Freilichtbühne mit starker Ronja Räubertochter
Ein Sommer der Freundschaft
Schuld. Die Lichtung oberhalb des Theaterdörfchens ist wie geschaffen für den Mattiswald. Hier lebt der gleichnamige Räuberhautmann mit seiner Frau Lovis, der gemeinsamen Tochter Ronja und seinem Gefolge in einer Burg. Alleine, seit vor Jahren ein gewaltiger Blitz die Mattisburg in zwei Hälften spaltete. Doch wie sich herausstellt, ist mittlerweile nebenan der Räuber Borka mit seiner Familie und seinen Leuten eingezogen. Das bleibt zunächst unentdeckt, bis Ronja auf Borkas Sohn Birk trifft. Die Beiden freunden sich an, bis sie fast wie Schwester und Bruder sind. Das ist jedoch für die Feindschaft zwischen den Räuberbanden nicht gerade zuträglich. Eingebettet in diese abenteuerliche Geschichte geht es in Schuld hoch her. Da schlägt nicht nur der Blitz ein, da wird auch mit Schwertern gekämpft, da wird gerauft und sich böse beschimpft. Als ob das noch nicht genügt, gibt es im Zauberwald allerhand merkwürdige Wesen, Wildruden treiben ihr Unwesen, Graugnome sorgen für schaurige Momente im Nebel, ein Füchslein taucht auf und Rumpelwichte erheitern die Zuschauer.
Tolle Darsteller
Unter der umsichtigen Regie von Jens Kerbel - der Mönchengladbacher inszeniert erstmals in Schuld und führt das Ensemble sicher durch den Nachmittag - zeigt die vielköpfige Spielschar in Schuld eine gewohnt starke Leistung. Getragen und gehalten wird die Aufführung freilich von vier Jugendlichen: Isabelle Oldenburg und Milena Becher sind in der Titelrolle, Leon Schmitz und Etienne Werres als Birk Burkasohn am Start. Da die Akteure der Hauptrollen nicht an allen Terminen zur Verfügung stehen und man genügend Darsteller hatte, konnte man erstmals seit Jahren zu Doppelbesetzungen greifen. Ronja und Birk geben ein besonders sympathisches Paar ab, das um seine Freundschaft kämpft und einen herrlichen Sommer zusammen verbringt. Und den zerstrittenen Erwachsenen damit klar macht, dass es im Leben auch um Toleranz und sich vertragen geht. Unterstützt werden sie von Frank Burbach, der als Glatzen-Peer die Rolle des Erzählers einnimmt, souverän durch das Stück führt und dabei noch Laute spielt und singt, Chapeau. Aus der langen Darstellerliste seien stellvertretend für alle noch drei weitere Akteure genannt: Udo Stratmann ist als Mattis nicht nur körperlich imposant, sondern auch herrlich ungehobelt. Heiko Linnerz und Anne Stratmann schließlich beeindrucken als Rumpelwichtmann und Rumpelwichtfrau. Bemerkenswert, was die beiden aus ihren kleinen Rollen machen, das spürt auch das begeisterte Publikum.
Die Spielfreude aller Akteure, gepaart mit ganz wunderbaren Kostümen, aufwendigen Masken und dem großartigen Natur-Bühnenbild sorgt für eine bärenstarke Ronja Räubertochter, die jeden Besuch lohnt. Sogar ein wenig Lokalkolorit ist wieder dabei. Der lange Applaus am Ende beweist, die Botschaft von Astrid Lindgren ist angekommen: Diesen Sommer der Freundschaft sollten sich Theaterfreunde nicht entgehen lassen. Karten gibt es unter Tel. (0 26 95) 31 8 sowie unter www.freilichtbuehne-schuld.de, gespielt wird noch bis 9. August.
Ein starkes Team: Milena Becher als Ronja (r.) und Etienne Werres als ihr Freund Birk.
