Politik | 21.10.2013

Forstamt Adenau

Forstamt Adenau zeigt die Auswirkungen überhöhter Wildbestände

Zu hohe Wildbestände machen es unmöglich für Jungbäume selbstständig zu wachsen und schaden dem Wald

Die Teilnehmer informierten sich über die massiven Wildschäden.Andreas Michel

Adenau. Der Leiter des Forstamtes Adenau, Winand Schmitz, konnte am 16. Oktober die Vertreter der regionalen Presse und der Jagdpresse sowie die Mitglieder des Kreisjagdbeirates, den Kreisjagdmeister Joachim Polch und den Vorsitzenden der Rotwildhegegemeinschaft Ralf Mocken zu einer Exkursion begrüßen.

Eingeladen wurde mit dem Ziel, anhand des Lebensraumes zu dokumentieren, wie erheblich der Einfluss des Wildes auf den Wald und insbesondere auf die Waldverjüngung sein kann. Winand Schmitz will zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen, da in den zurückliegenden Monaten im Kreis Ahrweiler - auch unter Einbindung der Medien - eine betont emotionale Diskussion um das Rotwild und die Rotwildhege geführt wurde. Hierbei steht auch die Frage der Wildfütterung immer wieder im Raum.

Im Kreis Ahrweiler kommen die Schalenwildarten Rotwild, Rehwild, Schwarzwild und stellenweise Muffelwild vor und das soll - laut Winand Schmitz - auch so bleiben. Es geht allein um die Frage, wie hoch darf der Wildbestand sein, sodass der Lebensraum nicht übermäßig beeinträchtigt wird und gleichzeitig der Wildbestand vital und gesund bleibt.

Die Belange der Waldbesitzer - sei es als Bewirtschafter oder Jagdrechtsinhaber - werden in besonderem Maße tangiert. Hier ist Verständnis für die unterschiedlichen Interessen, eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und Verantwortung gefordert.

Der Lebensraum des Wildes ist im Kreis Ahrweiler sehr waldgeprägt. Besonders im Bereich Hochacht/Kesselinger Tal existieren große geschlossene Waldgebiete mit ausgedehnten Niederwäldern, die in Mastjahren reichlich Winteräsung bieten.

Bei fehlender Mast ist der Lebensraum gegenüber abwechslungsreichen Wald-Feld-Mischlandschaften benachteiligt, zumal ganze Feldfluren abgegattert und die Wiesentäler besiedelt sind. Die Höhe des Soll-Wildbestandes muss dies berücksichtigen.

Zu hohe Bestände schaden den Tieren

Allein die Entwicklung der Rotwildstrecke im Kreis Ahrweiler weist aber eine stetige Zunahme und Ausdehnung des Rotwildbestandes aus. Es sind womöglich Jahre dabei, in denen die Abschüsse den Zuwachs übertreffen; im Gesamten ist dies jedoch nicht gelungen. Insbesondere werden zu wenig Zuwachsträger erlegt und die Bestände wachsen von Jahr zu Jahr an.

Die Entwicklungen im Winter 2012/2013 (keine Mast, begrenztes Äsungsangebot) brachten die Eskalation: Ab Mitte Dezember konzentrierte sich das Rotwild an den noch verbliebenen Brombeerbüschen und abgeästen Wildwiesen auch verbunden mit einer hohen Parasiteninfektion und entsprechenden Fallwildraten.

Die Gruppe besuchte zwei Waldgebiete, die die Unterschiede zwischen akzeptablen Wildbeständen und problembehafteten Verhältnissen widerspiegeln. So ist das erste Waldbild eine wunderbare Buchennaturverjüngung mit zahlreichen Mischbaumarten unter einem Altholzbestand. Winand Schmitz führte aus, dass auch hier ein ansprechender Wildbestand existiert und Schutzmaßnahmen beispielsweise gegen Schälschäden regelmäßig erforderlich sind. Aber die Verjüngung der Wälder - auch im Sinne der Nachhaltigkeit - gelingt. Und hier zeigt die Erfahrung, dass die großflächige Buchennaturverjüngung tatsächlich gelingt, sobald die Wildbestände einigermaßen angepasst sind.

Die Bilder in den Brennpunkten zeigen andererseits, dass hier eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft kaum sicherzustellen ist. Die natürliche oder künstliche Verjüngung der Wälder gelingt quasi nur in Gattern mit großem finanziellen und personellen Aufwand. In manchen Forstbetrieben fehlen die beiden jüngsten Altersklassen (Bäume unter 40 Jahre) komplett und der Wald ist völlig überaltert. Jungbäume müssen chemisch oder mechanisch gegen Schälschäden geschützt werden. Sobald sie Widerstand leisten, äst das Rotwild die Rinde der Stämmchen und öffnet damit die Pforten für Fäulnispilze.

Schutzmaßnahmen müssen teuer bezahlt werden

Allein die Aufwendungen in den Forstbetrieben für die beschriebenen Schutzmaßnahmen liegen in den Brennpunkten über 30 Euro je Hektar und Jahr. Die echten Schäden sind hier nicht eingerechnet. Den Teilnehmern wurden Douglasien gezeigt, die als 80 cm große Pflanzen vor fünf Jahren gesetzt wurden und trotz aller Schutzmaßnahmen heute keine 50 cm mehr hoch sind. Die Bodenvegetation fällt nahezu komplett aus. Rotwild als Großweidetier wird unreguliert zum Zerstörer des eigenen Lebensraumes.

Allein aus der jagdlichen Verantwortung für Wild und Wald heraus muss sich die Wilddichte am Lebensraum orientieren. So wurde auch der Sollabschuss für das laufende Jagdjahr bezogen auf den engeren Kesselinger Bereich um 199 Stück Rotwild erhöht. Es ist eine große jagdliche Herausforderung, weidmännisch und damit tierschutzgerecht - Stichwort Mutterschutz - Zuwachsträger in ausreichendem Maße zu erlegen. Das Konzept für die staatliche Regiejagd im Rahmen der FSC-Zertifizierung sieht hier eine früh einsetzende Kahlwildjagd, regelmäßige Gemeinschaftsansitze, eine Einschränkung der Trophäenjagd und großflächige Bewegungsjagden vor.

Hier kommt zukünftig die Bedeutung der neuen Hegegemeinschaften fürs moderne Wildtiermanagement zum Tragen (Bestandesermittlung und Zuwachsermittlung) mittels neuer Techniken und Verfahren, Herleitung einer Zielgröße, Abschussplanung und -verteilung, Fütterungskonzepte. Dies schließt am Rotwild orientierte Jagdstrategien (keine Nachtjagd, revierübergreifende Drückjagden, intensive Rehwildbejagung) mit ein.

Ein Gesamtkonzept mit Maßnahmen der Äsungsverbesserung, des Prossholzangebotes bei gleichzeitig angepassten Wildbeständen wäre der beste Tierschutz .Pressemitteilung

Forstamt Adenau

Die Teilnehmer informierten sich über die massiven Wildschäden.Foto: Andreas Michel

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