Allgemeine Berichte | 25.08.2026, 08:40 Uhr

Lesung im Regierungsbunker

Lesung mit Albi Roebke zu Trauer und Trauma in Ahrweiler

v. l. n. r.: Sebastian Walter, Dokumentationsstätte Regierungsbunker; Julia und Albi Roebke; Iris Flerus, Koordinatorin Hospiz-Verein Rhein-Ahr e. V.; Nadine Kreuser, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e. V.
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Ahrweiler. Wie begegnen wir Menschen, wenn das Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen gerät? Was hilft, wenn Sicherheiten wegbrechen? Und wie kann es gelingen, nach Verlust und Trauma wieder ein Stück Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen?

Diesen Fragen widmete sich eine eindrucksvolle Lesung mit Albi Roebke am Mittwoch, 19. August 2026, in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler. Eingeladen hatte der Hospiz-Verein Rhein-Ahr e. V.. Roebke las aus seinem SPIEGEL-Bestseller und gab den Besucherinnen und Besuchern sehr persönliche Einblicke in seine Erfahrungen mit Trauer, Krisen und Ausnahmesituationen.

Passender hätte der Ort für diesen Abend kaum sein können. Darauf ging auch Sebastian Walter von der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in seiner Begrüßung ein. Der ehemalige Regierungsbunker wurde für einen kaum vorstellbaren Ernstfall geschaffen und sollte im Krisenfall Schutz und staatliche Handlungsfähigkeit gewährleisten. Die unterirdischen Räume boten damit einen besonderen Rahmen für einen Abend, an dem es um ganz persönliche Ausnahmezustände und die Frage ging, was Menschen Halt geben kann, wenn das Undenkbare tatsächlich eintritt.

Nadine Kreuser, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e. V., schlug in ihrer Einführung die Brücke zur hospizlichen Arbeit. Menschen in schweren Lebenssituationen zu begleiten bedeute, ihnen mit Offenheit und Respekt zu begegnen, ihre individuellen Bedürfnisse wahrzunehmen und auch dann an ihrer Seite zu bleiben, wenn es keine einfachen Antworten oder Lösungen gibt. Gerade in Trauer, Abschied und existenziellen Krisen gehe es darum, den Menschen und das, was für ihn in diesem Moment wichtig ist, in den Mittelpunkt zu stellen.

Als Notfallseelsorger hat Albi Roebke Menschen immer wieder in Momenten begleitet, in denen sich das Leben innerhalb weniger Sekunden grundlegend verändert. Eindrücklich berichtete er davon, was Betroffene dann brauchen. Hilfe, so wurde an diesem Abend deutlich, besteht nicht immer darin, Antworten zu geben oder Lösungen zu finden. Oft ist ein erster wichtiger Schritt, dem Betroffenen wieder ein Mindestmaß an Orientierung und eigener Handlungsfähigkeit zu ermöglichen.

Selbst dort, wo scheinbar nichts mehr entschieden werden kann, können kleine Entscheidungen von großer Bedeutung sein. Sie geben ein Stück Kontrolle und Selbstbestimmung zurück. Roebke schilderte anhand konkreter Erfahrungen, wie wichtig es ist, Menschen in solchen Momenten nicht zu übergehen, sondern sie einzubeziehen: Was braucht dieser Mensch gerade? Was möchte er selbst entscheiden? Und wann ist es wichtiger, einfach da zu sein, zuzuhören und eine Situation gemeinsam auszuhalten?

Besonders berührend wurde der Abend, als Roebkes berufliche Erfahrung als Notfallseelsorger auf seine eigene Lebensgeschichte traf. Er kennt nicht nur die Perspektive des Helfenden, sondern auch die des unmittelbar Betroffenen: Seine Eltern und sein Bruder kamen bei einem Unfall ums Leben. Plötzlich war er selbst mit einem Verlust konfrontiert, der das eigene Leben in ein Davor und ein Danach teilt. Seine persönlichen Erfahrungen verliehen den Schilderungen eine besondere Tiefe und machten deutlich, wie individuell Menschen mit Trauer und traumatischen Erlebnissen umgehen.

Begleitet wurde Albi Roebke von seiner Frau Julia Roebke, die ausgewählte Passagen aus dem Buch vorlas. Im Wechsel zwischen Lesung, persönlichen Erzählungen und Erfahrungen aus der Notfallseelsorge entstand ein intensiver Abend, der Trauer und Trauma nicht abstrakt behandelte, sondern immer wieder den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt rückte.

Darin zeigte sich zugleich die enge Verbindung zur hospizlichen Begleitung: Nicht für alles, was Menschen widerfährt, gibt es eine Lösung. Umso wichtiger ist es, Menschen auch in schwersten Situationen nicht allein zu lassen, ihnen zuzuhören, ihre Entscheidungen zu respektieren und Selbstbestimmung dort zu ermöglichen, wo sie noch möglich ist. Nadine Kreuser

Julia und Albi Roebke lesen gemeinsam aus dem Spiegel-Bestseller.

Julia und Albi Roebke lesen gemeinsam aus dem Spiegel-Bestseller. Foto: Nadine Kreuser

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v. l. n. r.: Sebastian Walter, Dokumentationsstätte Regierungsbunker; Julia und Albi Roebke; Iris Flerus, Koordinatorin Hospiz-Verein Rhein-Ahr e. V.; Nadine Kreuser, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e. V. Foto: Nadine Kreuser

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