50 Jahre Scalare
Ehrungen zur Jubiläumsfeier
Aquarien und Terrarienfreunde Scalare e.V. im Mehrgenerationen-Hauses in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eine lächelnde Geisha, thronend über einem Becken mit bunten Koi-Karpfen empfängt die Besucher des Vereins für Aquarien und Terrarienfreunde Scalare e.V.
Dauerausstellung im MGH
Im Keller des Mehrgenerationen-Hauses in Bad Neuenahr-Ahrweiler hat die Dauerausstellung des Vereins ein Heim gefunden, wo 13 Aquarien und neun Terrarien / Insektarien, nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtet und für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Nun lud der Verein der Aquarien und Terrarienfreunde Scalare e.V. zu seiner 50-jährigen Jubiläums-Feier ein. Eine kleine Feierstunde fand aus diesem Anlass statt, zu der neben den Vereinsvorsitzenden und Vereinsmitgliedern, auch Bürgermeister Orthen und der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies anwesend waren. Der Erste Vorsitzende des Vereins, Dr. Christian Kniel fasste zu Beginn die Geschichte des Vereins zusammen, die 1965 mit fünfzehn Mitgliedern begann, genau dort, wo die Aquarien und Terrarien auch heute (wieder) stehen.
Artgerechte Haltung
Der erste Vorsitzende erläuterte für die Besucher die satzungsgemäßen Ziele des Vereines. Die Schwerpunkte sind die Verbreitung und Vertiefung von aquaristischen und terraristischen Kenntnissen in der Öffentlichkeit auch um artgerechte Haltung zu gewährleisten. Darüber hinaus sollen Erfolge in der Nachzucht kommuniziert werden, da es sich „mehr und mehr herauskristallisiert, dass eine Trennung der Vivaristik, die sich mit der Haltung von Pflanzen und Tieren, und den Belangen des Tier- und Artenschutzes nicht sinnvoll ist.“ Der Verein hilft auch Kindern und Jugendlichen mit Beratung über die Haltung der ihnen anvertrauten Kleinlebewesen mit dem Fernziel, bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen, was, so Dr. Kniel „nur durch die Vermittlung von ökologischen und spezifischen Kenntnissen zu Pflanzen-, Tierarten und Ökosystemen erreicht werden kann.“
Tiere werden aufgenommen
Des Weiteren werden überzählige Tiere aus Heimhaltungen oder erfolgreichen Nachzuchten aufgenommen und an neue Liebhaber vermittelt. Der Ansprache des ersten Vereinsvorsitzenden folgte ein Grußwort des Ersten Kreisbeigeordneten Horst Gies, der dem Verein im Namen des Kreises Ahrweiler zum 50-jährigen Bestehen herzlich gratulierte. Er erinnert sich, dass er bereits als neunjähriger Schüler ein Aquarium besaß und dass ihn diese Leidenschaft bis heute nicht losgelassen hat. Er lobte die Vereinsarbeit und im Besonderen die Jugendarbeit, die dem Verein sehr wichtig ist. Zum Abschluss überreichte er dem Ersten Vorsitzenden Dr. Kniel als Zeichen der Anerkennung und Verbundenheit eine finanzielle Ehrengabe von Landrat Dr. Pföhler. Im Anschluss richtete Bürgermeister Orthen ebenfalls ein Grußwort an den Verein und hob hervor, das dieser von Freunden und Mitgliedern getragen wird, was er zum Anlass nahm, ebenfalls ein Geldgeschenk als Jubiläumsgabe zu überreichen.
Ehrungen
Der zweite Vereinsvorsitzende Winfried Weber führte die Feierstunde fort mit der Ehrung des Vereinsmitgliedes Jochen Brecht, der seit 1. Mai 1988 sein Wissen um Vivaristik weiterreicht. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Dr. Kniel ehrte Manfred Sangs, der seit 34 Jahren dem Verein treu zur Seite steht, sich an Großprojekten beteiligt hat, viel zur Steigerung der Attraktivität der Ausstellungsstücke beigetragen hat und als Jugendwart die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gefördert hat. Manfred Sangs war 15 Jahre lang Erster Vorsitzender des Vereins und wurde nun zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Scalare - Was ist das?
