Politik | 21.07.2015

Ahrtal-Werke schreiben im Geschäftsjahr 2014 Verlust

Hohe Investitionen verhindern vorerst schwarzen Zahlen

Die Ahrtal-Werke, hier das Kraftwerk im Dahlienweg, schrieben im Jahr 2014 einen Jahresverlust von 429.000 Euro. Doch mittelfristig wird mit einer leicht positiven Ergebnisentwicklung gerechnet. JOST

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch fünf Jahre nach ihrer Gründung schreiben die Ahrtal-Werke noch rote Zahlen, doch das soll bald der Vergangenheit angehören. Das erfuhr der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung von den beiden Geschäftsführern Susanne Strauch und Johannes van Bergen. So musste im Geschäftsjahr 2014 ein Jahresverlust von 429.000 Euro bilanziert werden, der sich zusammen mit den Verlusten aus den Vorjahren zu insgesamt 1,5 Millionen Euro kumuliert.

Stromnetz übernommen

Doch schon in diesem Jahr will man eine schwarze Null schreiben und rechnet mittelfristig mit einer leicht positiven Ergebnisentwicklung. „Was in den ersten Jahren an Verlust anfällt, interessiert in zehn Jahren niemand mehr“, sagte van Bergen voraus, denn die Ahrtal-Werke würden auch in 100 Jahren noch existieren und satte Gewinne abwerfen. So langsam komme man erst in die Bereiche, die man sich vorgestellt habe, denn erst zum Jahresanfang habe man das Stromnetz vom RWE übernehmen können. Dafür seien erfreulicherweise „nur“ 6,2 Millionen Euro zu bezahlen gewesen, ursprünglich habe man mit dem Vierfachen kalkuliert. Allerdings habe man das Stromnetz zunächst noch für vier Jahre pachten müssen, doch diese Kröte habe man angesichts der Ersparnisse und auch, um einem Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen, gerne geschluckt, so der Geschäftsführer.

Ausbau des Fernwärmenetzes

Er erinnerte auch daran, dass die Ahrtal-Werke schon jetzt 15 bis 16 Millionen Euro investiert hätten, davon etwa fünf Millionen Euro in das neue Kraftwerk südlich der Ahr in der Dahlienstraße. Der Rest sei in den Ausbau des Fernwärmenetzes geflossen, um die Kraft-Wärme-Kopplung des Blockheizkraftwerkes optimal zu nutzen. Leider habe der Verfall des Strompreises auf den Spotmärkten der Kalkulation einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn dadurch werde erheblich weniger eingenommen als geplant. Dazu komme auf der anderen Seite eine Verteuerung des Gases, das man beziehe, um den Strom zu erzeugen, sodass die Schere hier auseinandergehe. Erfreulich sei dagegen die Entwicklung der Kundenzahl, die mittlerweile fast 3.000 angestiegen sei, ergänzte Geschäftsführerin Susanne Strauch. Besonders beim Strom gebe es Zuwächse, die Zahl der Kunden stieg innerhalb eines Jahres vom März 2014 bis März 2015 um fast 50 Prozent von 1732 auf 2390 an. Die Zahl der Gaskunden stagnierte dagegen mit einer nur leichten Steigerung von 448 auf 494. „Operativ sind wir ganz gut aufgestellt“, ergänzte Strauch und verwies darauf, dass man mit acht Mitarbeitern fast acht Millionen Euro umgesetzt habe, was einen Umsatz von einer Million Euro pro Mitarbeiter entspreche. Die Fernwärme-Abgabe sei von 21,2 auf 46,8 Gigawattstunden und die Stromerzeugung von zehn auf 20 Gigawattstunden angestiegen. Beim Strom stieg die Vertriebsmenge von 6.460 auf 9.664 Megawattstunden, beim Gas sank sie von 18.665 auf 17.010 Megawattstunden.

