Zweite Jahresversammlung der Bürgerinitiative "lebenswerte Stadt"
„Das Stadtbild ist mehr als die Summe aller Häuser“
Versammlung der BI „lebenswerte Stadt“ legt Programm für 2016 vor
Bad Neuenahr. In ihrer zweiten Jahresversammlung beschäftigte sich die Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ mit grundsätzlichen Fragen der Stadtgestaltung. Das Programm für das kommende Jahr will mehr Bürgerengagement ermöglichen und zu Diskussionen in der Bevölkerung anregen. „Seit es Euch gibt“, so die Rückmeldung von mehreren auf der Sitzung anwesenden Stadtratsmitgliedern, „wird in Neuenahr wieder mehr und kontrovers über Architektur diskutiert." Ein besseres Kompliment kann die Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ nicht kriegen. Sie wird begrüßt und gehasst. Die einen bezeichnen ihre Veranstaltungen und Pressemeldungen als informativ und kompetent, für andere sind sie Nörgler.
„Genau das wollen wir: dass Menschen sich damit auseinandersetzen, wie ihre Stadt aussieht. Was ihre Stadt ausmacht. Was für sie wichtig ist. Uns, der BI, ist dabei wichtig, dass dabei auch die Frage nicht verloren geht: Was macht meinen Stadtteil aus? Welche Geschichte hat er? Und wann ist der Punkt erreicht, dass er sein Gesicht verliert und auswechselbar wird“, so Markus Hartmann in einem Grundsatzvortrag über Stadtbilder und -gestaltung. Und Axel Hausberg, Leiter des Arbeitskreises „Sehschule“ ergänzt: „Und genau dieser Punkt ist in Bad Neuenahr erreicht, an dem es beliebig wird - zugunsten weniger, die die Rendite kassieren, und auf Kosten derer, die dort leben.“
Städte geben sich selbst auf
"Das Bild", so Markus Hartmann im Vortrag, "das Ich von einer Stadt habe, macht sich an Faktoren fest, die diesen Ort einzigartig erscheinen lassen. Das sind Gebäude, das ist seine Geschichte, sein Bezug zur Region. Das sind auch Traditionen und Feste - seine Atmosphäre. Dieses Zusammenspiel macht eine Stadt zu der Stadt, die sie ist. Bad Neuenahr aber, und viele andere Städte gehen ähnliche Wege, ist gerade dabei, vieles von dem und somit sich selbst aufzugeben. Wenn ein Ort nicht wertschätzend mit seiner Geschichte umgeht, und das platt macht, was Identität stiftet, dann muss ich mich nicht wundern, wenn er eines Tages jede Attraktivität verloren hat."
Der fünfköpfige Vorstand der BI sieht sich auf dem richtigen Weg. In fünf kritischen Stadtrundgängen seit der Gründung im Sommer 2014 konnte er bereits viele Menschen schulen, ihr Umfeld mit kritischen Augen wahrzunehmen und zu deuten. Nun will die BI aber die Menschen viel stärker in die Auseinandersetzung mit der eigenen Stadtgestalt bringen.
„Für das Jahr 2016 planen wir eine Ausstellung mit großer Bürgerbeteiligung, aus der“, so Marion Morassi, die das Konzept mitentwickelt hat, „Bürgerwerkstätten und verschiedene Aktionen erwachsen können.“ Dr. Jürgen Lorenz ergänzt: „Das ist das A und O, dass die, die hier leben, selbst die Gestaltung ihrer Heimat in die Hand nehmen. Eine Stadt verändert sich. Das bringt die Zeit so mit sich. Aber Neugestaltung fällt nicht vom Himmel und ist nicht gottgegeben, sondern will errungen und erwirkt werden. Und das am besten von der Basis nach oben und nicht top-down."
Pressemitteilung
Bürgerinitiative
"lebenswerte Stadt"
