Engagierte Helfer reinigen Stolpersteine in Bad Neuenahr und Heimersheim
Schüler erinnern an Opfer der Nazis
Kreisstadt. Die Gräueltaten der Nazis sollen nicht in Vergessenheit geraten. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts wurde auch in der Kreisstadt an die Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten erinnert. 15 Schüler der Klasse 9 R der Erich-Kästner-Realschule plus haben so akribisch die Stolpersteine in Bad Neuenahr gereinigt. Aber auch in Heimersheim erinnerte man sich an das Schicksal, das die jüdischen Mitbürger ereilt hat. Am Nachmittag griff ein Team der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt zusammen mit Co-Initiator Klaus Liewald vom Bürgerverein Synagoge zur Messingpaste, um die Stolpersteine von Verunreinigungen zu befreien.
Am Holocaustgedenktag stand statt Mathe und Deutsch zur Abwechslung eine Portion lebendiger Geschichte zum Anfassen auf dem Stundenplan. Für 15 Schüler der Erich-Kästner-Realschule plus fiel der gewöhnliche Unterricht an diesem Tag aus, stattdessen griffen sie eisern zu Lappen und Politur, um die Stolpersteine in Bad Neuenahrs Straßen zum Glänzen zu bringen. Aber nicht nur das: Laut lasen die Neuntklässler die Schicksale der jüdischen Familien vor, und riefen dabei das unvorstellbare Leiden der jüdischen Mitbürger in Erinnerung. Lehrer Henning Veit und SPD-Ratsfrau Elisabeth Graff staunten über die respektvolle Art und Weise, wie sich die Schülerinnen und Schüler der Aktion widmeten. Mit großem Eifer machten sich die Kids daran, die im Stadtgebiet vor den Häusern verschleppter und ermordeter jüdischer Mitbürger verlegten Stolpersteine wieder auf Hochglanz zu polieren.
Elisabeth Graff, die diese Aktion gemeinsam mit Klaus Liewald vom Ahrweiler Bürgerverein Synagoge vor Ort durchführte, zum Hintergrund der Stolpersteinreinigung: „Es ist wichtig, dass nicht nur an Gebäude, sondern auch an Menschen erinnert wird“, erklärte Graff, die mit ihrer Fraktion im Stadtrat die Aktion angestoßen hatte. Bei der Verlegung äußerte sich bereits Bürgermeister Guido Orthen: „Der Augenblick, in dem der Terror ein Gesicht bekommt, ist ein zutiefst bewegender. Jetzt sind diese Menschen nicht mehr anonym. Die persönlichen Schicksale bleiben Verpflichtung für uns.“
Aktion regte zum Nachdenken an
Für die helfenden Schüler war die Reinigung nicht nur eine besondere Exkursion, sie regte auch zum Nachdenken an: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie so etwas Schreckliches passieren konnte. Das beunruhigt mich sehr“, äußerte sich ein Schüler. Ein anderer Schüler lobte die Aktion: „Es ist gut, dass an die vielen Menschen gedacht wird. Ich würde auch nächstes Jahr wieder helfen.“ „Hauptsache, wir tun etwas Gutes“, brachte es eine Schülerin auf den Punkt, als sie in der Wendelstraße mit ihren Mitschülern die ersten drei von insgesamt 36 Stolpersteinen auf Hochglanz polierte. Nachdenklich wurden die Neuntklässler vor dem Haus Rieck in der Kreuzstraße 32, wo Elisabeth Graff von Familie Elkan berichtete. Ferner erklärte sie, dass in der Reichspogromnacht auch die Bad Neuenahrer Synagoge brannte. „Wer löschen wollte, dem drohte ein SS-Mann mit Erschießung“, so Graff. Alle ließen auf Kommando die Eimer fallen und sahen machtlos zu, wie die Synagoge komplett zerstört wurde, skizzierte Graff die kollektive Ohnmächtigkeit.
Auch in Heimersheim griff man am Nachmittag zu Lappen und Politur: Da wurde zunächst grob gereinigt, dann Messing-Putzpaste aufgetragen, danach poliert und mit Edelsteinreiniger abgeschlossen. Kurzfristig hatte sich das Team der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (Okuja) der Stadt zur Aktion gemeldet, um Klaus Liewald in Heimersheim zu unterstützen. Mit dabei waren neben Leiterin Sara Wessel auch Annette Gies, Iris Bitzen, Jane-Mary Martinek und Desi Bach.
Weitere Stolpersteine folgen
In beiden Stadtteilen sind seit 2012 durch den Kölner Künstler Gunter Demnig insgesamt 42 Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in die Gehwege eingelassen worden. Im Juli sollen weitere in Ahrweiler hinzukommen, wie Klaus Liewald erklärte.
Auch in Heimersheim polierten Jugendliche die Gedenksteine.Foto: RERE
