Allgemeine Berichte | 05.05.2015

Gitarrist Simon Wahl war zu Gast in der Ehemaligen Synagoge

Händeklappern für Fingerstyle-Künstler

Simon Wahl in der Ehemaligen Synagoge. RERE

Ahrweiler. Für ein Wow-Erlebnis nach dem anderen sorgte Simon Wahl bei seinem Konzert in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler. Auf Initiative von Gerd Weigl war das bereits sein drittes Gastspiel in der Region. Bei seinen überraschend ausgereiften und inspirierenden Eigenkompositionen fühlten die Zuhörer am Sonntagabend nur so mit dem talentierten Gitarren-Virtuosen. Die knapp 100 Gäste wanderten mit ihren Augen den zuckend-zupfenden Fingern auf seiner Akustikgitarre nach. Sie wunderten sich über das, was der erst 25-jährige gebürtige Bonner seiner Gitarre entlocken konnte. Was blieb war stilles Zuhören, Genießen und Staunen. Simon Wahl ließ die Gitarre für sich singen.

Auf über 500 Konzerten im In- und Ausland hat der Solokünstler sein außerordentliches Können bereits unter Beweis gestellt. Zudem gewann er einige Musikpreise wie den „Acoustic Grand Slam“ in Freiburg, und auf internationalen Gitarrenfestivals spielt er regelmäßig mit Gitarrenstars wie Adam Rafferty, Thomas Leeb oder Don Ross. Zwar fiel die Kulisse am Sonntag wesentlich kleiner aus, doch auch in der Ehemaligen Synagoge konnte Wahl sein ganzes Talent ausspielen. Er präsentierte überwiegend Hits seiner aktuellen EP „Fernweh“, aber auch Klassiker wie „What a wonderful world“ erst ganz stilgetreu, um dann dem Stück freestyle einen modernen Touch zu verpassen. „Schließt die Augen und denkt an einen Film, den Ihr Euch im Zeitraffer vorstellt“, forderte Simon Wahl bei seinem Stück „Always“ auf. Die schwungvollen Gitarrenriffs vermittelten genau dieses Gefühl: Alles wie im Zeitraffer. Auch der Versuch, einen Fluss mit seinen Geräuschen auf die Gitarre zu übertragen, gefiel bei der Hommage an seine Heimatstadt Bonn („Am Rhein“). Und nicht nur bei eingängigen Songs wie „Hoffnung“ präsentierte Simon Wahl das, was er schon seit Jahren lernt, lebt und jetzt auch schwarz auf weiß als Abschluss in der Tasche hat: ein großes Talent für außergewöhnliche Musik. Der Abschluss ist ein Bachelor in klassischer Gitarre. Das Thema seiner Abschlussarbeit in Linz war „Spieltechniken auf der Akustikgitarre“. Dafür recherchierte er in der Geschichte und forschte zu den Spielarten Fingerstyle und Fingerpicking. Nur ein Beispiel für die kleinen Erklärphasen während des Konzerts, die Simon Wahl immer wieder einbaute.

Simon Wahl entlockte seiner Gitarre neue Töne und Geräusche, die selbst das geübte Ohr schwerlich einer einzigen Gitarre zuordnen konnte. So überraschte er mit einer Harfengitarre und insgesamt zwölf Saiten, mit der er deutlich basslastigere Töne anstimmte. Dieses Unikat hatte er sich in London bauen lassen - und wurde zuletzt zwei Jahre nicht mehr bewegt, weil die Luftfeuchtigkeit in seiner Heimatstadt Linz zu niedrig war. Bei seinem Synagogenkonzert traute er sich und verabschiedete sein Publikum mit zwei Klassikern in die Pause.

Als „One-Man-Band“ verband Simon Wahl auch weiter virtuose Rhythmen mit gefühlvollen Melodien - und blieb seinem ganz eigenen Stil konsequent treu: melodiöse Schönheit in vielfältigen Variationen. Wahl bot nicht nur ein Crossover von Pop, Klassik, Rock, Hip-Hop und Flamenco, sondern auch eines der verschiedenen Techniken. Fingerpicking, Percussion, Slapping oder Melodiespiel - alle Techniken unter einem Hut. Er groovte, rockte mit seiner speziell angefertigten australischen Gitarre meist bei geschlossenen Augen und verstand es auch, die leisen Töne voller Feingefühl anzustimmen - etwa bei Pinks „Dear Mr. President“. Schnörkellos waren die vielen steigernden Momente im Spiel des Simon Wahl, das sein Publikum rund 90 Minuten träumen ließ. Es hagelte Applaus - zwischen den Stücken und lang anhaltend am Ende. Eine Zugabe war da reine Formsache.

Mit 13 Jahren begann Simon Wahl Klassische Gitarre zu lernen, spielte bald E-Gitarre in diversen Rockbands und wechselte schließlich zur akustischen Fingerstyle-Gitarre, mit der er sich nach eigenen Angaben „musikalisch am besten ausdrücken kann.“ Bis zuletzt studierte er klassische Gitarre in Linz/Österreich bei Gitarrenprofessor Prof. Michael Langer, veröffentlichte zwei professionelle Studioalben und leitet als Dozent Workshops für Fingerstyle-Gitarre.

Simon Wahl in der Ehemaligen Synagoge. Foto: RERE

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