Rechs Junggesellenverein feierte 400-jähriges Bestehen
Gründung im Mittelalter
Viele Gratulanten kamen zum Fest auf den Dorfplatz
Rech. Ein seltenes Jubiläum für einen Verein feierte der Junggesellenverein Rech mit einem Fest auf dem Dorfplatz an der Alten Schule. Präsident Dirk Stephan begrüßte viele Recher Bürger beim Fest, das kurzfristig auf die Beine gestellt worden war. „Wir sind nur 30 Mitglieder, da ist es schwer, eine Veranstaltung zu organisieren. Daher haben wir uns entschieden, die Feier kleiner zu halten“, räumte der Vorsitzende ein. Doch nicht minder fröhlich ging es beim runden Geburtstag der Unverheirateten des Ortes zu, zumal halb Rech zum Gratulieren und Anstoßen erschienen war. Eine bewegte Geschichte ließ Dirk Stephan in seiner Jubiläumsrede Revue passieren. „Genau vor 400 Jahren wurde unser Verein zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Hinblick auf die Junggesellenvereine an der Ahr und in der Eifel handelt es sich um einen verhältnismäßig langen Zeitraum. Nicht viele Vereine können auf eine Gründung im Mittelalter zurückblicken. Damals stand noch die Saffenburg, war noch nicht von Schweden oder Franzosen geplündert. Selbst zur Gründung der ältesten Winzergenossenschaft Deutschlands sowie der Kreissparkasse Ahrweiler und der Volksbank sollten noch viele Jahrzehnte vergehen“, ließ Dirk Stephan seinen Blick weit in die Vergangenheit schweifen. Die Tradition der Junggesellenvereine geht in die Zeit zurück, in der die meist armen, unverheirateten Bürger abseits des einfachen bäuerlichen Lebens etwas Unterhaltung suchten. Daher schlossen sie sich in „Burschenschaften“ oder „Knechtenschaften“ zusammen. Dieses Brauchtum habe sich bis heute gehalten, freute sich Stephan. Selbst in bewegten und schwierigen Zeiten hätten die Junggesellenvereine die Tradition hochgehalten. Und auch der heutige JGV Rech habe sich die Bewahrung des Brauchtums auf die Fahnen geschrieben.
Neue Fahne wurde eingeweiht
Apropos Fahne: Zum Jubiläum hatte der Verein für stolze 1700 Euro eine neue Fahne anfertigen lassen und präsentierte sie am Samstagabend. In der Pfarrkirche hatte Pastor Lothar Anhalt das Schmuckstück geweiht und den Junggesellen in launiger Predigt gratuliert. Der Präsident erwähnte in seiner Rede, dass die erste Fahne 1847 angeschafft worden war, weitere folgten in den nächsten Jahrzehnten. Beim schweren Bombenangriff im Dezember 1944 gingen diese Wahrzeichen verloren. Kreissparkasse und Volksbank sowie viele private Spender hatten die neue Fahne finanziert. Der besondere Dank ging an die Geldinstitute, die jeweils 500 Euro gestiftet hatten, die KSK war durch Sabrina Gieler vertreten. Aber auch die Freiwillige Feuerwehr Rech, der Eifelverein und das Versicherungsbüro Eller hatten in ihre Taschen gegriffen. Zahlreiche Gratulanten waren ebenfalls gekommen, um ihre Glückwünsche zu überbringen. Ortsbürgermeister Dieter Kutscher überreichte Urkunde und einen gefüllten Umschlag. Weinkönigin Juliana Gros und Prinzessin Meike Stephan waren zur freundschaftlichen Umarmung erschienen. Den Heimat- und Verkehrsverein präsentierten charmant Susanne Kirsch-Höller und Ute Schenk. Peter Schenk überbrachte die Grüße des Eifelvereins. Besonders eng sind Junggesellenverein und Feuerwehr verbunden, denn viele Recher arbeiten in beiden Gruppierungen aktiv mit. FF-Chef Markus Hostert hatte neben den Grüßen noch einige Flaschen für die nächste Feier des JGV dabei. „Brauchtum erhalten - Zukunft gestalten“ steht auf der neuen Fahne der Recher Junggesellen. Und das haben sich die Mannen um Dirk Stephan auch fest vorgenommen. Der Verein ist ein fester Bestandteil des Dorflebens, betonte der Vorsitzende. Aktiv sind sie beim Lucia-Markt, beim Rundgang der Weinkönigin durch die Weinhöfe und Gaststätten während des Winzerfestes, unterstützt werden die jungen Männer grundsätzlich von den Freundinnen, wie Dirk Stephan betonte.
Die neue Fahne präsentierten Mitglieder des Junggesellenvereins stolz vor der Kirche.
