Horst Preisler - Laufen ist seine Leidenschaft
„Laufen ist das einzig Wahre für mich“
Der 77-jährige Hamburger hält mehrere Rekorde und läuft noch immer
Bad Neuenahr. Zu Schulzeiten sei er sportlich gesehen „eine Null“ gewesen, sagt der in Hamburg lebende Horst Preisler, einer von mehr als 20 Senioren, die der renommierte Fotograf Karsten Thormaehlen für seinen Bildband „Silver Heroes“ porträtiert hat. Viele Jahre später war es seine Frau, die ihn zum Sportreiben animiert habe. Der Grund: „Für ihren Geschmack hatte ich einfach zu viel auf der Hüfte“, berichtet der 77-Jährige schmunzelnd im Interview mit Blick Aktuell. Das war mit 39 Jahren und so stand schnell fest: Sport machen ja - aber nur welchen? Radfahren kam für Horst Preisler nicht in Frage, Fußball war auch nicht unbedingt sein Ding. Als Zuschauer bei einem Volkslauf packte ihn dann das Lauffieber. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert: Denn mit 77 Jahren ist Horst Preisler immer noch fit wie ein Turnschuh. Es vergeht kein Tag, an dem er keine Kilometer zurücklegt, kein Wetter hält ihm vom Laufen ab. „Fünf Mal in der Woche - mindestens“, sagt der nur so vor Energie strotzende Athlet.
Im Jahr sind das dann rund 5000 Kilometer und rechnet man alle seine zurückgelegten Kilometer in den letzten Jahrzehnten zusammen, so ist er bereits fünf Mal um die Erde gelaufen. Das sind unglaubliche 225.000 Kilometer. Zu seinen weiteren Erfolgen gehören unter anderem zwei Deutsche Rekorde - beispielsweise bei einem 6-Tage-Lauf oder einer 12-Stunden-Mannschaftswertung. Welche Läufe ihm besonders in Erinnerung geblieben sind? „Vor allem der Friedenslauf in Japan im August 1995 von Hiroshima nach Nagaski anlässlich der 50-jährigen Wiederkehr des Abwurfes der Atombomben und natürlich der Deusch-Deutsche Grenzlauf entlang der ehemaligen Grenze im Jahr 2000.“ Von Flensburg nach Oberammergau lief er im Juli 1980 alleine nur mit seinem Sohn als Radbegleiter rund 1000 Kilometer im Rahmen des Deutschlandlaufes. Nervenzehrend sei die Zeit im Krankenhaus 1989 gewesen. Eine Knie-Operation hatte Horst Preisler damals aus der Bahn geworfen.
Das Schlimmste sei für ihn gewesen, dass niemand sagen konnte, wie lange seine Sportpause andauern würde. Radfahren wäre zwar möglich gewesen, doch „das ewige Ab- und Aufsteigen gefiel mir einfach nicht“, sagt der Sportfanatiker, der gerne andere Länder bereist, um deren Menschen und Mentalitäten kennenzulernen und zudem Kontakte zu Freunden auf der ganzen Welt pflegt, um, wie er selbst sagt, „einen kleinen Beitrag zum Frieden“ zu leisten. „Laufen ist das einzig Wahre für mich“.
Bemerkenswert: Horst Preisler befindet sich seitdem in keiner ärztlichen Behandlung mehr. „Das freut viele, nur die Ärzte nicht“, berichtet der fünffache Großvater mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Dennoch müsse man inzwischen Abstriche machen, meint der Hamburger: So schnell wie früher kann er jetzt nicht mehr laufen. „Das muss man akzeptieren“, so seine Ansicht. Man dürfe nur nicht den Fehler machen, stehen zu bleiben.
Neben seinem Hobby ist es Horst Preisler ein besonderes Anliegen, mehr Bewusstsein für den Seniorensport zu schaffen. Er beklagt, dass viele Vereine noch nicht gezielt auf ältere Menschen zugingen und entsprechende Angebote schafften. „Es müssen altersgerechte Strukturen geschaffen werden“, lautet sein Appell.
Dem Seniorenleistungssport fehle es trotz einer immer rapider wachsenden Zahl an Athleten noch immer an gesellschaftlicher Akzeptanz. Angebote müssten individuell auf Senioren zugeschnitten werden, meint Preisler. Hochbetagte und fitte Senioren wird es in Zukunft nämlich immer mehr geben. Der demografische Wandel lässt grüßen.
„Sie brauchen ein Forum, sie brauchen Angebote und Akzeptanz“ - auch dafür kämpft Horst Preisler. Seine Laufphilosophie: „Jeder Lauf ist eine Geschichte! Jeder Lauf ist eine Begegnung mit einer Landschaft und deren Menschen! Jeder Lauf ist ein Treffen von Freunden!“
