Europatag 2024 Rheinland-Pfalz
Europatag und Preisverleihung Landeswettbewerb Philosophie am Gymnasium Calvarienberg
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Als „Europaschule des Landes Rheinland-Pfalz“ feiert das Gymnasium Calvarienberg jedes Jahr einen Europatag, an dem sich Schüler mit Aspekten des europäischen Gedankens und Zusammenlebens auseinandersetzen. In diesem Jahr wurde der Europatag mit der Preisverleihung „Landeswettbewerb Philosophischer Essay“ verbunden, den mit Lara Hansen, eine Schülerin aus der MSS 11 des Calvarienbergs, mit dem ersten Landespreis gewinnen konnte.
Der Tag begann mit der Europahymne, gespielt von den Musiklehrern , Claudia Habers und Dominik Löbens, sowie einem Grußwort von Schulleiterin Dr. Annette Gies. Anschließend setzte sich Thomas Schuster, Philosophielehrer am Goethe-Gymnasium in Bad Ems, in einem philosophischen Impulsvortrag mit der Frage nach einem Anspruch auf Wahrheit und damit verbunden mit Kants Diktum der Wahrhaftigkeit auseinander und grenzte dies von dem Fall der irrtümlichen Falschaussage, dem Lügen als bewusstem Vorgang sowie der Heuchelei ab. Gerade in Bezug auf eine institutionelle heuchlerische Grundhaltung fordert Schuster ein klares Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit als Anspruch, den Bürger erheben könnten, und nannte hier Beispiele aus Politik und Kirche. Abschließend übertrug Schuster die Frage nach Wahrhaftigkeit auf das Funktionieren von KI, um zu dem Schluss zu kommen, dass wir als Gesellschaft einer strukturellen Lüge unterliegen, da die Funktionsweise der KI selbst den Programmierern nicht vollständig zugänglich sei. Gleichzeitig herrsche eine große Abhängigkeit von Maschinen, die nicht als zur Wahrhaftigkeit fähigen Personen, sondern als Produzenten von simulierten, vermeintlich gehaltvollen Aussagen anzusehen seien.
Vor der Preisverleihung erläuterte Georg Ehrmann, Referent im Bildungsministerium, die Wettbewerbsbedingungen des „Landeswettbewerb Philosophischer Essay“ und verband dies mit dem Aufruf zum philosophischen Denken und Schreiben. Die Einsendungen wurden von einer Fachjury bewertet, der Dr. Christiane Lang, Christoph Merklein, Dr. Johannes Hilgart, Dr. Christian Rusch und Thomas Schuster angehören. Anschließend überreichte Hr. Ehrmann gemeinsam mit der Vorsitzenden des Fachverbandes Philosophie Rheinland-Pfalz Dr. Christiane Lang Buchpreise und die Eule der Minerva für ausgezeichnetes philosophisches Denken. Neben der Siegerin Lara Hansen aus dem Philosophiekurs von Julia Boes wurden Iris Stumm aus der 10. Klasse des Hannah-Arendt-Gymnasium Haßloch, sowie auf einem geteilten dritten Platz Diana Seryj aus der MSS12 des Kurfürst-Balduin-Gymnasium Münstermaifeld und Marlen Sattel aus der MSS13 des Gymnasium am Kaiserdom Speyer ausgezeichnet. Mit Sophia Sezal, Justus Theobald und Ben Weber erhielten weitere Schüler des Calvarienbergs Teilnahmeurkunden.
Als erste Preisträgerin stellte Lara Hansen den Inhalt ihres Essays vor, wobei sie sich auf die Frage konzentrierte, was wirkliche Freiheit ausmache. Die Schülerin entwickelte dabei den Gedanken, dass bewusster Verzicht auf Wahrnehmung aller bestehenden Möglichkeiten sowie Verzicht auf Machtausübung in wahre Freiheit münde. Diese bestehe in erster Linie aus verantwortlichem Entscheiden und Handeln.
Nach der Preisverleihung war es den Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 12 sowie den Gästen aus anderen Schulen möglich, in mehreren Workshops an Fragen und Themen der Europäischen Union zu arbeiten. So wurden beispielsweise Leserbriefe zur Wiedereinführung der Wehrpflicht oder Karikaturen zu gegenwärtigen politischen Themen erstellt, oder sich mit konkreten Fragen zu der Situation der Gen Z oder dem Wert der Gemeinschaft beschäftigt. Das Arp-Museum bot einen Kreativworkshop zu dem Thema „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ an. Auch weitere kreative Aufgaben wie die Arbeit an Brettspielen zu europäischen Themen oder die Durchführung eines Planspiels zum Europäischen Rat fanden viel Anklang. Die überzeugenden Ergebnisse der Workshops waren in einem Museumsgang am Ende der Veranstaltung zugänglich und zeigten, dass sich die Schüler/innen auf kreative, analytische sowie meinungsbildende Weise mit der Bedeutung eines geeinten Europas in einer durch viele Krisen und Konflikte gezeichneten Welt genähert hatten.
