Rathaus-Kultur Bad Neuenahr-Ahrweiler und Dokumentationsstätte Regierungsbunker laden ein
Es geht um Staatsgeheimnisse und mehr ...
Zeitreise durch 50 Jahre Bunkergeschichte - Informationsabend am Mittwoch, 24. April, 19 Uhr, im Rathaus
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der ehemalige Regierungsbunker unter den Weinbergen hoch über Bad Neuenahr-Ahrweiler: Seit über einem halben Jahrhundert schreibt das Betonmonstrum Geschichte. Für den Fall des atomaren Schlagabtauschs zwischen Ost und West in den Jahren des Kalten Krieges gebaut, galt der Bunker als Staatsgeheimnis Nummer 1, von dem möglichst wenig an die Öffentlichkeit gelangen sollte.
Doch auch mit der Auflösung der „Dienststelle Marienthal“ 1998 und dem Abriss ab 2001 ist die jüngere Geschichte dieses Ausnahmebauwerks nicht immer klar gezeichnet, und ein Satz beschreibt die Irrfahrt des Regierungsbunkers hinein in die Neuzeit ganz zutreffend: „Dann stand ich da mit meinem Bunkermuseum, das keiner haben wollte ...“, so Florian Mausbach. Als Präsident der Bundesbaudirektion setzte er sich zusammen mit Landrat Dr. Jürgen Pföhler für den Erhalt eines kleinen Teilbereichs des einst riesigen Atomschutzbunkers ein - und findet niemanden, der sich dieses Stücks deutscher Geschichte annehmen will.
Auch das ist Thema am Mittwoch, 24. April, ab 19 Uhr im großen Sitzungssaal der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler (Hauptstraße 116), wenn ein Informationsabend zu einer Zeitreise durch 50 Jahre Bunkergeschichte in Wort und Bild einlädt.
Vom Atomschutzbunker zur Dokumentationsstätte
390.000 Menschen aus aller Welt haben seit der Eröffnung 2008 die „Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Bad Neuenahr-Ahrweiler“ als weltweit einmaligen Ort besucht. Überlebende der Hiroshima-Bombe waren da wie auch Staatsgäste - die ersten übrigens aus Russland. „Als der Heimatverein Alt-Ahrweiler 2005 die Verträge zum Bunkermuseum unterschrieb, prognostizierte man uns 50 Besucher pro Woche“, erinnert sich Dr. Wilbert Herschbach als Vereins-Vorsitzender. Übers Jahr gerechnet wären das, abzüglich der Winterpause, rund 2.000 Gäste im Bunker gewesen. Tatsächlich kommen jährlich über 80.000 Besucher.
Die Erfolgsgeschichte der Dokumentationsstätte - noch immer ein Thema für sich, an der mit viel Engagement weitergeschrieben wird. Niemand konnte mit diesem Ansturm rechnen, schon gar nicht über die Zeit der Eröffnung hinaus. Wilbert Herschbach berichtet am 24. April über Hintergründe, Pläne und Realitäten, wie sie auch im jüngst erschienenen Buch „Plan B. - Bonn, Berlin und ihre Regierungsbunker“ ausführlich nachzulesen sind.
Blick hinter die Kulissen von Staatsgeheimnissen
Die beiden „Plan B.“-Autoren Michaela Karle und Jörg Diester gestalten den zweiten Teil der Veranstaltung, wenn sie auf ihre jüngste Bearbeitung von Staatsgeheimnissen in Ost und West eingehen. Das verspricht Spannung pur mit hohem Unterhaltungswert: Der vermeintliche geheime unterirdische Verbindungsgang zwischen dem Bonner Regierungsviertel und dem Ahrbunker im Visier der DDR-Spionage wird über einen Aktenfund 2011 beschrieben, die bislang unzugänglichen „Drehbücher“ der NATO zur Übung 1979 im Bunker geben detailliert Auskunft, wo es beim Atomkrieg klemmt. Wie der erste Spionageverdächtige (aus Dernau) den Sicherheitsverantwortlichen des Bundes auffällt, wie man ihn heimlich beschattet und welche „hochbrisanten“ Ergebnisse zusammengetragen werden - alles Themen in „Plan B.“. Selbst die größten Pannen der DDR-Spionage um den Regierungsbunker werden beschrieben wie auch die Einsicht der Sicherheitsverantwortlichen in Marienthal: „Bereits im Grundansatz war der Schutzschirm falsch ausgerichtet und konnte zu keinem Zeitpunkt wirklich funktionieren!“ Die Makel werden hinter dem Deckmantel der Geheimhaltung versteckt, wie so vieles im Zusammenhang mit dem Regierungsbunker. Dass jemals diese Geheimakten wieder aufgeschlagen werden und öffentlich ausgewertet - davon ging niemand der vor 50 Jahren Eingeweihten aus. Die Aufarbeitung in „Plan B.“ reicht bis in die „elektronische Neuzeit“ hinein: E-Mails aus dem Bundesinnenministerium beschreiben 1996 die künftige Belegung bei Kriegsübungen. Ein Jahr später gibt die Regierung ihren Bunker auf und lässt ihn abreißen. Für die Autoren aus heutiger Sicht ein schwerwiegender Fehler, geht es darum Geschichte zu erhalten und künftigen Generationen zu vermitteln - auch dieser kritische Ansatz wird am 24. April verfolgt und Besucher sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion wie an der gesamten Veranstaltung zu beteiligen.
Der Eintritt zur Veranstaltung am 24. April, 19 Uhr im Rathaus der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler (Großer Sitzungssaal) Hauptstraße 116, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler ist kostenlos.
Pressemitteilung der
Stadtverwaltung
Bad Neuenahr-Ahrweiler
Er war lange einer der geheimsten Orte der alten Bundesrepublik: der Regierungsbunker unter den Weinbergen des Ahrtals. Foto: privat
