbundenen Diskussionen rund um die Krim-Krise.
88.000 Eigenstromproduzenten in Rheinland-Pfalz
Die Gentechnik mit der brisanten Frage „Darf es ein Patent auf Leben geben?“, der Euro als das Symbol europäischer Integration aber auch die starken wirtschaftlichen Abhängigkeiten innerhalb der EU und die Debatte um die Frage „Wem darf Wasser gehören?“ - die Schüler lauschten gespannt den Ausführungen der Ministerin, die auch für Schulleiter Hans-Werner Rieck und seine Lehrerkollegen manch neue Informationen enthielten. Immer wieder verknüpfte die Ministerin EU mit Landesthemen und konnte so unter anderem verkünden, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Rheinland-Pfalz bereits drei Atomkraftwerke ersetzen kann. „Die Energiewende ist möglich“, stellte die Ministerin fest, „das Tempo ist hingegen ein anderes Thema.“ Überrascht waren die jungen Leute, als sie hörten, dass es mittlerweile im Land 88.000 Eigenstromproduzenten gibt. An die Bankkaufleute gerichtet stellte Lemke die These auf: „Wäre das Klima eine Bank, wäre es schon längst gerettet.“
Auch das Regionalbankensystem kam zur Sprache. Europa bezeichnete sie als „Garanten für Frieden“, veranschaulichte den Schülern gleichermaßen, wie sie selbst durch Urlaube im Ausland oder Schüleraustausche zur europäischen Völkerverständigung beitragen.
Lemke: Sanktionen müssen wohl dosiert sein
Die anschließenden Fragen der Schüler konzentrierten sich auf die europäische Finanzkrise, hinterfragten die Importpolitik der EU von Rohstoffen aus Afrika und suchten nach Gründen für das negative Bild der EU in der Gesellschaft. Breiten Raum nahm die Rolle der EU im Konflikt um die Krim ein. „Es ist wichtig, alle diplomatischen Wege für ein friedliches Zusammenleben zu gehen“, forderte Lemke. Sanktionen sollen nach Meinung der Ministerin dort angesetzt werden, wo sie Wirkung zeigen, ohne einen Streueffekt zu erzielen. Sowohl Russland als auch die Ukraine gehören zu den 20 stärksten Exportpartnern von Rheinland-Pfalz. Einem möglichen Eingreifen der NATO erteilte sie eine klare Absage: „Das wäre äußerst gefährlich.“ Sie plädierte vielmehr für die Pflege der bestehenden direkten Kontakte: „Kriegstreiber müssen aufgehalten und Diplomatie hoch drei betrieben werden.“
Hans-Werner Rieck begrüßte die Ministerin.
