EIN-Spruch: Fronleichnam?!
In Kürze begehen die katholischen Christen weltweit das Fronleichnamsfest; bei uns, wird dies durch den gesetzlich geschützten Feiertagsstatus in Regionen mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung am Donnerstag nach Pfingsten begangen, doch in den meisten Ländern am Sonntag danach. Mit diesem Fest werden oft jahrhundertealte Traditionen gepflegt, sodass sie Gläubige wie auch interessierte Touristen gleichermaßen anlocken. Allerdings ist unverkennbar festzustellen, dass es immer weniger traditionelle Fronleichnamsfeiern mit ihren geschmückten Altären und erhebenden Prozessionen gibt, nicht zuletzt deswegen, weil es immer weniger Menschen gibt, die sich darin engagieren.
Der anhaltende Austritt vieler Menschen aus der Kirche verändert auch die Erscheinung unserer religiösen Fest- und Brauchtumskultur. Viele Menschen nutzen stattdessen die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub, andere sind als sogenannte Hinzugezogene mit Ortstraditionen wenig verbunden und wieder andere haben sich der Kirche entfremdet, sodass sie all dies nicht anspricht.
Es fällt jenseits jeglicher Bewertung dieser Umstände auf, dass das Fest oder besser gesagt der inhaltsfreie „Feiertag“ einzig und allein als ein allen in der Gesellschaft gemeinsamer arbeitsfreier Tag gesehen wird, dessen Gestaltung dem einzelnen obliegt und somit nicht auf jene Gemeinschaft verweist, die erst das Fest zu seiner bereichernden Gestalt bringen kann.
Wo Festinhalte verblassen oder nicht mehr benannt werden können, da treten andere „Inhalte“ an ihre Stelle. Es scheint, als sei es heute die Arbeit, die das Leben und auch das Fest der Menschen definiert, indem es als Tag verstanden wird, an dem ein Mensch nicht arbeiten muss.
Es ist eine negative Bestimmung des Festes. Dies stimmt mich nachdenklich, nicht nur angesichts jener Debatten, die die Abschaffung von Festtagen zur Finanzierung von Sozialleistungen ins Spiel bringen, sondern weil eine wesentliche Dimension menschlichen Lebens verloren zu gehen droht: Für mich ist das Fest Sinnbild unverzweckten Lebens, daher auch nicht nur auf reine Erholung zu reduzieren, weil diese auch nur dem Erhalt der Arbeitskraft dient. Stattdessen stellt das Fest das Einüben des Menschen in das dar, was wirklich bleibt und ihn über die Zeit mit anderen verbindet: An Fronleichnam darf der Mensch entdecken: Mein Leben ist Gott nicht egal. In der Hingabe seines Sohnes kommt und bleibt er mir nahe und indem ich ihn in mir aufnehme, kann Leben mit anderen gelingen.
Über Dr. Arno-Lutz Henkel,
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, Kooperator im Pastoralen Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit April 2019 in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Seelsorger tätig.
Dies ist ein Beitrag der katholischen Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler
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Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel. Foto:privat