Offene Tür zum Welthospiztag
Hospiz-Verein Rhein-Ahr präsentiert die Vielfalt seiner Angebote
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schwellenangst war fehl am Platz, denn das Haus ist nicht bloß ein Büro. Die Begegnungsstätte des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr soll das sein, was sie beim Tag der offenen Tür zum Welthospiztag demonstrierte: Eine Anlaufstelle für alle mit Ansprechpartnern für jede und jeden, die das Thema Sterben, Tod und Trauer umtreibt – oder erstmal auch „nur prophylaktisch interessiert“. So wie es einer der Besucher ausdrückte. Willkommen waren alle, und besonders jene, für die es der erste Kontakt mit dem Haus und dem Verein war. Unter dem Welthospiztags-Motto „So bunt wie das Leben. Hospiz“ zeigte der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seine vielfältigen Angebote und das, was er darüber hinaus für die Menschen im Kreis Ahrweiler plant, auf drei Etagen der Villa Höver in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
„Was kann ich machen, wenn ich es zu Hause nicht mehr alleine schaffe mit meinem erkrankten Mann?“, fragte Manuela Kürsten aus der Kreisstadt. Und hatte ihrem Mann gleich mitgebracht. Der wiederum seinerseits die Sicherheit haben wollte, dass seine Frau Unterstützung hat, wenn sie diese für seine Pflege zu Hause benötige. Insbesondere interessierte das Paar, wie viele andere Besucher auch, die „Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung“ (SAPV). Deren Leitende Ärztin, Heide Brumhard, wurde nicht müde zu erklären, wann und wie das in Ergänzung zur haus- und fachärztlichen Versorgung eingerichtete SAPV-Team bei Schwerstkranken mit einer unheilbaren Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung zum Einsatz kommt. „Jetzt bin ich beruhigt und weiß, dass ich beim Hospiz-Verein immer Ansprechpartner finde“, freute sich Manuela Kürsten nach ihrem Besuch beim Tag der offenen Tür.
„Letzte Hilfe“ in vier Stunden
„Letzte Hilfe“ in vier Stunden
Nicht jedem fiel der Schritt leicht, aber viele „trauten“ sich erstmals – und bereuten es nicht. „Ich habe Probleme mit Themen wie Ableben, Abschied und Trauer, die ich gerne von mir wegschiebe“, gab Doris Weißmüller-Brune unumwunden zu, „und es ist ein umfangreiches Thema“. Darum war sie dankbar, dass ihre Freundin sie zum Tag der offenen Tür mitgenommen hatte: „Ich glaube, es ist gut, wenn man sich dem annähert“. Das hatte sie auch schon in einem „Letzte Hilfe“-Kursus des Hospiz-Vereins getan. Dass man dafür bei „viel Inhalt“ tatsächlich „nur vier Stunden und die auch noch an einem einzigen Samstag“ aufwenden muss, verblüffte eine andere Besucherin: „Das ist ja wirklich machbar, selbst wenn man noch Vollzeit arbeitet und sich am Wochenende um die Familie kümmern muss“.
Ortsnahe Reihe „Was kann Palliativmedizin?“
Ortsnahe Reihe „Was kann Palliativmedizin?“
Auch beim Erstellen einer Patientenverfügung als wichtiger Teil der Vorsorge hilft der Verein, genauso wie er für Trauernde oder in ethischen Fragen Angebot bereit hält. Die ehrenamtlichen Hospizbegleitungen standen im Erdgeschoss, das Team des stationären Hospizes im Ahrtal im zweiten Obergeschoss Rede und Antwort. Die Unterhaltung kam nicht zu kurz, und die Vorsitzende des Vereins, Ulrike Dobrowolny, erklärte Interessierten das nächste große Vorhaben: den Bau eines Tageshospizes. Außerdem lud sie zur neuen Vortragsreihe der Hospizbewegung im Kreis Ahrweiler. Diese gibt Antworten auf die Frage „Was kann Palliativmedizin?“ für jeden verständlich und bürgernah, denn die Reihe macht Stationen in großen und kleinen Orten im gesamten Kreisgebiet.
Zum Auftakt des Welthospiztages hatte der Hospiz-Verein mit finanzieller Unterstützung des Rotary-Clubs Bad Neuenahr ins örtliche Kino eingeladen, in dem der Film „Sechswochenamt“ gezeigt wurde – vor voll besetzten Reihen. Es war die Geschichte einer jungen Frau, die in ihre rheinische Heimatstadt zurückkehrt und den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Mutter erfüllen möchte: nach dem Tod eingeäschert und verstreut zu werden. Dabei stößt die Tochter auf Unverständnis und Widerstand im Umfeld, während sie mit der Bewältigung des Verlusts kämpft und wegen Corona Kontakte eingeschränkt waren. „Traurig, aber informativ, und der Film hat mir persönlich viel gegeben“, urteilte Zuschauerin Barbara Hempel im Nachgang. Genauso wie der Tag der offenen Tür vielen mehr Verständnis und mehr Einsicht ins Thema verschaffte und bewusst machte: Es ist ein Thema, das uns Zukunft noch mehr angehen wird, aber im Kreis Ahrweiler auch angegangen wird und vielfältige Möglichkeiten bereit hält. Weitere Infos: www.hospiz-rhein-ahr.de
Die Leitende Ärztin der SAPV, Dr. Heide Brumhard, erklärte, wie die Menschen im Kreis Ahrweiler die Hilfe ihres multiprofessionellen Teams erhalten können Foto: Andrea Simons
Viel Information und Gelegenheit zum Austausch bot der Tag der offenen Tür beim Hospiz-Verein in lockerer Atmosphäre Foto: Andrea Simons
Beim Malen mit einer Kunsttherapeutin im Hospiz können Gäste und Angehörige oft ausdrücken, was sie nicht aussprechen können. Foto: Andrea Simons
Weitere Themen
Die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny (Mitte) beantwortete Fragen interessierter Besucherinnen und Besucher Foto: Andrea Simons
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