Kirmes in Bengen
Kirmes als Integrationsmaßnahme
Trinkzug machte Station vor Flüchtlingswohnheim - Hahnenkönig und „Schützenkönig“ wurden gefeiert
Bengen. Willkommenskultur in ihrer schönsten Form zeigten die Bengener anlässlich ihrer St. Lambertus-Kirmes gleich mehrfach. Sie bezogen die zehn jungen syrischen Kriegsflüchtlinge, die seit Kurzem in einem von der Gemeinde Grafschaft als Flüchtlingswohnheim genutztem Wohnhaus in der Ortsmitte untergebracht sind, vollständig in die Feierlichkeiten mit ein. Nicht nur, dass die jungen Syrer am Samstag und Sonntag bei den Kirmes-Aktivitäten rund um die Mehrzweckhalle immer mit dabei waren. Auf Initiative von Ortsvorsteher Rainer Kratz (CDU) machte der traditionelle Trinkzug am Montagnachmittag auch mit Pauken und Trompeten vor dem Flüchtlingsheim halt, wo Kratz für das obligatorische „Altärchen“ mit fester und flüssiger Nahrung gesorgt hatte. Voller Spannung fieberten die Flüchtlinge der ungewohnten Tradition entgegen, doch sie waren nicht nur Zuschauer, sondern zugleich Mitmacher. Der neu gekürte Hahnenkönig Sebastian Rick, der eigentlich immer mit den jeweiligen Damen der Trinkzug-Stationen an der Reihe der Junggesellen vorbei paradiert, schnappte sich kurzerhand einen der jungen Syrer, der zunächst große Augen machte, dann aber bereitwillig und in perfektem Gleichschritt den Spaß mitmachte.
Im Kreise der Bengener bestens aufgenommen
Anschließend zeigte Ex-Fähnrich Matthias Grut mit der Schärpe des Rheinland-Meisters aller Klassen 2011 noch einmal sein können als Fahnenschwenker ohne Fehl und Tadel. Dabei wurden die Augen der Neuankömmlinge aus Syrien noch größer, denn ein solches Spektakel zur Musik der Bengener Dorfmusikanten unter der Leitung von Andreas Sturm hatten sie überhaupt noch nie gesehen. Sie fühlten sich jedoch offensichtlich im Kreise der Bengener bestens aufgenommen, was an ihren strahlenden Gesichtern abzulesen war.
Doch los ging die Kirmes bereits am Freitag mit einem stimmungsvollen Dämmerschoppen im Kneipenraum der Mehrzweckhalle, bei dem auch das Kirmesfass angestochen wurde, das von der Kreissparkasse Ahrweiler anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens gestiftet worden war. Am Samstag startete der traditionelle Festumzug zur Musik der „Dorfmusikanten“, um den Kirmesmann abzuholen. Der wurde mit gemeinsamen Kräften zur Mehrzweckhalle gebracht, wo er während der ganzen Feiertage ein Auge auf die Machenschaften der Kirmesbesucher hatte. Am Abend spielte die Hausband „Strandlinse“ zum Tanz auf. Zu später Stunde wurde der neue Hahnenkönig ermittelt, in einem spannenden Wettbewerb setzte sich Sebastian Rick mit einem gekonnten Hieb an den Hals des Gummiadlers gegen seine Mitbewerber durch.
Die Nacht war wieder einmal kurz
Die Nacht war allerdings kurz, denn der Kirmessonntag beginnt in Bengen mit dem traditionellen Weckzug, bei dem die Dorfmusikanten schon in der Frühe mit viel Tamtam durch die Straßen des Ortes ziehen. Es schloss sich in die Pfarrkirche Sankt Lambertus das Kirmes-Hochamt zu Ehren des Pfarrpatrons an, das von Pfarrer Alexander Burg zelebriert wurde. Gleich darauf ging es erneut in die Mehrzweckhalle zum Frühschoppen und zum anschließenden Mittagessen mit Biermusik der „Rheintaler“. Die Kinder vergnügten sich derweil mit dem Ponyreiten, während die Herren der Schöpfung erstmals einen etwas ungewöhnlichen „Schützenkönig“ ermittelten. An der Kirmes-Schießbude hatte Andreas Horn das beste Zielwasser getrunken. Natürlich fehlte am Nachmittag der obligatorische selbst gebackene Kuchen zur Kaffeezeit nicht, an dem sich zahlreiche Gäste auch aus den umliegenden Ortschaften gütlich taten. Auch am Montag läuteten die Glocken noch einmal zur Messe in der Pfarrkirche, die Pfarrer Alexander Burg für die Lebenden und Verstorbenen der Ortsvereine hielt. Anschließend wurde ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt. Zum Mittagessen traf sich das halbe Dorf noch einmal in der Mehrzweckhalle. Am Nachmittag machten sich die Bengener im Schlepptau der Dorfmusikanten und des Junggesellenvereins auf den Weg durch das Dorf, um beim Trinkzug den Geschäftsleuten des Ortes, den frisch Verheirateten und den neu zugezogenen ein Ständchen zu bringen. Elf Stationen waren dabei zu absolvieren. Nach dem Verbrennen des Kirmesmannes klang am Abend die Kirmes gemütlich aus.
König Sebastian Rick schnappte sich beim Trinkzug am Kirmesmontag einen der jungen syrischen Flüchtlinge, die derzeit im Flüchtlingswohnheim untergebracht sind, zur obligatorischen Parade.
