Heimersheimer Jecken leben kölsche Narretei
Prunksitzung mit Spitzenkräften
Heimersheim. Gelebter Frohsinn in „Rut-Wiess“: Nach Prinzenball und der Proklamation des Kinderprinzenpaares ließ die KG „Närrische Landskroner“ Heimersheim auf ihrer Prunksitzung erneut ordentlich die Puppen tanzen. Die jecken „rund üm de Landskron‘“ stellten einmal mehr unter Beweis, warum der Weinort zu den Hochburgen des Karnevals an der Ahr zählt.
Jecke Eigengewächse, ob tanzend oder in der Bütt, gepaart mit Toprednern des Kölner Karnevals, machten die Heimersheimer Traditionssitzung wieder zum Garant karnevalistischen Frohsinns. Einen Eisbrecher brauchte das von Anfang an bestens aufgelegte Narrenvolk erst gar nicht. Im Saal herrschte eine Bombenstimmung. Mit dem Einzug der Konsorten startete die KG in den bunten Karnevalsabend. Elferrat, Senat, Funken, Spielmannszug und die amtierenden Regenten, Prinz Werner I. (Schmidt) sowie das jüngst proklamierte Kinderprinzenpaar Nadia I. (Gatto) und Tobias I. (Gäb) wurden von einer bestens gelaunten Narrenschar begrüßt.
Nachdem der Spielmannszug die Besucher mit karnevalistischen Evergreens auf einen launigen Abend eingestimmt und die Funken ihren Reihentanz präsentiert hatten, boten das Tanzpaar Elena Hübinger und Marcel Hübinger eine Kostprobe seines Könnens dar.
Die Sitzungspräsidenten Andreas Marquardt und Rainer Groß stimmten die Jecken im Saal auf einen langen närrischen Abend ein, der im Auftritt der Sessionsdurchstarter von „Jeckediz“ weit nach Mitternacht gipfeln sollte.
Von Beginn an wurden die Lachmuskeln strapaziert
Der erste Beitrag des Abends strapazierte gleich mächtig die Lachmuskeln: Aus Hönningen waren „Der Een on der Anne“ angereist, und im Gepäck hatten sie ein gesalzenes Zwiegespräch mit regionalen Spitzen. Thomas Berschbach und Udo Kohn als Blödel-Duett überzeugten „herrlich bekloppt“ mit einem lustigen Auftritt, gespickt mit Witzen, toller Mimik und spontanen Aktionen mit dem Publikum. Mit Gags wie „Kann man mit Durchfall baden? - Ja, wenn de die Wann voll kriss“, brachten sie den Saal regelrecht zum Toben. Zum 33-jährigen Bühnenjubiläum präsentierte sich das Duo in absoluter Bestform. Echtes karnevalistisches Talent attestiert man in „Heimesche“ dem 15-jährigen René Gäb, der nicht nur vor drei Jahren als Kinderprinz das närrische Zepter schwang, sondern auch als „Eene arme Jung“ herzlich spitzzüngig über seine „Familich“ witzelte. Mit seinen 15 Jahren zählt René Gäb bereits zum Stammpersonal der Prunksitzung. Der Bruder des amtierenden Kinderprinzen Tobias I. brillierte. Für seine frechen Sprüche mit dem immer selben Resultat - „Un watsch, hat ich schon wieder eene“ - holte er sich die erste Rakete des Abends ab. So hatte auch einstmals Andi Marquard seinen ersten Auftritt in der Heimersheimer Bütt, heute zündet er als „Ne Wallfahrtsgeschädigte“ ein Gag-Feuerwerk nach dem anderen. In Heimersheim bedeutete das abermals: an die Gewehre! „Die drei Breiköpp“ aus Wehr sorgten ebenfalls für Bauchfellbewegung beim Publikum, während die Heimersheimer Möhnen mit Obermöhn Marlies Rohner zu Après-Ski auf die „Möhnenalm“ luden und die „Ahrtalente“ mit viel Tamtam und sattem Brasssound den ersten Programmteil beschlossen. Das Eis im zweiten Teil war schnell gebrochen, stiegen mit Rainer Groß und Wolfgang Groß alias „De Ahrtalblömche“ doch zwei echte jecke Talente in die Heimersheimer Bütt. In ihren bunten Blumenhemden berichtete das Duo unter anderem von Tigerfellbadehosen-Traumata, Kennenlern-Erlebnissen von Mama und Papa im Chatroom und danach im Internetcafé oder Omas Hochzeit mit einem 25-Jährigen, die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Nach Formationsproblemen im vergangenen Jahr meldeten sich die Ex-Prinzen alias „Heimesche Boore“ samt Mariechen mit neuem Tanz zurück. Diesmal war auch die Tochter von Prinz Werner, Marie, mit an Bord. Mit besonders aufwendigen Kostümen und ausgefeilter Show warteten weitere Show-Nummern auf: „One Dream“ enterten als Matrosen das Podium, ehe „One Vision“ mit ihrem Motto „In der Zuckerbäckerei“ als Törtchen verkleidet die Heimersheimer Festhalle in einen bunten „Candy Shop“ verwandelten. Einen glanzvollen Auftritt hatten die Brohler Tollitäten Prinz Arno I. (Joosten) und Prinzessin Nina I. (Fuchs), die in Begleitung des Tanzpaares der KG Narrenzunft Brohl, Sarah Hartmann und Marco Behnke, die Bühne einnahmen. Ebenso eine echte Kölner Größe fand mit Peter Kercher Einzug in den Heimersheimer Mini-Gürzenich: Sein schwarz-weiß geflecktes Gegenüber, Kuh Dolly, machte sich sodann auf zur Verleihung des neuen Bauunternehmer des Jahres (Bischof von Limburg), begab sich auf Männerschau und fühlte sich schließlich besonders vom „Mann in Strumpfhose“ (Prinz Werner I.) angezogen. Als Überraschungsgast hatte „Josephine aus der Ukraine“ (Markus Zednik) einen famosen Auftritt, der die Jecken im Saal auch zur Geisterstunde noch mächtig bei Laune hielt. Nachname „Witsch - i“, unverheiratet, danke „glücklicher Verhütung keine Kinder“, liebt Sportwagen - soviel zur Person, ihre Erfahrungsberichte aber sollten so einige Lachsalven zünden: So attestierte sie manchen KG-Funktionären eine Aura „wie ein umgefallenes Atomkraftwerk in Ost-Polen“ und teilte des Bürgermeisters Sorgen mit dem „großen Pool“ von Bad Neuenahr: Sie machte vor keiner regionalen Prominenz Halt. Ob Pastor, Ortsvorsteherin, Löschzugführer oder Kur-AG-Vorstand - sie alle bekamen geradeaus ihr Fett weg.
„Der Een on der Anne“ waren aus Hönningen angereist.
