Politik | 04.12.2014

Stadtrat beschäftigte sich mit Umgehungsstraße Lohrsdorf

Neue Trasse mit weniger Konfliktpotenzial gefunden

In Zusammenarbeit mit Landesbetrieb Mobilität soll Machbarkeit nun überprüft werden

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für die Bürger von Lohrsdorf, die täglich von 25.000 Lastwagen und Autos um ihre Ruhe gebracht werden. Der Stadtrat gab eine neue Trasse für die Ortsumgehung auf den Weg, deren Machbarkeit und ökologische Unbedenklichkeit im weiteren Verlauf allerdings noch genauer geprüft werden müssen. Fünf Ratsmitglieder von Grünen und Linken stimmten dagegen, vor allem weil sie befürchteten, damit werde der erste Schritt für eine Rheinbrücke als Verbindung zwischen der A61 und A3 durch das untere Ahrtal getan. Schon in der Aufgabenstellung sei von diesem Schreckgespenst die Rede, so Grünen-Sprecher Wolfgang Schlagwein, der zitierte: „Eine verkehrstechnisch wünschenswerte direkte Anbindung der A61 und des Ahrtals an der Rheinschiene und perspektivisch an die A3 jenseits des Rheins.“ Was wünschenswert sei, nämlich die Verbindung zwischen A61 und A3 durch das untere Ahrtal, müsse wohl machbar werden, vermutete er. „Damit ist die Katze aus dem Sack“, schüttelte er den Kopf und vermutete nicht Entlastung, sondern zusätzliche Belastung des unteren Ahrtals, wenn dieses Projekt verwirklicht werde. Abgesehen davon könne er kaum glauben, dass eine vierspurige Bundesstraße im Einzugsbereich eines FFH-Gebietes (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie), also eines Naturschutzgebietes von europäischer Bedeutung, überhaupt möglich sei. Dem widersprach Jörn Kampmann (SPD) vehement und fand es „bemerkenswert, dass gleich wieder eine Rheinbrücke an die Wand gemalt wird, die wir alle hier nicht erleben werden.“ Über solche Dinge könne man nicht sinnvoll diskutieren, zumal die Ortsumgehung Lohrsdorf unbedingt erforderlich sei.

Unerträgliche Verkehrsprobleme lösen

Das sah auch CDU-Sprecher Manfred Kolling so, der an den zuständigen Landesbetrieb Mobilität appellierte: „Lösen Sie die unerträglichen Verkehrsprobleme in Lohrsdorf und tragen sie dadurch entscheidend dazu bei, dass die Menschen dort leben und zufrieden wohnen können, das haben die Lohrsdorfer mehr als verdient.“

FWG-Sprecher Hans Boes ergänzte: „Gefragt ist eine menschliche Entscheidung, denn Natur und Umweltschutz sind wichtig, aber der Mensch ist wichtiger.“ Es gehe um eine kurzfristige Verbesserung für Lohrsdorf und nicht um eine illusorische Rheinbrücke. Und Christoph Kniel (CDU) stellte klar: „Man darf nicht nur auf die Mausohrfledermaus Rücksicht nehmen, sondern auch auf die Einwohner von Lommersdorf.“ Zunächst aber soll eine von der Stadt in Auftrag gegebene naturschutzfachliche und artenschutzrechtliche Stellungnahme der Sinziger biotop consulting als Planungshilfe an das Land weitergegeben werden. Das Land wiederum hat über den Landesbetrieb Mobilität eine Machbarkeitsstudie zur Lösung der Verkehrsprobleme unter technischen und naturschutzfachlichen Gesichtspunkten in Auftrag gegeben, die möglichst bald in den städtischen Gremien vorgestellt werden soll. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte den LBM dazu aufgefordert, bis Jahresende eine Machbarkeitsstudie vorzulegen, weil der verkehrssichere und leistungsstarke Ausbau der B266 ein wichtiges Vorhaben sei, allein schon wegen der bereits getätigten Investitionen.

Enormes Konfliktpotenzial mit Schutzzonen

Die bislang angedachten Trassen bargen jedoch ein enormes Konfliktpotenzial mit dem bestehenden Flora-Fauna-Habitat in den Ahrauen bei Green, weshalb das Sinziger Büro eine andere Lösung suchte - und fand. Die neue Trassenführung sieht eine Verlagerung der Umgehungsstraße nach Westen vor mit einem Vollanschluss für Heimersheim an den Autobahnzubringer im Zuge der Umgehung Heimersheim. Diese Variante sei am ehesten zu verwirklichen, weil sie das europäische Schutzgebiet gemäß Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie nicht direkt tangiert, argumentierte Dr. Ulla Stüsser. Für die Querung des Schutzgebietes und der Flächen für Ausgleichsmaßnahmen gibt es hierbei zwei Alternativen, einmal mit einer Brücke mit weiter Spannweite oder alternativ mit einem Tunnel. Letzterer hätte den Vorteil, dass das Ahrtal als Erholungsraum nicht weiter optisch beeinträchtigt würde.

Allerdings sei der Bodenwasserhaushalt mit Blick auf die Heilwasserschutzgebietsausweisungen ein mögliches Kriterium, das zusätzlich geprüft werden muss. Bei einem Brückenbauwerk empfiehlt das Büro eine reduzierte Konstruktion, um den Landschaftseindruck zu erhalten. Positiv: Die neue Trassenführung würde auch den Rückbau von Teilen der ursprünglich geplanten Anbindung der B266 an die A61 erlauben.

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