Schwerdonnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Jecke Wiever eroberten das Stadthaus
Die Möhnenvereine aus den Stadtteilen widmeten sich mit teils bissigem Humor dem Thema „Ahr-Thermen“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. An Schwerdonnerstag hat die heiße Phase der fünften Jahreszeit begonnen: Pünktlich um 9.11 Uhr eroberten die Möhnen das Rathaus der Kreisstadt. Von da an hatten Bürgermeister Guido Orthen und seine wackere Rathausmannschaft, der Erste Beigeordnete Detlev Koch sowie die ehrenamtlichen Beigeordneten Rudi Frick, Engelbert Felk und Heinz Lindlahr, in Bad Neuenahr-Ahrweiler nichts mehr zu melden. Wie seine Kollegen nahm es der sturmerprobte „Kapitän“ Orthen aber mit Humor.
Als der Bützchen-Sturm begann, standen sie ihm zur Seite auf der politischen Kommandobrücke. In seiner Rolle als Schiffskapitän stilecht mit Matrosenkappe und gestreiftem Gewand, machte Guido Orthen der Wieverschar bereitwillig Platz.
Raddedoll waren die Wiever aus acht Stadtteilen von Ehlingen über Bad Neuenahr bis Ramersbach, die nicht nur ausgefallene Präsente für ihren „Lieblings-Guido“ mit an Bord hatten, sondern gleich die ganze Stadt-Mannschaft mit kommunalpolitischen Themen Kiel holten. Mit den Ortsvorstehern im Schlepptau enterten sie das Rathaus. Krawatten gibt es schon lange nicht mehr zu schnipseln.
Auf den ersten Blick präsentierten sich die obersten Amtsträger im Haus als brave Matrosen, aber geht es um das kommunalpolitische Großthema, die kürzlich geschlossenen Ahr-Thermen, können sie aber auch schnell einmal zu Piraten avancieren. Auch die Möhnen hatten sich die Thermen als Thema auf ihre Zettel geschrieben. Von „Schiffbruch“ oder „Badengehen“ sprachen sie indes nicht. So waren vielmehr die mobilen Radarfallen auf der Kommandobrücke in aller Munde.
Zu gerne hätten die Ramersbacher Möhnen gesehen, wenn von den Knöllchen das neue Bürgerhaus finanziert worden wäre. Beim „Captain‘s Dinner“ stellten die Damen aus „Ramesbech“ derweil fest: „Guido, Du bist so dünn.“ So bekam der Stadtchef Tütensuppe und Topflappen geschenkt, um demnächst so manches heiße Eisen in der Stadt anpacken zu können.
Die Gimmiger Backeslämpchen stimmten da nur „Schatzi, schenk’ mir ein Foto“ einmal ernst an und forderten angesichts der vielen Aufnahmen, die das mobile Radargerät der Stadt im letzten Jahr bereits gemacht hat: „Der Bürgermeister sollte von auch mal ein Foto bekommen.“
Gesagt, getan. Die Möhnengesellschaft Ehlingen hatte ein besonderes Geschenk mitgebracht - und wieder ging es um die Thermen: Das Kunstwerk „Guido in Öl“ für besondere Verdienste um die Thermen fand seinen rechtmäßigen Besitzer, bevor die Walporzheimer Möhnen eine kleine rosa „Bütt“ verschenkten. Ihre Hoffnung: „Dass das Schwimmbad bald wieder kütt.“ Die Damen aus Kirchdaun, sie nennen sich „Dungener Mädels“, hatten Bürgermeister Orthen gar ein Hilfspaket für die Ahr-Thermen geschnürt. Darin enthalten: Thermoskannen mit heißem Wasser - was auch sonst. Auch die Heppinger „Käslöffel“ spannten den Rettungsschirm und schlugen vor: „Bauen wir unter dem blauen Dach einfach eine Eisenbahn.“
Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, stellten die jecken Wiever aus Ahrweiler fest, dass es mit Bad Neuenahr gerade stetig bergab gehe. Für Orthens nächste Tour „bergauf“ hatten sie ihm die perfekte Wanderausrüstung mitgebracht. Die Heimersheimer Möhnen machten ebenfalls ihre Aufwartung.
Doch es gab auch echtes Lob für den Bürgermeister: Nach der kritisierten dürftigen Verpflegung im letzten Jahr war dieses Jahr für jeden etwas dabei. Käse, Brötchen, Laugengebäck, Mettwürstchen und Frikadellen standen den jecken Weibern zur Verfügung.
Das Rathaus der Kreisstadt war fest in weiblicher Hand.
