Zehntklässler der Privatschule Carpe Diem diskutierten über Zuwanderer heute
„Mitbürger unter Vorbehalt?“
Kreisstadt. Angesichts vieler offener Vorbehalte in der jüngsten Zeit gegen die Zuwanderung von Fremden nach Deutschland setzte sich die Klasse 10b der Bad Neuenahrer Privatschule Carpe Diem eingehend mit der jüngeren deutschen Geschichte auseinander. Gerne folgte sie der Einladung des Kreises, die Ausstellung: „Mitbürger unter Vorbehalt - Remagener Juden zwischen Anerkennung und Vernichtung“ im Foyer der Kreisverwaltung zu besuchen. Schulleiter Luca Bonsignore. „Die Vorurteile und Ressentiments in Hitlerdeutschland gegen jüdische Mitmenschen müssen Geschichte bleiben. Wir erziehen in der Schule zu Toleranz. Dazu gehört auch, dass sich unsere Schüler vorurteilsfrei mit der Lebenssituation der neuen Mitbürger aus den osteuropäischen Ländern auseinander setzen.“ „Weshalb konnte es den Nationalsozialisten gelingen, in aller Öffentlichkeit brutal gegen die jüdischen Mitbürger ab 1933 vorzugehen, ohne dass sich der Volkszorn offen regte?“, fragten die Zehntklässler. Eingehend setzten sie sich auch mit dem gewählten Thema der Schau auseinander. Warum waren die deutschen Juden nur „Mitbürger unter Vorbehalt?“ 76 Jahre nach der Pogromnacht von 1938 berichtet die Ausstellung zum regionalen Schicksal der Juden im Raum Bad Bodendorf/Remagen. Die Schüler von Carpe Diem verwiesen in ihrer Auseinandersetzung mit dem „Heute“ auch auf die jüngsten aktuellen braunen Umtriebe in Bad Neuenahr und im Kreis. Einig war sich die Klasse, dass Minderheiten zu beschützen sind. Klassensprecher Oliver Huda (Trier): „Die Ausstellung verdeutlicht, dass Juden bis 1933 bald 130 Jahre unbehelligt im Kreis Bad Neuenahr gelebt haben.“ Constantin Wenzel (Bad Neuenahr) verwies darauf, dass die Schautafeln der Ausstellung zeigen, dass einzelne Juden die Anerkennung, manchmal sogar die Hochachtung ihrer christlichen Mitbürger genossen hatten, ehe sie durch die nationalsozialistischen Judenhasser ausgegrenzt, wirtschaftlich ruiniert, deportiert und ermordet wurden. Jana Meissner hatte in einem Referat die Geschichte der deutschen Juden aufgearbeitet. Sie betonte, dass sich antijüdische Ressentiments seit dem Mittelalter wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte zögen. Sie berichtete vom Leben der Schutzjuden, aber auch der Pack- und Betteljuden in Deutschland zu einer Zeit, als Remagen zum Herzogtum Jülich-Kleve-Berg gehörte. Die Emanzipation der Juden im hiesigen Raum habe erst unter der französischen Besatzungsherrschaft um 1800 begonnen, als Remagen eine Bürgermeisterei im Rhein-Mosel-Departement war. Sehr gut fanden alle Schüler, dass die herausragend gestalteten Schautafeln neben den authentischen Zeugnissen die Ereignisse und Schicksale der jüdischen Mitbürger mit Materialien aus anderen Quellen illustriert hatten. Die wenigen Originale aus jüdischem Besitz wurden durch die Ergänzungen klar und anschaulich. Die Ausstellung schildert eindringlich, was die Juden erlebten und durchlitten. Zu lesen waren bebilderte Texte auf 25 Rollups und fünf Bannern. Es erscheint beispielsweise das riesige Foto des jüdischen Gotteshauses, welches eindringlich dem Bild des heutigen Parkplatzes gegenüberstellt ist, wo nichts mehr an die Synagoge erinnert. Im Unterricht vorgestellt worden war der Sammelband „Kreis AW unter dem Hakenkreuz“, der die Judenpolitik im Kreis Ahrweiler beleuchtet.
