Politik | 13.05.2014

Auf vier Ebenen sollen künftig Goldbären produziert, gelagert und verwaltet werden

Gemeinderat Grafschaft plant für Haribo

Neue Zufahrtsstraße im Süden des Werksgeländes auf den Weg gebracht - Lkw-Parkplatz für 100 Laster und ein Regenrückhaltebecken kommen auch

Grafschaft. Bevor der Bonner Goldbären-Produzent Haribo seine Zelte in der Grafschaft aufschlägt, muss der Gemeinderat noch jede Menge Planungsarbeit investieren. So stellte das Gremium bei seiner jüngsten Sitzung im Ringener Rathaus einstimmig die Weichen unter anderem für die verkehrsmäßige Anbindung des 27 Hektar großen Geländes im Innovationspark Rheinland, auf dem Haribo so schnell wie möglich bauen möchte. Dort soll unter anderem eine zusätzliche Produktionsstätte mit sechs Produktionsstraßen, ein gigantisches Lager mit bis zu 50 Meter hohen Hochregalhallen, ein repräsentatives Verwaltungsgebäude sowie ein „Haribo-Museum“ nebst einer „Haribo-Erlebniswelt“ gebaut werden.

Das Vorhaben wird aller Voraussicht nach nicht ganz billig werden, Experten schätzen das Projekt auf ein gesamtes Investitionsvolumen von über einer halben Milliarde Euro. Zweifellos die größte Gewerbeansiedlung aller Zeiten in gesamten Kreis Ahrweiler. Und die Bonner drücken mächtig auf das Tempo, denn dem Vernehmen nach soll die Produktion bereits Ende 2015 im neuen Haribo-Werk Grafschaft aufgenommen werden.

Gelände wird in vier Ebenen terrassiert

Doch zuvor muss das Gelände, das ein starkes Gefälle von Nord nach Süd von etwa 20 und von Nordwest nach Nordost von etwa 40 Metern besitzt, erst einmal Baureife erlangen. Dazu soll das abschüssige Grundstück zunächst in vier Ebenen terrassiert werden, was allein mit 6,8 Millionen Euro zu Buche schlägt. Um den künftigen Bauwerken zumindest ein bisschen die Wucht zu nehmen, sollen die höchsten Hochregallager auf der untersten Terrasse gebaut werden und die niedrigsten Verwaltungsgebäude ganz oben.

„Aber eins ist schon jetzt klar: Man wird künftig schon von Weitem sehen, dass dort ein Werk von Haribo steht“, erläuterte Bürgermeister Achim Juchem. Immerhin werde man versuchen, die optische Beeinträchtigung mit einer großformatigen Begrünung des Geländerandes sowie einer inneren Durchgrünung so weit wie eben möglich zu verringern.

Dadurch sei es allerdings auch erforderlich, eine zweite Zufahrt zu dem Werksgelände zu schaffen, nämlich am unteren Rand, damit das Logistiklager direkt von der Autobahn aus angefahren werden kann. Dafür soll an der A 61 eine weitere Auf- und Abfahrt gebaut werden, und zwar zur Kreisstraße 34 hin, die die Ortschaften Vettelhoven und Eckendorf miteinander verbindet. Mit dieser Anbindung des Innovationsparks sollen auch die westlich gelegenen Ortsteile der Grafschaft besser an den Innovationspark und das Haribo-Gelände angeschlossen werden. Außerdem sei damit eine weitere Ableitungsmöglichkeit bei Staus auf der Autobahn zwischen dem Meckenheimer Kreuz und der Ahrtalbrücke gegeben.

Darüber hinaus ist geplant, südlich des Innovationsparks einen Parkplatz mit sanitären Einrichtungen für 100 Lastwagen zu bauen, die dort auf ihre „Abfertigung“ im Haribo-Werk warten könnten. Gleich daneben soll ein Regenrückhaltebecken für 1,5 Millionen Euro entstehen, und im Innovationspark selbst soll es neue Straßenverläufe geben, die zu Haribo hin- und wegführen, was weitere drei Millionen Euro kostet. Allerdings gebe es für sämtliche Maßnahmen hohe Zuschüsse von der Europäischen Union sowie vom Land Rheinland-Pfalz.

Bis Anfang 2015 will die Gemeinde Grafschaft die noch offenen planerischen Probleme gelöst haben und das „fertige“ Grundstück an Haribo übergeben. Gleich danach könnte der Gummibärchenproduzent mit dem Bau des neuen Firmensitzes beginnen, wofür eine Bauzeit von einem Jahr ins Auge gefasst wird.

Belastungen der Bevölkerung verringern

Aufgrund der vorhandenen Topographie sei es allerdings nicht möglich, so Juchem, die geplante neue Straße, die insgesamt drei Kilometer lang sein wird, innerhalb des derzeit gültigen Bebauungsplanes für den Innovationspark unterzubringen. Daher soll nun der Bebauungsplan in Richtung Süden erweitert werden, nämlich um eben jene südliche Erschließungsstraße sowie um das Regenrückhaltebecken und den Lkw-Parkplatz. Nach Ansicht der Gemeinde werden durch die jetzt in die Wege geleitete Änderung des Flächennutzungsplanes und die angedachten verkehrstechnischen Maßnahmen, die zu erwartenden Belastungen der Bevölkerung durch die Neuansiedlung von Haribo deutlich reduziert. Außerdem werde eine bessere Verzahnung von Wohnen und Arbeiten erreicht und die Funktionalität des Innovationsparkss aufgewertet. Die geplante wassertechnische Maßnahme mit dem Bau eines Regenrückhaltebeckens zur Regelung des Wasserabschlusses sei zudem eine Reaktion auf die Überschwemmungskatastrophen der vergangenen Jahre.

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