Vortrag bei der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik
Das Spektrum der Risiken im Cyberraum ist breit gefächert
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kein Platz war mehr zu erhalten, als der Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V., Oberst a.D. Dipl.-Ing. Haverbusch, den Vortragenden Generalleutnant a.D. Dipl. Inform. Kurt Herrmann begrüßte. Beispielhaft zeigte der Referent, wie die NATO auf die strategischen Herausforderungen im Cyber-Bereich reagiert.
Der Begriff „Cyber“ steht für mehr als Informationstechnik (IT). Er gilt vor allem als umfassender Begriff für Systeme und Komponenten zur Vernetzung und Steuerung von Kommunikations- und Informationssystemen. Cyber-Abwehr bildet einen integralen Teil des breiten Feldes von Cyber-Sicherheit. Diese wiederum ist in das komplexe Spektrum umfassender Sicherheitsebenen eingebettet. Dort bieten sie ungeahnte Fähigkeiten in weltweit vernetzten und gesteuerten Systemen, offenbaren zugleich aber auch neue Verwundbarkeiten. Rasch können sie dann als zunehmende Sicherheitsrisiken strategische Dimensionen annehmen, das heißt beinahe alle Lebensbereiche beeinflussen.
Das enorme Volumen von Datentransaktionen innerhalb einer Minute im Internet bildet ein kaum mehr vorstellbares Potenzial an nur schwer oder fast nicht kontrollierbaren Manipulations- und Eingriffsmöglichkeiten ab. Welche ständig steigende Eigendynamik daraus entsteht, beweist der E-Mail-Verkehr von circa 2,8 Millionen pro Sekunde. Kritische Infrastrukturen gelten als Ziele potenzieller Cyber-Angriffe in fast allen Lebensbereichen moderner Industriegesellschaften. Die Bundeswehr ist darin sicherheitspolitisch und in militärisch relevanten Bereichen wie unter anderem Informationsaustausch für Infrastrukturen, der Versorgungs- und Dienstleistungsbereiche abhängig.
Sind die Auswirkungen und Schäden krimineller Cyber-Aktivitäten auf die Führungsunterstützung innerhalb der NATO beherrsch- und begrenzbar? Ein gewisses Restrisiko dürfte wohl bleiben gemäß dem Motto „Was wir nämlich nicht wissen ist - was wir nicht wissen“. Was ist heute bereits erkennbar oder gar in Erscheinung getreten? Cyber-Potenzial wird zur Bedrohung, wenn entsprechende Fähigkeiten mit einer destruktiven Absicht eingesetzt werden. Der moderne Führungsprozess der NATO ist ohne vernetzte Kommunikations- und Informationsdienste kaum denkbar. Das Internet ist für die Allianz zur kritischen Infrastruktur geworden und dabei für das Krisenmanagement unverzichtbar! Die Verwundbarkeit des eigenen Systems nimmt künftig weiter zu. Das heißt, Sicherung von Informationen, vor allem Cyber-Abwehrfähigkeiten, sind unabdingbar! Abhängigkeiten von Systemen bei hoher Verfügbarkeit verlangen komplexe Prozessabläufe. Durch Kombinationen von Fähigkeiten und Absichten können Risiken und Bedrohungen erwachsen.
Kritisch ist in allen Situationen die Identifikation beziehungsweise Zuordnung von Verursachern erkannter Eindringungsmanipulationen und Störungen. Exaktere Analysen und zuverlässigere Ermittlungen von Verursacher-Quellen sind gefordert. Auf dem NATO-Gipfel im November 2010 in Lissabon sind Cyber-Angriffe als eine strategische Bedrohung eingestuft worden. Die dazugehörigen Abwehrkapazitäten sollten bis Ende 2012 ausgebaut sein. Die kollektive Cyber-Abwehr der NATO mündet in drei Bereiche: Verbinden, Zentralisieren, Kooperieren! Damit gelten als Hauptaufträge die Prävention und Früherkennung, die Abschaltung oder der Schutz im Falle eines Angriffes und schnellstmögliche Wiederherstellung der Kommunikationsfähigkeit. Vorsicht ist weiter geboten vor sogenannten Innentätern (WIKILEAKS) und unerlaubter Daten- oder Informationsweitergabe durch mobile Speichermedien wie zum Beispiel USB-Sticks. Das heimliche Einschleusen von Schad-Software über Hardware-Bauteile ist ebenso nicht auszuschließen. Die Cyber-Sicherheitslage ist durch eine fast atemberaubende Entwicklungsdynamik geprägt, die es weitgehend gemeinsam zu bewältigen gilt!
Pressemitteilung
Gesellschaft für Wehr-
und Sicherheitspolitik
Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler
