Asyl im Pfarrhaus von Westum
Der Kreis Ahrweiler hat 476 Flüchtlinge zugeteilt bekommen
-Starke Belastung für den Sozialetat- -Die Hilfsbereitschaft der Bürger bleibt nach wie vor sehr groß-
Kreis Ahrweiler/Westum. Bis Anfang September am hat der Kreis Ahrweiler 476 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Dazu zählen nicht die 200 Flüchtlinge, die zurzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz untergekommen sind. Diese Zahlen nannte Landrat Dr. Jürgen Pföhler bei einem Ortstermin im Westumer Pfarrhaus. Diese Immobilie der Sinziger Pfarrgemeinde beherbergt seit Anfang September die ersten Flüchtlinge. Mit von der Partie waren Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger, Westums Ortsvorsteher Wolfgang Kistner und Dechant Achim Thieser. Alle Beteiligten lobten die gute Zusammenarbeit zwischen Kreis, Kommunen, Wohlfahrtsorganisationen, der Kirche und den ehrenamtlichen Helfern. Denn die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung des Kreises ist weiterhin sehr groß. Landrat Dr. Jürgen Pföhler sprach aber auch die finanzielle Seite an und appellierte an Bund und Land den Kommunen finanziell deutlich stärker zu helfen. Zwar bekommt einen Landkreis pro Flüchtling und Monat drei Jahre lang eine Pauschale von 513 Euro zugewiesen, allerdings entstehen dem Kreis deutliche höhere Kosten. Im Jahr 2015 werden im Kreis Ahrweiler im eh schon angeschlagenen Sozialetat 1,3 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Die Kostenerstattung von Land und Bund deckt nur rund 50 bis 60 Prozent unserer Kosten“, so Pföhler.
Während es beim Pressetermin also um Zahlen und Perspektiven ging, wuselten als sehr schönes Kontrastprogramm Sarah (7) und Sima (5) spielend durch die Räumlichkeiten. Gemeinsam mit ihrer Mutter Sanaa Souleimann, die aus Syrien kommt, bewohnen sie seit dem 3. September das Westumer Pfarrhaus. Bereits zum 1. November wird es für die kleine Familie, der Vater befindet sich noch in Libanon, eine neue kleine Wohnung in der Sinziger Innenstadt geben. Diese kleine Überraschung hatte Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger mitgebracht. Die rund 150 Quadratmeter großen Räume im Westumer Pfarrhaus eignen sich eigentlich eher zur idealen Unterbringung einer Großfamilie. Bis zu 12 Menschen könnten dort untergebracht werden.
Auch die Kirche wurde aktiv
Die Situation der Flüchtlinge vor Ort also in der Stadt Sinzig erläuterte Bürgermeister Wolfgang Kroeger. „Wir haben eigenen städtischen Wohnraum und nach einem Presseaufruf auch einige private Angebote bekommen“, so der Sinziger Stadtchef. Die Stadt wird diese Wohnungen wohl schnell und sicherheitshalber anmieten, um schneller auf neue Flüchtlingszuteilungen reagieren zu können. Unterdessen ist auch die Kirche aktiv, wie Dechant Achim Thieser erläuterte. Neben dem Pfarrhaus in Westum wird auch das Pfarrhaus in Bad Bodendorf demnächst Platz für neun Flüchtlinge bieten können. Hinzu kommt eine kleine Mietwohnung in Franken. Safaa Souleimann, die sehr gut Englisch spricht aber auch schnellstmöglich Deutschland lernen will sagte: „Ich bin sehr glücklich hier zu sein und möchte mich bei den vielen Menschen bedanken, die uns so gut aufgenommen haben und sich liebevoll um uns kümmern.“ In Westum ist sie mit ihren Kindern viel auf den Spielplätzen unterwegs und es gibt auch viele Besucher aus der Nachbarschaft.
Landrat Jürgen Pföhler nannte auch einige statistische Eckdaten.50 Prozent der Flüchtlinge, die im Kreis Ahrweiler angekommen sind, kommen aus Syrien, 36 Prozent stammen vom Balkan.35 Prozent der geflüchteten Menschen sind noch minderjährig kein Flüchtling ist älter als 65 Jahre.22 Flüchtlingskinder sind im laufenden Schuljahr in den Sinziger Grundschulen, vor allen Dingen natürlich in der Regenbogenschule eingeschult worden.
Praktische Einblicke
Einen ganz praktischen Einblick in den Alltag der Flüchtlingsarbeit bei der Kreisverwaltung gaben deren Mitarbeiter Kristina Decker (Sozialamt) und Bruno Schlösser (Ausländerbehörde). Der Ablauf stellt sich wie folgt dar: Rund zwei Wochen vor der Ankunft und erhält das Kreishaus eine Benachrichtigung mit den Daten der Flüchtlinge. Der Kreis erkundigt sich sofort bei den Kommunen nach Wohnraum und teilte nach Einwohnerzahl zu. Dienstags und donnerstags kommen die Busse mit Flüchtlingen an. Nach der Begrüßung werden die Personalien überprüft und der Kreis Ahrweiler erfasst auch die berufliche Qualifikation. Es gibt eine Art vorläufigen Ausweis und die Hilfsorganisationen werden benachrichtigt. Dann werden die Flüchtlinge in die für sie vorgesehenen Wohngebäude in die einzelnen Kommunen gebracht. Die Kosten erstattet der Kreis den Kommunen.
Nach dem Ortstermin im Westumer Pfarrhaus fand im Sinziger Rathaus übrigens ein runder Tisch zum Thema Flüchtlinge statt. Für den hatten sich mehr als 40 Haupt und ehrenamtliche Helfer angemeldet.
