Allgemeine Berichte | 11.03.2014

Frühjahrsempfang des Schreinerverbands in Dernau

Branchentreff der „Holzwürmer“

Betriebsführung durch Firmenchef Maik Rönnefarth und interessante Redebeiträge

Maik Rönnefarth (im Vordergrund re.) führte die Teilnehmer des Frühjahrsempfangs des Landesinnungsverbands Schreiner durch seinen Betrieb. CBÜ

Dernau. Das Handwerk ist als größter Ausbilder in Deutschland, der den Spagat zwischen Tradition und Moderne schafft, ein Motor für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes – so sahen es die Redner auf dem Frühjahrsempfang des Landesinnungsverbandes Schreiner Rheinland-Pfalz am Freitagnachmittag in Dernau. Für den Auftakt zu der Veranstaltung, zu der zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Handwerk gekommen waren, sorgte der Hausherr selber. Inhaber Maik Rönnefarth leitete die rund 50 Gäste durch die Räumlichkeiten, gab Infos zum Maschinenpark, zur Lackiererei, dem Trockenraum und dem neuen großzügigen Anbau. Hierbei gab es natürlich Informationen aus erster Hand. So berichtete der Chef der „Holzwürmer“, dass der Betrieb komplett autark ist, was die Stromversorgung angeht. Versorgt wird er über die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Mancher Besucher staunte auch über die Menge an verarbeitetem Holz und der verwendeten Lacke.

Vorbildhafter Betrieb

Nach dem Rundgang starteten die Vorträge mit der Begrüßung und der Rede von Landesinnungsmeister Siegfried Schmidt. „Was 2004 mit einer angemieteten Werkstatt und rund 300 Quadratmeter anfing, hat sich inzwischen zu einem neu gebauten Betrieb auf rund 2.000 Quadratmeter entwickelt", so Siegfried Schmidt über die Schreinerei Rönnefarth. In seinem Beitrag schnitt Schmidt einige Diskussionspunkte an, die im Laufe des Nachmittags immer wieder aufgegriffen wurden. Manche politische Entwicklungsrichtungen, vor allem auf europäischer Ebene, sah er dabei als sehr kritisch an. „Bereits die Folgen der Handwerksnovelle von 2004 haben doch gezeigt, dass zwar die Zahl der Betriebe in den dann zulassungsfreien Gewerken teilweise sprunghaft gestiegen ist, gleichzeitig jedoch die Zahl der Beschäftigten und der Umsatz weitgehend stagnierten und die Zahl der Auszubildenden deutlich rückläufig war.“ Wenig begeistert zeigte sich der Landesinnungsmeister von der Aufforderung aus Brüssel, „zu prüfen, ob der Meisterbrief oder gleichwertige Qualifikationen weiterhin gerechtfertigt sind“. Als schlichtweg „schizophren“ bezeichnete Schmidt diesen Vorgang, während doch „gleichzeitig unser deutsches Ausbildungssystem weltweit als Garant gegen Jugendarbeitslosigkeit und für hohe handwerkliche Qualität gelobt wird“. Des Weiteren bezog Schmidt Stellung in Sachen Mindestlohn und forderte von der Politik insbesondere eine zügige Klärung, ob dieser auch für Ausbildungsverhältnisse gelten solle. Vor den möglichen negativen Auswirkungen für Betriebe und ihre Bereitschaft auszubilden, warnte er dabei eindringlich. „Auch wir als Tischlerhandwerk sind der Meinung, dass grundsätzlich jeder Vollzeitbeschäftigte von seinem Arbeitslohn ohne staatliche Transferleistungen ein menschenwürdiges Leben führen sollte. Und wenn ich mir unsere Tarifverträge im rheinland-pfälzischen Handwerk ansehe, müssen wir uns vor einem Mindestlohn von 8,50 Euro nicht fürchten. Grundsätzlich ist das Anliegen eines bundeseinheitlichen Mindestlohnes gesellschaftspolitisch und auch wettbewerbspolitisch durchaus lobenswert, wobei ich eine Branchenlösung präferieren würde, bei der die Tarifpartner den jeweiligen Mindestlohn festlegen, der dann von staatlicher Seite als allgemein verbindlich erklärt wird.“

