Einfache Autos neu gedacht
Ein Kleinwagen wie Lloyd: Persönliche Nachlese auf das Lloyd Treffen in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als ich das erste Mal in Kontakt mit der Automarke Lloyd kam, war dies im Zusammenhang mit einer Erzählung meines Vaters (gelernter KFZ Elektriker). Er erzählte aus seinen Kindheitstagen, dass es früher Autos gegeben habe, die aufgrund von Materialmangel und dem geringen Einkommen der Menschen im Wesentlichen aus Plastik und Holz bestanden. Diese spöttisch als Leukoplastbomber bezeichneten Fahrzeuge waren mit einer einfachen, aber soliden Motorentechnik ausgestattet, die es jedem Besitzer ermöglichte kostengünstig mobil zu sein. Die Ausstattung der Fahrzeuge war hierbei bewusst einfach und schlicht gehalten, um die Produktionskosten für das Fahrzeug so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig verzichteten die Konstrukteure nicht darauf kleinere schlichte Stilelemente bei Lampen, Stoßstangen oder Kühlergrill ihrer Zeit zu verbauen, um ein eigenes und unverwechselbares Design zu verleihen. Hinzu kam ein zeittypisches Farbspiel zwischen dem Hauptlack und dem Dach. Ein einfaches und ehrliches Fahrzeug für den normalen Durchschnittsbürger: Ein Lloyd.
Viele Jahre geriet diese Erzählung in Vergessenheit, bis sie mir vor kurzem wieder in Erinnerung kam als ich mich mit Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten über die aktuelle Krise der Automobilindustrie unterhielt und die Diskussion darauf kam, warum die meisten Fahrzeuge heutzutage so stark mit Elektronik und sensibler Technik ausgestattet sind, dass diese häufig nicht mehr selbst zu reparieren sind und gleichzeitig enorm teuer beim Neukauf und der Reparatur in der Werkstatt sind. Manche Fahrzeuge sind dabei mittlerweile so kompliziert gebaut, dass noch nicht einmal eine Scheinwerferbirne ohne größeren Aufwand und Ausbau von Anbauteilen gewechselt werden kann. Design und Ergonomie bestimmen häufig das Fahrzeug entgegen von Wertigkeit und solider Technik.
Häufig erinnert man sich dann nostalgisch an die Erzählungen der älteren Generationen, in denen man selbst am Fahrzeug ohne größere Schwierigkeiten zumindest kleinere Reparaturen vornehmen konnte und die Technik so einfach ist, dass jeder mit einem Funken technischen Verständnis den Aufbau des Motors verstehen konnte. Schnell fielen hierbei die Markennamen Lloyd, Tempo, Gutbrod oder auch Goliath, die alle Einfachheit und Robustheit miteinander verbanden.
Angeregt durch diesen Austausch über die „guten alten Zeiten“ begann ich einmal zu recherchieren und darüber nachzudenken, warum es solche einfachen und ehrlichen Autos wie die Marke Lloyd heutzutage nicht mehr gibt und wie vielleicht heute ein solches Auto aussehen könnte.
Einer der Hauptpunkte, warum es einfache und ehrliche Kleinwagen wie von Lloyd kaum mehr gibt, dürften die immer höheren EU-Regelungen sein, die bestimmte Sicherheits- und Motorentechnik vorschreiben. Gleichzeitig lohnt es sich nicht für Autohersteller ein Kleinfahrzeug mit diesen Vorgaben zu entwickeln, da die Verkaufsmarge viel zu gering ist und somit der Gewinn pro Auto nicht hoch genug ist. Da die Aktionäre einer Automobilfirma verständlicherweise immer höhere Gewinne einfahren wollen, um den Wert der Aktien zu steigern, bauen verständlicherweise Automobilfirmen keine oder kaum Kleinwagen mehr, obwohl der Bedarf und die Nachfrage nach einem kostengünstigen und soliden Kleinwagen durchaus bestehen.
