Wiesn-Stimmung erfüllt Gästewunsch
Löffelpolka und Polonaise beim Oktoberfest im Hospiz
Hospiz-Wohnzimmer wird zur weiß-blauen Feieroase mit Livemusik und Wettbewerben im Wettnageln und Maßkrugschieben
Ahrtal. Mit Mitsingen und Klatschen war es nicht getan. Es wurde auch geschunkelt und getanzt im stationären Hospiz im Ahrtal. „So eine Stimmung hatten wir hier selten“, staunten einige Anwesende. Zwar ist die Münchner Wiesn vorbei und auch so manch anderes Oktoberfest im Lande, aber noch ist Oktober, und Feste dürfen gefeiert werden, wie sie fallen. Ganz bestimmt gilt das für Menschen, die nur noch eine sehr begrenzte Lebenszeit haben. So erhielt das Wohnzimmer des Hauses Festzelt-Flair. Weiß-blaue Wimpelketten, Ballons, Tischdecken und Servietten schmückten den Raum, den Olli Steudter ordentlich mit Leben füllte.
„In München steht ein Hofbräuhaus“, „Steirermen san very good“, „I sing a Liad für di“ und „Ein Prosit auf die Gemütlichkeit“ stimmte der Mann aus dem Hunsrück an. Er sang und juchzte, griff zu Akkordeon und Gitarre und zeigte statt Schuhplattler mit viel Körpereinsatz eine „Polka“ auf zwei Suppenlöffeln. Das Publikum aus Hospizgästen und Angehörigen, Hospizteammitgliedern und Ehrenamtlern von der Hospizbegleitung ging mit. Auch bei Aktionen wie „Wettnageln“ und „Maßkrugschieben“ waren sie dabei. Zum „Bobfahrerlied“ legten sie sich in die Kurve, zum „Fliegerlied“ breiteten sie die Arme aus, und in einer Polonaise ging es durch den Flur des Hauses. Da waren viele Türen geöffnet. So konnte auch teilhaben, wer nicht in der Lage war, ins Wohnzimmer des Hauses zu kommen.
Mit dem Oktoberfest wurden Anregungen von Hospizgästen und von den Pflegekräften des Hospizes aufgenommen. „Wir haben derzeit einige Gäste, die noch recht mobil sind und sich freuen, wenn hier was los ist und sie am normalen Leben teilhaben können“, erklärte Hospizleiterin Gabriele Haase. Ihre Stellvertreterin Anna Louen hatte das Ereignis organisiert. „Schließlich konzentrieren wir uns hier nicht nur auf die Krankheiten, sondern auch auf das Leben bis zuletzt, was eben noch möglich ist“, so Haase. „Angebote wie dieses schaffen Gemeinschaft in lockerer Atmosphäre, und geben Impulse für das Miteinander.“
Passend zur Bayrischen Gaudi hatten sich einige Anwesende sogar in Lederhosen und Karohemden „gehüllt“. Weißbier und Brezn standen auf den Tischen, und die hospizeigene Küche hatte außerdem Bayrische Schmakerl wie Weißwurst und Leberkäse, Kartoffelbei und Sauerkraut vorbereitet, die viele Abnehmer fanden. „Zu Besuch bei unserer Freundin und dann zufällig mitten im Oktoberfest gelandet“, waren Ganesha Lindner und Siegfried Kaup aus Bonn, wie sie lachend erklärten. „Toll, dass hier sowas stattfindet“, fanden die beiden: „Das ist ganz wichtig. Und so werden gute Erinnerungen wachgerufen“.
Zwar macht Olli Steudter schon seit mehr als 30 Jahren Musik, aber noch nie in einem Hospiz, bekannte er: „Das hat mich lampenfiebermäßig mehr gepackt als ein Festzelt mit 2000 Personen zu rocken, weil es was Emotionales ist.“ Vorab habe er geklärt, dass er nicht „mit angezogener Handbremse“, sondern „ganz normal“ agieren könne. Entsprechend energiegeladen ging er zu Werke und nahm die positive Resonanz und Musikwünsche auf. „Können Sie auch Kölsche Musik?“, fragte ein Gast, und spontan erfüllte er den Wunsch mit „Viva Colonia“, „Drink doch ene met“ und „Kölsche Jung“. Nach viel Action und Mitsingen und einem begeisterten Schlussapplaus gab es als ruhige Zugabe „Amazing grace“ auf der Mundharmonika. „Eigentlich steh‘ ich mehr auf Rock“, sagte ein Hospizgast, aber trotzdem hatte sie die Stunden genossen, und drückte aus, was auf vielen Gesichtern zu lesen war: „Das war einfach schön und so lebendig.“
Hospizgäste und Angehörige genossen die Zeit gemeinsam Foto: Andrea Simons
Wettbewerbe wie Wettnageln und Maßkrugschieben sorgten ebenfalls für Unterhaltung Foto: Andrea Simons
Polonaise durch Wohnzimmer und Flur Foto: Andrea Simons
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Sänger und Instrumentalist Olli Steudter brachte Festzelt-Stimmung ins Hospiz Foto: Andrea Simons