Stadtverwaltung legt Gutachten zur Ahr-Thermen vor
Ein Investitionstau von 11 Millionen Euro
Stadt will nun zielgerichtet Verhandlungen mit der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr und dem Land führen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um die Diskussion über die Zukunft der Ahr-Thermen und die Verhandlungen über deren Erwerb von der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr auf einer soliden Faktenbasis führen zu können, hatte die Stadt Bad Neuenahr ein Fachgutachten bei der Kannewischer Management AG in Auftrag gegeben, die eine Bestandsanalyse der Ahr-Thermen durchführte und ihre Marktchancen analysierte. Die Aufgabenstellung der Stadt lautete: Wie hoch ist der Investitionsbedarf, um der Therme eine wirtschaftliche Perspektive zu eröffnen? In der Vergangenheit hatte der Betrieb des Thermalbades jedes Jahr hohe Verluste verursacht. Das führte dazu, dass der bisherige Betreiber, die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, zum Jahresbeginn die Therme geschlossen hatte. Der Gutachter kommt in seiner Analyse zu einem Investitionsvolumen von rund 11,1 Millionen Euro. Wenn diese Summe bewegt würde, könnten die Ahr-Thermen in Zukunft ohne einen jährlichen Zuschuss wirtschaftlich betrieben werden. 4,9 Millionen hat der Gutachter für die umfassende Sanierung der veralteten Technik veranschlagt. Um die Ahr-Thermen, die seit rund 20 Jahren in Betrieb sind, auf ein akzeptables Niveau zu heben, das dem Kurstandort Bad Neuenahr entspricht, müsse man ihre Attraktivität steigern. Um den Thermen eine realistische Marktchance im harten Wettbewerb der regionalen Bäderlandschaften zu geben, müsse man zusätzlich 5,4 Millionen Euro investieren. 0,8 Millionen Euro hat der Gutachter noch zusätzlich für wünschenswerte Verbesserungen vorgesehen, sodass er das Gesamtinvestitionsvolumen auf 11,1 Millionen Euro beziffert.
Eins macht das Gutachten, so Bürgermeister Orthen, klar. „ In ihrem jetzigen Zustand können die Ahr-Thermen nicht wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden“. Defizite sieht der Gutachter vor allem im Saunabereich, der fehlenden Integration von Wellnesssektoren im Bad und in der veralteten Gestaltung der Badelandschaft. Hier seien grundlegende Veränderungen notwendig, um die „balneologische Attraktivität“ deutlich zu steigern. Die Baukonstruktion der Ahr-Thermen ist nach Einschätzung des Gutachters jedoch trotz ihres Alter in Ordnung, sodass ihre umfassen Umstrukturierung und Sanierung durchaus wirtschaftlich sinnvoll sein könnte. Die Kosten für einen kompletten Neubau eines vergleichbaren Thermalbades werden auf 20 bis 25 Millionen Euro geschätzt. Insofern ist nun die Stadtverwaltung, die Kommunalpolitiker, das Land und die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr wieder am Zuge.
Verhandlungen gehen in die entscheidende Phase
Die Ergebnisse dieses Gutachten werden nun am ersten April dem Stadtrat vorgestellt. Bürgermeister Guido Orthen sieht nun die Aufgabe der Verwaltung darin, mit Blick auf die Ergebnisse dieses Fachgutachtens eine abschließende Entscheidung des Stadtrates zur Zukunft der Ahr-Thermen vorzubereiten. Um ein solches Votum des Rates möglich zu machen, werden in den kommenden Wochen Verkaufsverhandlungen mit der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr geführt und parallel dazu mit der Landesregierung über Zuschüsse zu diesem Sanierungsprojekt verhandelt.
Wenn diese Verhandlungen abgeschlossen sind, will der Bürgermeister dem Stadtrat ein entscheidungsreifes Zukunftskonzept für die Thermen vorlegen über das aber nur in Verbindung mit einem Finanzierungsvorschlag abgestimmt werden soll.
Guido Orthen betonte: „Es wird keine Entscheidung über die Ahr-Themen ohne eine gleichzeitige Entscheidung über die Finanzierung geben. Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Notwendig sei, dass eine Entscheidung über die Zukunft des Bades sich nicht auf die einfache Alternative reduzieren ließe, ob die Stadt die Ahr-Thermen der Aktiengesellschaft abkaufen oder nicht.
Entschieden werden müsse über ein wirtschaftlich tragbares Zukunftskonzept und seine langfristige Finanzierung. „Das Gutachten der Fachfirma war in diesem Kontext eine wichtige Entscheidungshilfe“, betonte Guido Orthen, der in der Pressekonferenz erklärte, dass es für ihn unstrittig sei, dass Bad Neuenahr eine Therme brauche, um seine Position als führendes Kurbad im nördlichen Rheinland-Pfalz behaupten zu können.
Er fügte jedoch hinzu: „Die Ahr-Thermen sind nicht alles. Und wir werden dann, wenn die Verhandlungen nicht erfolgreich verlaufen sollten, auch über alternative Konzepte nachdenken.“ Bekräftigt wurde in dem Pressegespräch zudem, dass die Stadt im Falle eines Erwerbs und Sanierung der Thermen, die Betriebsführung an ein Fachunternehmen aus der Branche übertragen will. Mit Blick auf die Verhandlungen über Landeszuschüsse für einen umfassenden Umbau der Ahr-Thermen wies Bürgermeister Orthen auch darauf hin, dass die Frage der Zukunft dieses Thermalbades ein wichtiges Element für den Kur-und Wirtschaftsstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler sei. Da das Land in seine Staatsbäder in der Vergangenheit zielgerichtet investiert habe, sei nun auch aus der Perspektive der Landespolitik „politisch“ zu entscheiden, welchen Stellenwert Bad Neuenahr im Kontext der Kurdestinationen des Landes habe.
Die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr erklärte zu der Vorstellung des Gutachtens: „Nach den uns vorliegenden Informationen ist das Fazit des Gutachtens: „ein Thermalbad lässt sich in Bad Neuenahr nur aufgrund seiner touristischen Bedeutung und nur in der vorhandenen Größenordnung rechtfertigen. Die Verantwortlichen der Stadt werden entscheiden, wie wichtig Ihnen die Ahr-Thermen für den Tourismus- und Heilbadstandort Bad Neuenahr sind. Aufgrund der laufenden guten und konstruktiven Verhandlungen mit der Stadt Bad Neuenahr, werden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht über mögliche Vertragsinhalte äußern.“
Helmut Schwarz
In einem Pressegespräch stellte Bürgermeister Orthen den Gutachtenentwurf der Kannewischer Management AG vor, der sich mit dem Zustand der jetzigen Ahr-Thermen und ihren wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven befasst hatte. Die Gutachter kommen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass Investitionen von rund 11 Millionen Euro notwendig sind, um einer technisch sanierten und zeitgemäßen Ansprüchen genügenden Therme eine wirtschaftliche tragfähige Perspektive eröffnen zu können.
Bürgermeister Guido Orthen (1.v.l.) erläuterte den Gutachtenentwurf zu den Perspektiven der Ahr-Thermen vor.
