Lokalsport | 15.01.2013

Mit dem Ball auf dem Kopf geboren

Antonia Hornberg ist zuckerkrank, zweikampfstark und kinderlieb

Antonia Hornberg kam Anfang 2012 an die Ahr. „Toni“, hat durch ihren enormen Einsatzwillen schon manche Stürmerin an den Rand der Verzweiflung gebracht. SCHÜ

Bad Neuenahr. Ich treffe Antonia Hornberg da, wo jüngst bei einer Klausurtagung die Weichen für die Zukunft des SC 07 gestellt wurden, im SETA-Hotel. Das ist der richtige Platz, um mit einer der Nachwuchshoffnungen der Kurstädterinnen ins Gespräch zu kommen. Im Foyer wartet sie schon auf mich und wir suchen uns nach der freundlichen Begrüßung ein ruhiges Plätzchen in der Ecke, wo wir ungestört plaudern können. Während wir etwas zu trinken bestellen - sie ein Wasser, ich einen Milchkaffee - betrachte ich mir die hübsche junge Frau mit den blau-grau-grünen Augen. Sie ist sportlich, aber adrett gekleidet, die langen blonden Haare sind brav gescheitelt. Geboren ist Antonia am 19. April 1991 im Hunsrück, der Luftkurort Thalfang ist bis heute das Zuhause ihrer Eltern. Sie hat zwei Geschwister, ein älterer Bruder und eine jüngere Schwester machen sie zum Sandwichkind. Ihr Vater Antonius - das erspart mir die Frage, wie sie zu ihrem Vornamen kam - ist Heizungsbauer, ehe ihn der Diabetes zur Umschulung zwingt. Er wird Physiotherapeut, nicht unpraktisch für eine Sportlerin. Die Mutter arbeitet ebenfalls in der eigenen Praxis mit. Vom Vater erbt sie nicht nur den Namen und die Fußballleidenschaft, sondern vermutlich auch die Erkrankung. Sie hat allerdings Typ 1, die Bauchspeicheldrüse produziert überhaupt kein Insulin, sie spritzt seit Jahren. „Ein Handicap für den Sport?“, frage ich. „Nein, das sehe ich nicht so. Viel Bewegung ist sogar besonders gesund für Zuckerkranke.“ Diese kleine Person liebt offensichtlich Herausforderungen. Antonia besucht die Grundschule in Thalfang, wechselt später auf die Realschule in Morbach, wo sie die Mittlere Reife ablegt. An der berufsbildenden Schule in Trier macht sie danach eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin, was in einigen Bundesländern Voraussetzung und Basis für Pflege- und Sozialberufe ist. Danach beginnt sie eine Erzieherinnenausbildung, die sie im Sommer an der hiesigen berufsbildenden Schule abschließen wird. Ihre Praxis absolviert sie an der Grundschule in Bad Breisig und die Arbeit mit den Kindern macht ihr riesige Freude.

Die Fußballliebe liegt in der Familie

Wie ist denn das Mädchen, das auf dem Rasen alle nur „Toni“ rufen, an das runde Leder gekommen, ich vermute mal, der große Bruder war schuld? Da liege ich ganz falsch: „Mein Bruder hasst Fußball!“, kommt die überraschende Antwort. Aber in der Familie liegt der Grund schon. Die Mama war Fußballerin (im Sturm), der Vater war Fußballer (im Tor), da wurde die kleine Antonia einfach mal zu einem Fußballcamp angemeldet. Und sie entwickelte so einen Spaß an dem Sport, zeigte so offensichtlich ihr Talent, dass die Sache geritzt war. Ihre Mutter bringt das mit einem Satz auf den Punkt: „Du bist mit Ball auf dem Kopf geboren.“ Zunächst schnürt sie beim FC Hilscheid ihre Fußballstiefel und kickt gemeinsam mit den Jungs, später muss sie zu den Mädchen des TuS Issel wechseln.

