Privat-Hotel Villa Aurora Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ein außergewöhnlicher Vortragsabend
Professor Dr. med. Georg Kreutzberg referierte zum Thema: „Warum macht der Mensch Kunst? ...“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mitglieder der Are-Künstlergilde, des CV-Zirkels Rhein-Ahr und des Lions Club Bad Neuenahr erlebten einen hochinformativen und fesselnden Vortrag des weltweit berühmten Hirnforschers:
Dr. Gerhard Kreuter, der als Mitglied aller drei Organisationen den Abend initiiert hatte, stellte den 60 Gästen seinen Bundesbruder Prof.Dr. Georg Kreutzberg vor:
In Ahrweiler geboren, als Sohn des damaligen Chefarztes (und begnadeten Heimatdichters) Dr. Josef Kreutzberg und Nachfahre des Entdeckers der Apollinaris-Quelle und Gründer des Heilbades, war Georg Kreutzberg nach Studium der Medizin und Facharztausbildung mehr als 23 Jahre Professor der Neuropathologie in München und leitete dort über 10 Jahre das Max-Planck-Institut für Neurobiologie, eine hochangesehene Forschungseinrichtung von weltweitem Ruf. Seine experimentell wissenschaftlichen Arbeiten über Hirn-und Nervenkrankheiten fanden in der Fachwelt immense Beachtung, Prof. Kreutzberg ist der am meisten zitierte Forscher in der Neuropathologie.
Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise, Titel und Auszeichnungen. Auch nach seiner Emeritierung ist er wissenschaftlich tätig und hält zahlreiche Vorträge.
Antworten eines Neurobiologen
Ein kurzes Resümee aus dem höchst informativen Vortrag: Die Erfindung der Kunst durch den Menschen geschah in der Steinzeit. In einer feindlichen Welt, wo es täglich ums Überleben ging, begann der Homo sapiens zu ritzen, zu schnitzen, zu tanzen, zu dekorieren und zu malen. Mutmaßungen auf dem Hintergrund der Hirnforschung sollen helfen, diese künstlerische Kreativität besser zu verstehen, denn Kunst ist etwas einzigartiges Menschliches.
Die ersten „Kunstwerke“ waren Werkzeuge aus Stein, deren Herstellung vor circa 2,5 Millionen Jahren begann und weiterentwickelt wurde, auf der Basis einer Hirnentwicklung über circa 2 Millionen Jahren. Das innere Bild und das erarbeitete und gelungene Werkstück setzen im Gehirn Glückshormone frei, die wiederum die künstlerische Weiterentwicklung des Menschen fördern. Gelungene künstlerische Aktivitäten enden im hirneigenen Belohnungssystem und vermitteln ein Gefühl der Befriedigung.
Neueste Entdeckungen am südlichen Kap von Afrika haben zu neuen Erkenntnissen über Anfänge und Fähigkeiten des Homo sapiens sapiens geführt. Er hatte vor 200.000 bis 100.000 Jahren erhebliche technische Fertigkeiten entwickelt, stellte komplexe Werkzeuge her, veredelte Material aus Kieselkruste durch Feuer, es wurde Ockerfarbe entdeckt.
Eine Auswanderungswelle aus Afrika traf in Europa auf den Neandertaler, der noch keine künstlerischen Fähigkeiten entwickelt hatte. Vieles Zwischenzeitliche muss übergangen werden.
Die Eiszeitmalerei ist der Höhepunkt des Kunstschaffens des Homo sapiens sapiens vor 35.000 bis 16.000 Jahren, nachdem 15.000 bis 35.000 Jahre vorher dramatische Veränderungen in seinem Erbgut mit geistiger und sozialer Weiterentwicklung stattgefunden hatten.
Beeindruckende Steingravuren von Jagdtieren und Frauen sowie die zahlreichen farbigen und naturalistischen Höhlenmalereien wecken die Bewunderung besonders. Die Höhle von Altamira in Spanien wurde als die „Sixtinische Kapelle der Eiszeit“ bezeichnet.
Betrachtet man die Motive der Höhlenmalerei, so stellen sie das dar, was zu den beiden fundamentalen Bedingungen der „conditio humana“ der Eiszeit gehört: Die Erhaltung der Art durch Fortpflanzung und die Ernährung.
„Wir müssen davon ausgehen, dass die Steinzeitmenschen der europäischen Eiszeit waren wie wir. Wir würden dafür sorgen, dass unsere Kinder etwas lernen, was es ihnen ermöglicht, in ihrer Welt zurechtzukommen.“ Diese Welt war Jahrtausende lang durch die Jagd bestimmt. Diese musste erlernt werden, so wie heute noch ein Jagdschein gemacht werden muss.
Prof. Kreutzberg ist der Auffassung, die Höhlen dienten der Unterrichtung in der Jagdkunst. Die Höhlen waren „Klassenzimmer“ für Jungjäger.
„War also die Kunst etwas Überflüssiges, ja Luxuriöses in einer feindlichen Umgebung der Eis-oder Steinzeit oder bot gar sie einen Überlebensvorteil?“
Kunst war wichtig zur Entwicklung sozialer Intelligenz, der Entwicklung kunstvoller Werkzeuge und Waffen und eines Jagdkundeunterrichts, der zum Überleben beitrug. Die Entwicklung des Gehirns hat über Jahrtausende diese Fortschritte ermöglicht, wie die moderne Hirnforschung gezeigt hat. Die Präsidentin des Lions Club Andrea Stenzel bedankte sich bei Prof. Kreutzberg für diesen hochkarätigen und inhaltsreichen Vortag, der auch ihr persönlich als künstlerisch tätiger Musikerin viel gegeben habe und überreichte als Dankeschön (Prof. Kreutzberg hatte auf ein Honorar verzichtet) einige Flaschen mit gutem Ahrrotwein.
Für die Are-Künstlergilde überreichte Präsidentin Eva-Maria Kreuter Herrn Prof. Kreutzberg den Band 70 des Heimat Jahrbuches Kreis Ahrweiler, in dem sich auch ein beachtenswerter Beitrag über seinen Vorfahren Georg Kreuzberg findet.
Schließlich erfreute Dr. Kreuter für den CV- Rhein-Ahr den Redner noch mit einer Flasche des „Königsweins“ der Deutschen Weinkönigin Julia aus Dernau.
Es entwickelte sich im Hotel Aurora, das die Familie Lindner ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, bei einem guten Glas Ahrrotwein noch viele lebhafte Gespräche und Diskussionen bis Mitternacht, nicht zuletzt auch in Gedenken an Prof. Dr. Georg Kreutzberg, den vor 7 Jahren verstorbenen bekannten Arzt, Kunstliebhaber, Heimatforscher und Bruder des Referenten.
