Lebensrettung im Ahrweiler Kreis
DRK-Helfer vor Ort: Lebensrettender Einsatz
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Kreis Ahrweiler. Peter Busch und seine Frau Ruth Horn-Busch sitzen auf dem Sofa, sie unterhalten sich, lachen und genießen den Blick aus dem Fenster – so wie sie es schon tausendfach zuvor gemacht haben. Und doch ist dieser alltägliche Moment für beide etwas sehr Besonderes, Wertvolles.
Denn in der Nacht vom 25. Juni änderte sich für das Ehepaar innerhalb weniger Augenblicke alles: aus dem Nichts heraus erlitt der Pensionär einen Herzinfarkt mit unmittelbarem Kreislaufstillstand.
Sein Leben verdankt er dem entschlossenen Handeln seiner Frau, dem schnellen Eintreffen der „Helfer vor Ort“ (HvO) sowie dem Rettungsdienst und deshalb war es ihm wichtig, allen Danke zu sagen.
Die Erlebnisse vom 25. Juni sind für das Ehepaar noch allgegenwärtig - wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Peter Busch selbst hat keinerlei Erinnerungen an die Nacht und die Tage danach, Ruth Horn-Busch hingegen hat die dramatischen Stunden noch genau vor Augen.
Als fast alle Menschen, die erfolgreich um das Leben ihres Mannes gekämpft haben, in ihrem Wohnzimmer stehen, ist sie sichtlich bewegt. Ihre Dankbarkeit ist ihr deutlich anzusehen. Zusammen mit den HvO und einem Notfallsanitäter blickt sie zurück.
Es war ein heißer Tag, ansonsten war alles wie immer, Peter Busch fühlte sich gesund und munter. Das Ehepaar ging ins Bett und schaute Fernsehen, als der 73-Jährige plötzlich merkwürdige Atemgeräusche machte, zur Seite kippte und keinerlei Lebenszeichen aufwies.
Ruth Horn-Busch handelte sofort: während sie bei ihrem Mann die Herzdruckmassage durchführte, wählte sie die 112. Die Integrierte Leitstelle in Koblenz alarmierte den regulären Rettungsdienst und die HvO, also speziell ausgebildete ehrenamtliche Einsatzkräfte, die die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und sofort mit lebensrettenden und erweiterten Maßnahmen beginnen.
Nur wenige Augenblicke nachdem die 68-Jährige den Notruf abgesetzt hatte, erschien ihr Nachbar Benjamin Schmitt, HvO im DRK-Ortsverein Niederzissen, und übernahm die Reanimation. Unterdessen eilte seine Frau Sarah Schmitt ins Dorf und holte den öffentlich für alle zugänglichen AED (Automatisierten Externen Defibrillator) an der Pension Bell, mit dem Benjamin Schmitt einen Elektroschock abgab.
Das Ehepaar setzte die Reanimation fort und wurde dabei von den HvO Sandra Raabe-Robe, Hannah Robe, Brigitte und Rainer Schönhofen unterstützt, die inzwischen auch am Einsatzort eingetroffen waren. Parallel dazu wurde die Frau des Patienten betreut und ihr die weiteren Maßnahmen erläutert.
Als Notfallsanitäter Leon Hecker und seine Kolleginnen und Kollegen am Einsatzort ankamen, schlug das Herz von Peter Busch bereits wieder und so konnte sich der Rettungsdienst direkt um die Stabilisierung und weitere Versorgung kümmern.
Aufgrund der baulichen Begebenheiten im Haus des Ehepaars musste der Rentner mit der Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Niederzissen aus dem Haus gerettet werden, ehe er in die Bonner Uniklinik transportiert wurde.
„Eine solche Rettungskette habe ich in dieser Form noch nie erlebt! Mein größtes Lob gilt allen HvO: Ihr perfektes Zusammenspiel hat das Leben unseres Patienten gerettet.“, sagt Leon Hecker und fügt hinzu: „Dieser Einsatz war ein Mustereinsatz, hier hat jedes Zahnrädchen ineinandergegriffen.“
In Bonn wurden dem Rentner fünf Stents eingesetzt – kleine Röhrchen, die die Blutgefäße offenhalten und so den Blutfluss verbessern. Er lag einige Tage auf der Intensivstation und durfte nach nur einer Woche wieder nach Hause.
Erinnerungen an die dramatischen Minuten nach seinem Kreislaufstillstand hat er keine, auch an die Zeit auf der Intensivstation kann er sich nicht erinnern. Umso wichtiger war für ihn das Treffen mit seinen Retterinnen und Rettern: „Ich bin froh, diese Erinnerungslücken nun füllen zu können und die Menschen kennenzulernen, die mir das Leben gerettet haben. Endlich haben die Menschen für mich auch Gesichter. Von Herzen danke ich Ihnen allen für Ihren Einsatz und dafür, dass ich heute noch hier stehen kann.“, sagt Peter Busch, dem es heute gut geht. Nichts erinnert mehr an die dramatischen Ereignisse im Sommer.
Das Treffen bei dem Ehepaar war auch für die Lebensretterinnen und -retter eine besondere Erfahrung: „Das Zusammensein hat mich sehr motiviert und mir nochmals gezeigt, warum ich meinen Beruf als Notfallsanitäter gewählt habe. Zu sehen, wie gut es Peter Busch geht und zu wissen, dass wir alle unseren Teil dazu beigetragen haben, ist ein ganz tolles Gefühl.“, sagt Leon Hecker.
Auch für HvO Benjamin Schmitt war die Begegnung sehr wertvoll. Nach einem persönlichen Erlebnis im vergangenen Jahr hatte er sich entschieden, dem DRK-Ortsverein Niederzissen beizutreten und sich zum Sanitäter und Helfer vor Ort ausbilden zu lassen: „Meine Entscheidung war genau die richtige. Zu sehen, dass wir mit unserem Einsatz wirklich etwas bewirken können, hat mich noch einmal darin bestärkt.“
Für DRK-Kreisverbandspräsident Achim Haag ist der HvO-Einsatz bei Peter Busch vor allem eines: ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was Menschen füreinander bewirken können: „Unsere HvO sind alle ehrenamtlich im Einsatz. In ihrer Freizeit sind sie bereit, alles sofort stehen und liegen zu lassen, wenn schnelle Hilfe gefragt ist und wenige Minuten einen entscheidenden Unterschied machen können. Ihnen allen gebührt mein großer Dank.“
Finanziert wird die Ausstattung der HvO aus den Mitgliedsbeiträgen der Fördermitglieder des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler e.V. Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt und Sie unser HvO-Projekt mit einer Spende unterstützen möchten oder als HvO tätig sein wollen, dann melden Sie sich gerne per E-Mail unter hvo@kv-aw.drk.de.
Astrid Zens
Für Peter Busch (4.v.re.) und seine Frau Ruth Horn-Busch (3.v.re.) war das Treffen mit den HvO und dem Notfallsanitäter etwas ganz Besonderes. Foto: Astrid Zens