Scalare oder Segelflosser gehören zu einer Art von Buntbarschen, die Pterophyllum scalare heißt und erstmals von Schultze 1823 beschrieben und benannt wurde. Diese Süßwasserfische sind unter Aquaristen sehr beliebt, da sie relativ anspruchslos sind. Sie stammen ursprünglich aus dem Amazonasgebiet und sind weit verbreitet entlang des Amazonas in Brasilien und nördlicher sowie südlicher Nebenflüsse von Guyana bis nach Peru. Sie erreichen eine Länge bis zu 26 cm und werden in Gefangenschaft zehn bis zwölf Jahre alt. Erst im 20sten Jahrhundert mit der Implementierung der Luftfahrt gelangten solch tropische Exoten nach Europa. Die meisten Arten, die früher beschrieben wurden, gelangten als Wildfänge in Formalin „gepökelt“ in die Museen der Welt. Die Naturalisten, die große Expeditionen, wie die von Alexander von Humboldt begleiteten, waren meist nicht an der Beschreibung der Arten beteiligt, sondern die Kuratoren der Museen arbeiteten sich durch die Aufsammlungen. Dabei ist das Zeitalter der biologischen Neuentdeckungen noch lange nicht beendet. Die Datenbank FishBase enthält vom Amazonas alleine über 1300 Fischarten, aber warnt, das der Katalog nicht komplettiert ist und Wissenschaftler schätzen das noch viele Arten besonders aus abgelegenen Gebieten nicht bekannt sind. Auch sind viele Fische zwar benannt und katalogisiert, doch oft beschränkt sich das Wissen auf taxonomische Details, wie Aussehen und Namen. Wie sich die Tiere verhalten, ernähren und vermehren ist oft wenig bekannt und hier können die Aquarianer einen großen Beitrag leisten.
Der See im Glase
Menschen haben Fische schon lange in Gefangenschaft gehalten, als Nahrungsreserven, aus religiösen Motiven, als Verzierung in Gärten und Häusern. Bereits um 100 vor Christus entwickelten die Römer ausgeklügelte Anlagen (Vivaria oder Piscina genannt), die hauptsächlich der Haltung von frischen, zum Verzehr bestimmten Fischen dienten. Der Goldfisch war vermutlich der erste Zierfisch, der von Menschen domestiziert wurde und vor über 1700 Jahren, der Zeit der ersten Jin Dynastie in China (265-420) wird er bereits erwähnt. Die Geschichte des Aquariums in Europa liegt etwas weiter als 160 Jahre zurück, und begann 1832 mit der französischen Meeresbiologin Jeanne Villepreux-Power, die ein Aquarium für Experimente mit aquatischen Organismen kreierte.
Vereinsgeschichte
Der Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde Scalare e.V. wurde 1965 gegründet.
1969: Einzug in die Kellerräume der damaligen Grundschule; 1970: Eröffnung der ersten ständigen Aquarienausstellung mit 30 Süßwasseraquarien, einem Meerwasserbecken, zwei Terrarien und zwölf Schmetterlingskästen.
1979: Verlegung der Ausstellung in den Rheinischen Hof bis April 1979.
1980: Eröffnung der neuen Ausstellung des Vereins „Aquarium-Terrarium-Insektarium Scalare“ im Erdgeschoss des alten Rathauses.
2005: Rückzug in die Kellerräume der Alten Grundschule Bad Neuenahr - heute Haus der Generationen.
Blick in eines der Meerwasser Becken des Vereins mit Weichkorallen und Seeanemonen.
Die Jubilare und ihre Gäste vor der Wand mit asiatischen Fischen (v.li.): Winfried Weber (2. Vorsitzender), Christian Kniel (1. Vorsitzender), Manfred Sangs (mit Urkunde zum Ehrenvorsitzenden), Jochen Brecht (mit Urkunde zum Ehrenmitglied), Heidi Brecht, Horst Gies (Landtagsbeigeordneter) und Guido Orthen (Bürgermeister). Fotos: SP
