Karin Meiner mit elf internationalen Performance-Kollegen in Wiesen, Feldern und Steinbrüchen unterwegs
„Explorativ“: Künstlerische Erkundung des ländlichen Raums
Ahrweiler/Andernach/Burgbrohl. Was eine Performance ist, davon haben in der Region viele Menschen keine Vorstellung. Schließlich hat Performancekunst in der Peripherie Seltenheitswert. Allerdings gibt es diese situations- und ortsbedingte Form der öffentlichen künstlerischen Darbietung seit rund 50 Jahren - aber eben bevorzugt in den Städten. „Wie krieg ich die Künstler aufs Land“, fragte sich folglich Karin Meiner aus Burgbrohl. Ihr schwebten „Künstlerische Erkundungen im ländlichen Raum und Interventionen mit internationalen Performancekünstlern“ vor, eine Idee, die der diesjährige Kultursommer „Eurovisionen“ als förderungswürdig einstufte.
Aktionskunst betrieb Künstlerin Meiner mit einen „Eierlöffelgang“ erstmals 1985 in Mallorca. Zum aktuellen „explorativ“ (erforschend, erkundend) genannten Projekt, das in Kooperation mit dem Performance-Netzwerk PAErsche-Aktionslabor NRW und dem Verein AIM für Kulturprojekte im ländlichen Raum realisiert wird, lädt sie zwei Mal elf Kollegen zu sich ins Atelier. Meiner: „Das sind alles gestandene Performancekünstler, unter anderem aus Österreich, Belgien, Mexiko“. Sie nächtigen im Atelier und in Zelten im Garten, leben und arbeiten gemeinsam für einige Tage. Die Initiatorin hat als Erkundungsräume Felder, Wiesen und Steinbrüche vorgesehen. Dort können die Künstler erfahren, was ihnen einfällt, welche Inspirationen sie vom jeweiligen Umfeld aufnehmen oder, wie sie sagt, „schauen, was sich entwickelt“.
Neben Diskussionen in Meiners Domizil und den Probeperformances vor Ort wird es öffentliche Auftritte in Ahrweiler und Andernach geben, der erste, „explorativ °1“, am Sonntag, 4. August, 11 bis 16 Uhr, auf dem Ahrweiler Marktplatz und beim Museum der Kreisstadt (Altenbaustraße). „Was dort passiert, ist nicht voraussagbar“, erklärt Karin Meiner, die ebenso wenig versprechen kann, „dass das unterhaltsam wird“. Ihrer Meinung nach ist die ländliche Region für die Aktionskunst geeignet. „Ich möchte solche experimentellen Formate hier ausprobieren“. Den Künstlerkollegen, „die alle urban und global geprägt sind und die meinen, sie müssten in den Städten leben, weil es dort die Galerien, Museen, den intellektuellen Diskurs und die Konkurrenz gibt“, will sie Zugänge eröffnen für „elementare Erfahrungen“, ländliche Erfahrungen, die es wert sind, erlebt zu werden. In Ahrweiler nehmen außer ihr teil: Malte Beisenherz, Marita Bullmann Petra Deus, Susanne Helmes, Philine Herrlein, Rolf Hinterecker, Mark Met, Thorsten Müller, Boris Nieslony, Lala Nomada und Carola Willbrand. In Andernach sind mit „explorativ °2“ Performances in den Rheinanlagen und auf dem Boot zum Geysir geplant. Termin ist Samstag, 28. September, von 11 bis 17 Uhr.
