Villa-Musica-Konzert in der Ehemaligen Synagoge -
Brüder entlocken Klarinetten virtuose Klänge
70 Gäste forderten eine Zugabe
Ahrweiler. Wunderkinder waren nun zugast in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler: Daniel und Alexander Gurfinkel. Sie sind regelmäßig unterwegs in den großen Konzertsälen und bei internationalen Festivals. Und jetzt auch in Ahrweiler. Dort gaben die beiden Klarinettisten aus Israel am Mittwochabend ein Gastspiel - mit virtuosen Melodien aus „Anatevka“, jüdischen Kompositionen und Stücken der Romantik, die rund 70 Gäste über zweieinhalb Stunden begeisterten.
Kontrollierte Virtuosität
Mit ihrem natürlich gewachsenen Zusammenspiel, verbunden mit höchster Virtuosität und technischer Brillanz, machten sie das Villa-Musica-Konzert zu einem einzigartigen (Hör-)Erlebnis. Michael Zartsekel begleitete das Duo am Flügel. Er war kurzfristig eingesprungen für Pianist Haiuo Zhang. Mit allegro und andante starteten Zartsekel und das Duo Gurfinkel in das Konzert „Grand Duo concertant Es-Dur, op. 48 - Carl Maria von Weber. Aufgeweckt mit kontrollierter Virtuosität in den schnellen Sätzen und exquisiter Melodiegestaltung in den langsamen, unterstrichen die Brüder umgehend welches Kaliber sie besitzen - nämlich internationales Niveau. Das forderte das Publikum gleich zu Beginn immer wieder zu stürmischem Applaus auf, waren die einzelnen Sätze doch schwer zu unterscheiden. Der warm timbrierte Ton harmonierte perfekt mit dem zur Perfektion neigenden Klavierspiel von Michael Zartsekel.
Meister ihres Metiers
Im Dialog intonierten die Gurfinkels Michail Glinkas „Trio pathétique“ für zwei Klarinetten und Klavier - arrangiert von Arkady Gurfinkel, dem Großvater der Brüder. Vater Michael und Großvater Arkady gelten als Meister ihres Metiers und haben als bedeutsame Klarinettisten ihre Erfahrungen freilich an die beiden jungen Musiker weitergegeben. Synchron in den Bewegungen, elegant in den musikalischen Stimmungswechseln bot das Duo die Einleitung und das „Rondo capriccioso, op. 28“ von Camille Saint-Saens dar. Gekonnt die harmonischen Auflösungen, angenehm der Vortrag: Das Duo entließ sein Publikum begeistert in die Pause. Mit leisen, zarten aber auch kräftigen, zu fortissimo wandelnden Intonationen gerieten die nächsten Interpretationen nach der Pause - etwa bei Sergej Prokofjews „Ouvertüre über hebräische Themen“, Jerry Bocks „Fiddler on the Roof“ oder Michael Dulitskys „Chassidische Rhapsodie“. Bei den Stücken füllte der Klang der beiden Klarinetten gepaart mit dem abwechslungsreichen Melodieführungen am Flügel den ganzen Raum. Wuchtig die lauten Passagen, zart die leisen:
Fesselndes Finale
Damit war auch der dramaturgische Weg zum fesselnden Finale geebnet. Das gestalteten die Musiker furios - mit einem Mix im klassischen und jazzigen Gewand, das teilweise schon improvisatorische Züge anzunehmen schien. Das begeisterte Publikum forderte lautstark eine Zugabe, die es auch freilich bekam. Die Villa Musica ist in diesem Jahr noch einmal zugast in der Alten Synagoge - und zwar am 28. November.
