B 266: Lohrsdorfer haben die Nase voll
Mehr als 25 000 Fahrzeuge täglich
Umgehungsstraße rückt in weite Ferne
Lohrsdorf. In Lohrsdorf ist der Geduldsfaden endgültig gerissen: Seit 80 Jahren wird immer wieder von einer Ortsumgehung gesprochen. Der Plan hatte es sogar schon bis zum „vordringlichen Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan 2003 geschafft. Und jetzt die erneute Ernüchterung: Der geforderte Ausbau der B 266 durch den Ort ist wieder einmal in weite Ferne gerückt. In dem für 2015 vorgesehenen neuen Plan ist der Ausbau auf Vorschlag des Mainzer Verkehrsministeriums erst gar nicht mehr zu lesen. Das Land hat 80 Straßenprojekte für den Bundesverkehrswegeplan 2015 in Berlin gemeldet - und Lohrsdorf mit seinen 25.000 Pkw und Lkw jeden Tag ist nicht mehr dabei. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates im Dorfgemeinschaftshaus unter Leitung von Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem war die Stimmung angeheizt. Das galt nicht nur für die Ortsbeiratsmitglieder, sondern auch für einige Anwohner des 1,4 Kilometer langen Straßenstückes. „Im September sind Wahlen, wir müssen Flagge zeigen. Wenn nicht jetzt, wann dann“, gab sich Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem kämpferisch. Das mit dem Flagge zeigen meinte er nicht nur symbolisch: Nach Jahrzehnten geduldigen Wartens greifen sie das Beispiel Hönningen auf und wollen auf ihr Begehren aufmerksam machen. Ortsbeirat und Dorfgemeinschaft haben am Mittwochabend gemeinsam beschlossen, schwarze Fahnen für die komplette Ortsdurchfahrt der B 266 zu bestellen. Das ist die Strecke zwischen der seit 1985 fertigen Umgehung Heimersheim über die Ahr zur B 266. „Totenköpfe, Särge, alles was dem aufgestauten Ärger der Bürger Luft und die Politik hellhörig macht“, beschreibt Juchem das, was auf den Fahnen zu sehen sein soll.
„Unerträglichen Situation“
Auf politischer Ebene startet eine weitere Großinitiative: Einladungen und Gespräche mit allen nur erreichbaren Volksvertretern sollen organisiert werden. Während der Landtagsabgeordnete Horst Gies (CDU) für die kommenden Tage einen Ortstermin mit MdB Mechthild Heil und seinem Landtagskollegen Guido Ernst anvisiert, wollen die Lohrsdorfer auch die Kreistagsmitglieder in die Pflicht nehmen: Die nächste Sitzung des Gremiums soll genutzt werden, um mit Innenminister Roger Lewentz zu reden. In Lohrsdorf meinen alle: „Das muss der sich anhören.“ Bis dahin werden auch schon die ersten Flaggen an der Ortsdurchfahrt zu sehen sein. Darüber hinaus bieten die Lohrsdorfer den Bundes- und Landespolitikern zum wiederholten Male an, bei freier Kost und Logis jedem Abgeordneten ein Gästezimmer zur Verfügung zu stellen, um sich selbst einmal ein Bild von der Zitat „unerträglichen Situation“ zu machen. Nach dem Wegfall des Nadelöhrs Heerstraße in Neuenahr durch die Freigabe der dortigen Umgehung werde sich die Verkehrssituation in Lohrsdorf noch verschlimmern, erklärte Hans-Jürgen Juchem gegenüber Blick aktuell und betonte: „Wir werden es nicht mehr weiter hinnehmen, dass der Weiterbau der B266 neu von Ehlingen bis Bad Bodendorf bis zum Sankt Nimmerleinstag hinausgezögert wird.“ Denn es steht fest: Der Verkehr aus dem Ahrtal heraus und von der A 61 in das Rheintal Richtung Remagen/Sinzig muss durch Lohrsdorf hindurch. Und so rolle die Protestlawine unaufhaltsam weiter und sei nun nicht mehr zu stoppen, so Juchem. Im Rathaus der Kreisstadt ist der Protest bereits angekommen. In einem Brief an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vom 18. Juni macht Bürgermeister Guido Orthen deutlich, dass die Umgehung Lohrdorf mit Ahrquerung in den neuen Plänen fehlt. Orthen bittet zunächst lediglich „um Prüfung“, während in Lohrsdorf die Wellen weiter hoch schlagen. Bei all dem Protest gerieten einige andere Themen im Rahmen der letzten OB-Sitzung fast schon zur Nebensache. Ortsvorsteher Juchem konnte verkünden, dass die Untertunnelung des Autobahnzubringers zwischen Lohrsdorf und Green mit einem Weg für Fußgänger und Radfahrer zunächst mit rund 800.000 Euro in das städtische Investitionsprogramm 2014 bis 2017 aufgenommen wurde. „Das begrüßen wir“, äußerte sich Juchem zu einer weiteren Großforderung. „Wir tragen die Maßnahmen selbstverständlich mit.“ Im Jahr 2014 wird an der Kapelle im Ort eine Gedenktafel für die Gefallenen der Weltkriege angebracht - der Sparsamkeit von Verfügungsmitteln sei Dank. Aus der Mitte des Ortsbeirates wurde ein Vorschlag angeführt, am Anfang der Sinziger Straße aus Heimersheim kommend einen Zebrastreifen zu installieren. Das Überqueren an dieser Stelle sei für Anwohner sehr gefährlich, so der Ortsbeirat, würden die Kraftfahrzeuge die Ausfahrt doch häufig als Beschleunigungsstreifen nutzen und vielfach mehr als die vorgeschrieben 50 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho haben. Im Anschluss an den öffentlichen Teil der Sitzung hatten die anwesenden Bürger Gelegenheit, sich mit Fragen an das Gremium zu wenden. So monierten einige Bürger die Parksituation im Greener Weg, wo die vorhandenen Parkplätze häufig von ortsansässigen Firmen belegt seien.