Dort spielt sie im ersten Jahr B-Jugend, im zweiten Jahr (mit 16) schon bei den Frauen, auf der Liberoposition, später wird sie zur Innenverteidigerin umfunktioniert. Im Sommer 2011 kommt ein Angebot aus Bad Neuenahr, für die dortige 2. Mannschaft. Sie entscheidet sich zunächst dagegen. Später klopft der 1. FC Saarbrücken an, auch der SC 07 meldet sich noch einmal. Sie entscheidet sich für die Kurstadt, weil ihr dort die Mannschaft besser gefällt und die Aussichten günstiger scheinen. Ist ihr der Umzug vom beschaulichen 2000-Seelendorf, in dem sie 21 Jahre ihres Lebens gewohnt hat, in den Ahrkreis schwergefallen? Ja, gibt sie offen zu, am Anfang hat schon etwas Zeit gebraucht, doch mittlerweile hat sie sich in Sinzig, wo sie eine kleine Wohnung hat, gut eingelebt. Der Sport hat es ihr erleichtert, denn da gelingt die Eingliederung rasch.

Sonderbewacherin für Lena Goeßling

In der 2. Mannschaft wird sie regelmäßig eingesetzt, zeigt kontinuierlich gute Leistungen, also nominiert sie Trainer Colin Bell für das Bundesligateam. Am 9. April 2012 macht sie ihr erstes Match, wird im Heimspiel gegen Wolfsburg eingesetzt und erhält als Sonderbewacherin für Lena Goeßling gleich einen Spezialauftrag. Sie macht das ziemlich gut, was man an der entnervten Reaktion der Wolfsburger Spielmacherin sehen kann. Das hinterlässt Eindruck und Bell, auf den sie große Stücke hält („seine Fähigkeit, uns zu motivieren, ist einzigartig“), stellt sie Anfang der Saison 2012/13 auf die rechte Abwehrseite, eigentlich die Position von Leonie Maier, die mit der U 20 unterwegs ist.

Dort bleibt sie dann auch, Leonie wechselt kurzer Hand auf links und fertig ist die neue Viererkette mit den zentral agierenden Peggy Kuznik und Laura Störzel. An den Defensivkünstlern von der Ahr muss man erst einmal vorbei kommen, dafür ist Toni ein gutes Beispiel. Ihre Stärken liegen nach eigener Einschätzung in der Zweikampfstärke und Aggressivität. Wobei diese Härte nicht mit Unfairness einher geht, denn die Abwehrspielerin hat in der laufenden Saison lediglich drei gelbe Karten erhalten, nie gelb-rot, nie rot, Platzverweise Fehlanzeige. Verbessern muss sie noch ihre Passgenauigkeit, da sieht sie noch Luft nach oben, auch beim gesamten Team: „Die Mannschaft kann mehr, als sie bisher gezeigt hat.“ Mit persönlichen Ambitionen will Rechtsfuß Hornberg nicht so recht herausrücken: „Ein Traum wäre, mal in den USA Fußball zu spielen.“

Antonia Hornberg persönlich

Was muss man über die private Antonia Hornberg wissen? Da ist sie überraschend ehrlich: „Ich bin ein Chaos auf zwei Beinen. Und Nutella-süchtig.“ Dass sie gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand will, ist für eine Widderfrau nicht untypisch. Ihre humorvolle Art macht es ihren Mitmenschen allerdings leicht, diese kleinen Marotten zu verzeihen. In der wenigen Freizeit, die sie hat, fährt sie gerne Snowboard, gelernt hat sie es am Erbeskopf.

Wenn sie verreist, zieht es sie in den Norden, Schweden hat sie schon mehrfach besucht. Wenn sie fernsieht, sieht sie Sport. Gibt es Träume im Leben von Antonia? Nein. Warum nicht? Weil ihr Wahlspruch lautet: „Wenn Du´s träumen kannst, kannst Du´s tun.“ Dann mach, Toni! SCHÜ

Antonia Hornberg kam Anfang 2012 an die Ahr. „Toni“, hat durch ihren enormen Einsatzwillen schon manche Stürmerin an den Rand der Verzweiflung gebracht. Foto: SCHÜ

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