Hinzu kommt die Tatsache, dass manche Automobilfirmen wie Mercedes einen starken Markennamen haben, den sie nicht mit einem einfachen und kostengünstigen Kleinwagen in Verbindung gebracht haben möchten. Aston Martin hat beispielsweise einmal einen Kleinwagen in Größe eines Smarts herausgebracht, der zwar preisgünstiger als ein normaler Aston Martin war, doch irgendwie dem Anspruch der Marke hinterherhinkte. Es passte nicht zur Marken DNA. Selbst die Marke VW, welche eigentlich mit dem Käfer ein Volksauto geschaffen hatte, hat mittlerweile Probleme einen soliden Kleinwagen auf den Art zu bringen, da dieser nicht zur Marken DNA passt.
Genau deshalb fehlen heute Marken wie Lloyd, Goliath und Gutbrod, die für einfache und solide Autos ohne Schnickschnack mit Touchscreen Steuerung, integriertes KI-System uvm. stehen.
Doch wie müsste eigentlich ein solches Auto heutzutage aussehen bzw. wie könnte es aussehen?
Ein moderner Kleinwagen der 1950er Jahre müsste heutzutage sicherlich ein Elektrokleinwagen sein. Elektromotoren haben eine lange Lebensdauer, sind pflegeleicht und solide. Der einzige Schwachpunkt, der sich aber sicherlich in den kommenden Jahren noch lösen wird, stellen die Batterien dar. Reichweite und Lebenszeit der Batterien werden einer der ausschlaggebenden Punkte in der Automobilindustrie und beim Verkauf von Neuwagen sein. Wichtig bei einem soliden und qualitativ wertigen Kleinwagen wird die einfache Austauschbarkeit der Batterien sein, so wie es früher beispielsweise bei Smartphones gewesen ist. Eine digitale Geschwindigkeitsanzeige, Uhrzeit sowie der Ladestatus der Batterie dürften wohl vollkommen ausreichen im Armaturenbrett.
Designtechnisch wäre es vielleicht ganz reizvoll, sich an den Geschmack der 1950er Jahre anzulehnen. Aktuell ist die Wiederbelebung alter Typenbezeichnungen wie der Renault 5 sehr beliebt und kommt in der Käuferschaft auch gut an.
Eine Neuauflage beispielsweise des Lloyd Alexander wäre daher ein interessanter Gedankengang. Mit künstlicher Intelligenz lassen sich erfreulicherweise heute ohne größeren finanziellen Aufwand solche Designideen ansatzweise umsetzen. Runde Scheinwerfer vorne, eine dünne Chromeleiste an der Seite sowie auf der Motorhaube, zweifarbige Lackierung, Radkappen aus glänzendem Aluminium, schmale Rücklichter sowie ein einfacher Kühlergrill. Fertig ist ein einfaches und ehrliches Fahrzeug.
Befeuert von den KI-generierten Bildern begann ich zu recherchieren, ob es nicht möglich wäre die Marke Lloyd nicht noch einmal wieder zu beleben und vielleicht eine Kooperation mit einem Automobilhersteller zu schließen.
Obwohl eine erste Recherche im deutschen Markenregister (DPMA) ergab, dass die Eintragung abgelaufen sei (sie wurde zusammen mit der gescheiterten Neuauflage von Borgward angemeldet), musste ich nach intensiverer Recherche durch einen Markenanwalt einsehen, dass die Marke Lloyd im Automobilsektor immer noch von kleineren Unternehmen und auch Vereinen genutzt wird. Eine Markenanmeldung mit entsprechender Wiederbelebung der Automarke war bedauerlicherweise somit mehr als ungünstig. Der Traum von Lloyd als günstigen Elektrokleinwagen des 21. Jahrhunderts war somit so schnell vorbei wie er begonnen hatte.
Was jedoch bleibt, ist die Erkenntnis über die Sehnsucht der Menschen nach einem soliden Kleinwagen ganz nach dem Grundsatz: Einfach, ehrlich Lloyd!
Ein einfaches Innendesign angelehnt an die Eleganz der 1950er Jahre würde dem Lloyd einen eigenen Charakter verleihen. Foto: T.Napp/KI
