Allgemeine Berichte | 30.01.2013

Ein Doppelkreuz - und viele mögliche Antworten

Autor widmet sich der Enträtselung des Lothringer Doppelkreuzes in Lohrsdorf

(v.l.) Karl Hatwig, Vorsitzender Konrad Gasper sowie Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem. FIX

Lohrsdorf. Ein Kreuz, das viele Fragen unbeantwortet lässt: Auch für Heimatforscher Karl Hatwig, der sich auf unterschiedlichste Art und Weise der Enträtselung des Lohrsdorfer Doppelkreuzes angenähert hat. Sicher ist nur, dass die Inschrift des Kreuzes die Jahreszahl 1754 trägt und ein Zeichen der Frömmigkeit der Menschen darstellt. Über die Herkunft und den Zweck eines solchen Kreuzes können Historiker nur spekulieren. Denn im Rheinland ist eine solche Kreuzform mit zwei Querbalken mehr als unüblich. Vielleicht gab es sogar ein Vorgängerkreuz, das im Laufe der vielen Kriegswirren zur damaligen Zeit zerschlagen und später neu errichtet wurde?

Sonderausgabe des „Schellemanns“

Viele Fragen - mögliche Antworten hat Karl Hatwig in mühevoller Recherche für eine Sonderausgabe des Ortsblättchens „Schellemann“ zusammengetragen, die kürzlich im Lohrsdorfer Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt wurde. Dazu konnte Konrad Gasper als Vorsitzender des Heimatvereins Lohrsdorf/Green neben rund 40 Gästen auch Landrat Jürgen Pföhler und Heinz Lindlahr in Vertretung für Bürgermeister Guido Orthen begrüßen. Einen besonderen Dank richtete er an den Autor Karl Hatwig, der in mühevoller Recherchearbeit maßgeblich zur Enträtselung des Lohrsdorfer Doppelkreuzes beigetragen habe und damit ein Stück Ortshistorie für nachfolgende Generationen aufrechterhalte. Nachdem der Heimatforscher im Vorjahr eine Ortschronik vorlegte, verfasste er nun die Denkschrift. Viel Zeit investierte Hatwig, um „das Kreuz auf seinen Errichtungszweck hin abzuklopfen“. Für die Sonderausgabe des Ortsblattes „Schellemann“ habe er das Kapitel zum Lothringer Doppelkreuz erweitert und überarbeitet, erzählt der pensionierte Lehrer gegenüber Blick aktuell. Hatwig ist überzeugt: „Ein Verhältnis zur Heimat ist wichtig. Gerade solch steinerne Denkmäler erzählen einiges von den Generationen vor unserer Zeit und müssen unbedingt erhalten bleiben.“

Anschaulicher Vortrag

In einem anschaulichen Vortrag entführte er die anwesenden Gäste in die Zeit der Dreiteilung des Fränkischen Reichs, stellte Verbindungen zu Lothringen her und rief die Entstehungsgeschichte des einstigen Ludwigsdorf, das heutige Lohrsdorf, in Erinnerung. Einzigartig sei dieses Lothringer Doppelkreuz im einstigen Kerndorf der Reichsherrschaft Landskrone, meint der Autor, „im Rheinland und in ganz Deutschland“. Wochen und Monate hat er die Archive nach Verbindungen zwischen Lohrsdorf und Lothringen durchstöbert - und ist fündig geworden: Geografisch gesehen spreche der Höhenzug von Sinzig, Löhndorf weiter bis zur Hocheifel und schließlich zu den belgischen Ardennen, die im benachbarten Lothringen ihre Fortsetzung finden, für eine landschaftliche Einheit. Darüber hinaus verbinde auch verkehrsmäßig die durch Lohrsdorf verlaufende Eifel-Ardennen-Straße, heute Sinziger Straße, Lohrsdorf und Lothringen. Zusammen mit den Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz, dem Großherzogtum Luxemburg und Belgien bildet Lothringen heute eine europäische Großregion. Daher spielen Lohrsdorf und Green nach Meinung von Karl Hatwig eine tragende Rolle: „Das Doppelkreuz in Lohrsdorf markiert die östliche Grenze dieser europäischen Großregion.“

Geschichtliche Parallelen

Aber auch geschichtlich gesehen gibt es durchaus Parallelen zwischen Lohrsdorf und Lothringen. Der erstmals im Jahr 828 urkundlich erwähnte Ort gehörte nach der Dreiteilung des Fränkischen Reichs im Jahr 843 zum karolingischen Mittelreich König Lothars I. und später zu Niederlothringen. Bereits im Jahr 1329 ist für Lohrsdorf/Green ein Gericht bezeugt. Sofern das Doppelkreuz einen Vorgänger besessen haben soll, könnte das Kreuz auch ein „Gerichtszeichen“ gewesen sein, um anzuzeigen, dass hier lothringisches Recht gesprochen wurde. Neben dem deutschen Kaiser Franz, der als geborener Lothringer auch oberster Landesherr von Lohrsdorf/Green gewesen sein soll, scheint zudem der aus dem Hause des Erzherzogtums Lothringen stammende Kurfürst Carl Theodor, Herzog von Jülich, Einfluss auf die Geschicke der Gemeinde Lohrsdorf genommen haben. War er der Auftraggeber des Doppelkreuzes, um den lothringischen Machtbereich abzustecken? War das Kreuz vielleicht eine Warnung an alle kaiserfremdlichen Landesfürsten, um sie von einer Zwangseinverleibung der Reichsherrschaft Landskrone abzuschrecken? Oder sollte es nach dem Verlust der Reichsfeste Landskron ein Erinnerungszeichen an ein uraltes Kaiserland sein? Abschließend kann Karl Hatwig diese Fragen nicht beantworten. Den „Schlüssel zur vollständigen Enträtselung“ vermutet im Landeshauptarchiv Koblenz und in privaten Adelsarchiven.

Neuer Standort des Steinkreuzes

Trotz aller Rätsel hat das Steinkreuz seit vergangenem Sommer zumindest einen neuen Standort auf der Nordseite der St. Petrus- und Marcello-Kapelle. Die Umsiedlung war nötig geworden, da sich das Kreuz zuvor auf einem Privatgrundstück befand und abzusacken drohte. Der Ortsbeirat hatte zudem befürchtet, dass das Grundstück zeitnah verkauft werden könnte und das Kreuz der Öffentlichkeit danach nicht mehr zugänglich wäre. Im Zuge der Renovierungsarbeiten stellte sich heraus, dass der Sandstein des Originalkreuzes derart verwittert war, dass eine wetterfeste Herrichtung nicht mehr möglich erschien. So steht das originale Lothringer Kreuz nun an der Innenwand der Kapelle neben dem Altarraum, und der Sockel mit einem neuen Doppelkreuz aus Trachyt auf dem im städtischen Besitz befindlichen Dorfplatz. Launig war der Ausklang des Abends: Nach Hatwigs Ausführungen boten Manfred Kolling, Werner Schüller und Helmut Schuld den rund 40 Gästen manch illustre Erzählungen in heimischem Platt, bevor der Abend in seinen geselligen Teil überging. Die Sonderausgabe des Ortsblättchens gibt es unentgeltlich beim Heimat- und Förderverein Lohrsdorf/Green und den Inserenten des „Schellemanns“.

RERE

(v.l.) Karl Hatwig, Vorsitzender Konrad Gasper sowie Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem. Foto: FIX

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