Appell an Politik

Problematisch sah er vor allem die mögliche Adaptierung des Mindestlohns auf die Azubilöhne. „Wenn wirklich die Ausbildungsvergütungen auf die Basis des Mindestlohnes in Höhe von 8,50 Euro angehoben werden sollten, würde dies locker zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung der Lohnkosten für einen Auszubildenden führen. Die Auswirkungen können Sie sich vorstellen – wohl kaum ein Betrieb wäre bereit, in Zukunft noch auszubilden. Und schon gar nicht über den eigenen Bedarf hinaus.“ Daher schickte er eine dringliche Bitte an die Volksvertreter: „Deshalb kann ich nur an die Politik appellieren, dafür zu sorgen, dass es unverzüglich Klarheit in dieser für uns existenziellen Frage gibt. Wir stehen vor dem Beginn eines neuen Ausbildungsjahrs, und unsere Betriebe müssen wissen, welche finanziellen Belastungen durch Ausbildungsvergütungen auf sie zukommen.“ Fritz Langenhorst, Kreisbeigeordneter des Landkreises Ahrweiler, betonte in seiner Rede ebenfalls die Bedeutung des Handwerks als Ausbilder, speziell im ländlichen Raum. „Gerade in unserem ländlichen Raum ist das Handwerk unentbehrlich. Hier werden wohnortnahe Ausbildungs- und Arbeitsplätze vorgehalten, die oftmals zeit- und kostenintensive Fahrten etwa nach Bonn oder Köln vermeiden helfen.“ Im Ausbildungsbereich spiele das Handwerk eine bedeutende Rolle. „Mit einem Anteil von rund 30 Prozent der Jugendlichen beziehungsweise über 400.000 Lehrlinge ist das Handwerk der größte Ausbilder in Deutschland – mehr als jeder andere Wirtschaftsbereich. Alleine rund 18.500 Lehrlinge absolvieren eine Schreiner- oder Tischlerlehre“, berichtete Langenhorst. Besonders freue ihn, dass der diesjährige Frühjahrsempfang der Innung in der Schreinerei Rönnefarth stattfinde. Wie gut hier der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelinge, zeige sich auch daran, dass die Schreinerei Rönnefarth Prädikate wie „Generationenfreundlicher Betrieb“ – als einer der ersten zehn Betriebe deutschlandweit – oder „Ausbildungs-Ass 2013“ erhalten habe. Auch andere Ehrungen wie die Verleihung des Titels „Firma des Monats“ der Wirtschaftsförderung des Landkreises Ahrweiler zeigten, „welches Engagement und welche Philosophie hier sowohl fachlich als auch menschlich in den Betrieb“ einflössen. Denn „solche Auszeichnungen kommen nicht von ungefähr“, so Langenhorst.

Schiri Wagner mit Gastvortrag

Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, bezeichnete in seinem Grußwort das gewachsene Vertrauen in den Meistertitel als kostbares Kapital, das man nicht leichtfertig durch politische Entscheidungen aufs Spiel setzen dürfe.

Einen mitreißenden Gastvortrag hielt Lutz Wagner, langjähriger Bundesligaschiedsrichter, zum Thema „Entscheiden in Stress-Situationen“. Unterhaltsam und informativ zeigte er die Parallelen zwischen Unternehmer- und Schiedsrichterentscheidungen auf und gab praktische Tipps zur schnellen Entscheidungsfindung. Der anschließende Dialog, der in zwangloser Atmosphäre bei Speis und Trank stattfand, wurde musikalisch durch Michael Hemmersbach, Straßenmusikant aus Koblenz und Halbfinalist bei der RTL-Show „Das Supertalent“, untermalt.

Landesinnungsmeister Siegfried Schmidt lobte die Entwicklung der Schreinerei Rönnefarth.

Landesinnungsmeister Siegfried Schmidt lobte die Entwicklung der Schreinerei Rönnefarth.

Am Rande des Empfangs blieb ausgiebig Zeit für Fachgespräche. Hier unterhält sich Maik Rönnefarth (re.) mit Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz.

Am Rande des Empfangs blieb ausgiebig Zeit für Fachgespräche. Hier unterhält sich Maik Rönnefarth (re.) mit Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz.

Maik Rönnefarth (im Vordergrund re.) führte die Teilnehmer des Frühjahrsempfangs des Landesinnungsverbands Schreiner durch seinen Betrieb. Fotos: CBÜ

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