Bilanzsumme gestiegen

Die Bilanzsumme stieg um knapp 4,9 Millionen Euro von 17,7 auf 22,5 Millionen Euro, was allerdings nicht ganz realistisch sei, so van Bergen. Am 31. Dezember 2014 hatte man nämlich kurzfristig gut 6,2 Millionen Euro auf dem Konto, mit denen man aber schon am 2. Januar 2015 das Stromnetz vom RWE bezahlte. Mit der Energieversorgung Mittelrhein sei man in Verhandlungen zur Übernahme des Gasnetzes, doch diese gestalten sich schwierig. Insgesamt habe sich der Finanzmittelbestand um 5,6 auf 6,2 Millionen Euro erhöht.

Auf einem guten Weg

Erfreulicherweise sei das Fernwärmenetz sowie das Blockheizkraftwerk im Dahlienweg erstmals ganzjährig in Betrieb, die Erweiterung des Fernwärmenetzes auf die nördliche Ahrseite sei in der Umsetzung. „Wir sind alles in allem auf einem guten Weg, den Trend umzukehren“, gab er sich optimistisch. Dazu müsse man aber noch die Kundenzahlen nach oben bringen, was mit einer Verstärkung des Vertriebs geschafft werden soll. Das Fernwärmenetze solle weiter verdichtet und das Dienstleistungsangebot ausgebaut werden. Er hofft auf eine möglichst schnelle Übernahme des Gasnetzes, um Synergien in diesem Geschäftsfeld sicherzustellen.

In der Start-up-Phase

„Die Ahrtal-Werke wurden 2009 gegründet und befinden sich nach wie vor in der Start-up-Phase“, zeigte CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Kniel Verständnis für die wirtschaftlich noch unbefriedigende Situation des Unternehmens, das zu 51 Prozent der Stadt Bad Neuenahr und zu 49 Prozent den Stadtwerken Schwäbisch Hall gehört. Hohe Investitionen seien in den Anfangsjahren getätigt worden, die in der Bilanz mit 10,5 Millionen Euro ausgewiesen seien. Von den Eigentümern bereitgestelltes Guthaben für den Kauf des Stromnetzes sowie Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände summierten sich auf weitere 9,6 Millionen Euro, die ebenso Bestandteil der Aktivseite seien. Demgegenüber stehe das Eigenkapital mit 2,6 Millionen Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von rund 19,5 Millionen Euro. Das Eigenkapital sei allerdings mittlerweile erhöht worden, womit sich das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital wieder verbessere. „Die Struktur der Bilanz ist für ein Unternehmen dieser Branche fünf Jahre nach Gründung durchaus nachvollziehbar und keineswegs außergewöhnlich“, wusste der Bankdirektor. Wenn man das Ergebnis und die Gewinn- und Verlustrechnung 2014 analysiere, stelle man fest, dass unter den schwierigen Marktbedingungen ein positiver Cashflow erwirtschaftet worden sei – wenn man die Abschreibungen in Höhe von 767.000 Euro außer Acht lasse. „Operativ wurde also ein positives Ergebnis erzielt, wenn auch die Abschreibungen verdient werden müssen“, erläuterte Kniel. Die steigende Finanzkraft des Unternehmens sowie die Planrechnung für 2016 bis 2020 zeigten - nach einem schwierigen Jahr 2015 - eine Entwicklung, die aus heutiger Sicht die Bilanzverluste ausgleichen könne.

Positive Aspekte

Kniel weiter: „Die zukunftsgerichteten Themen Fernwärme, Gasnetz, Stromnetz und weiterer Kundengewinnung lassen für die kommenden Jahre insgesamt eine positive Entwicklung erwarten.“ Ob darüber hinaus die von der Bundesregierung initiierte Ergänzung und Änderung im Bereich der Energiewende positive Auswirkungen auf Strom aus gasbetriebenen Blockheizkraftwerken haben, bleibe im Gesetzgebungsverfahren abzuwarten. „Wir sollten allerdings nicht allzu große Hoffnungen hegen, aber irgendetwas wird schon zu unserem Vorteil hängen bleiben“, hoffte Kniel. SPD-Sprecher Fritz Langenhorst strich ebenfalls die positiven Aspekte heraus. „Natürlich hätten auch wir es gerne gesehen, haben es vielleicht sogar erwartet, dass die Ahrtal-Werke schneller die Gewinnzone erreichen. Gleichwohl verkennen wir es nicht, dass gerade in den ersten Jahren nach einer Unternehmensgründung enorme Anstrengungen im investiven Bereich unternommen werden müssen, die sich in der Folge zunächst einmal in negativen Bilanzzahlen auswirken.“ Der Bau des Kraftwerks im Dahlienweg und der fortlaufende Aufbau eines Fernwärmenetzes seien dabei die herausragenden Positionen.

Schritt in eine gute Zukunft

Mit der Übernahme des Stromnetzes sei das Unternehmen einen weiteren, allerdings auch wieder kostenintensiven Schritt in eine gute Zukunft gegangen. „Demgegenüber stehen die Anstrengungen, als Energieversorger am Markt der Stadt und der Region Fuß zu fassen. Und hier erkennen wir, dass es sich um ein prosperierendes Unternehmen mit ansprechenden Zuwachsraten handelt.“ Doch seien weitere und intensivere Anstrengungen erforderlich, um das Unternehmen als lokalen, kompetenten, konkurrenzfähigen und ökologisch orientierten Energieversorger in der Region noch stärker in den Fokus der potenziellen Kunden zu rücken. Das Betriebsergebnis bekräftigte die Richtigkeit des eingeschlagenen Kurses und lasse darauf hoffen, dass in den Folgejahren zunehmend positive Ergebnisse erzielt werden könnten.

Ideale Begleiterin der Energiewende

Grünen-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Schlagwein wies darauf hin, dass hier auch der Wärmemarkt gesehen werde und nicht nur die Stromseite allein. Die Kraft-Wärme-Kopplung habe ein großes Potenzial und sei die ideale Begleiterin der Energiewende. „Es wäre schön, wenn die Rahmenbedingungen das nicht behindern, sondern beschleunigen würden“, wünschte er sich mehr Unterstützung aus der Politik. Dennoch sei er überzeugt, dass man mit den Ahrtal-Werken auf dem richtigen Weg sei – auch zusammen mit dem Partner aus Schwäbisch Hall. Hans Boes (FWG) signalisierte die uneingeschränkte Zustimmung seiner Fraktion. Mit der Gründung der Ahrtal-Werke sei der Stadtrat einen schwierigen Weg gegangen und gehe ihn auch noch weiter. Es ist auch entscheidend, dass wir als Rat und Verwaltung dahinter stehen – vor allem aber die Bürger müssen sich damit identifizieren und über kurz oder lang Kunde werden“, wünschte er sich. Wolfgang Huster (Linke) machte deutlich, dass seine Fraktion ohnehin grundsätzlich für die Stadtwerke sei, denn die Energieversorgung gehöre in Bürgerhand.

Wertschöpfung bleibt in der Region

Das Schlusswort hatte Bürgermeister Guido Orthen (CDU): „Die Entscheidung war richtungsweisend und zugleich Ausdruck des Gestaltungswillen des Rates, die Energieversorgung der Stadt wieder in die eigene Hand zu nehmen.“ Ein wichtiger Aspekt sei für ihn aber auch, dass die Wertschöpfung in Zukunft in der eigenen Region bleibe. „Aller Anfang ist schwer – aber die positive Perspektive ist aufgezeigt“, zeigte er sich zuversichtlich. Einstimmig beschloss der Rat somit, dem Jahresabschluss zuzustimmen, den Jahresfehlbetrag auf neue Rechnung vorzutragen und die Geschäftsführung sowie den Aufsichtsrat zu entlasten.

Die Ahrtal-Werke, hier das Kraftwerk im Dahlienweg, schrieben im Jahr 2014 einen Jahresverlust von 429.000 Euro. Doch mittelfristig wird mit einer leicht positiven Ergebnisentwicklung gerechnet. Foto: JOST

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