Allgemeine Berichte | 22.01.2013

Patronatsfest der St.-Sebastianus-Bürger-Schützengesellschaft Ahrweiler

Schützengesellschaft hat 702 Mitglieder

Festversammlung im Ahrweiler Bürgerzentrum zieht Bilanz - Werte beschworen

Hauptmann Wilhelm Busch (l.) und Bürgerkönig Edgar Flohe (r.) ehren für 50 Jahre Paul Knieps.FIX

Ahrweiler. Stand im vergangenen Jahr die Amtseinführung von Pastor Jörg Meyrer als Präses der Ahrweiler Bürgerschützen im Mittelpunkt, so gab es beim diesjährigen Patronatsfest im Ahrweiler Bürgerzentrum kein zentrales Thema. Bilanz und Standortbestimmung wurden daher flugs zum Inhalt der Ansprachen von Hauptmann Willi Busch und Chronist Peter Diewald erkoren.

Hauptmann Busch freute sich über „ein gutes Schützenjahr 2012“. Ein großer Erfolg sei neben dem großen Schützenfest vor allem „das von uns initiierte und organisierte große Benefizkonzert zu Gunsten der Aktion Tour der Hoffnung, die sich in besonderem Maße für krebskranke Kinder einsetzt“, gewesen. „Es war großartig, wie die Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Musikfreunde Lantershofen gemeinsam mit unserem Tambourcorps musizierten.“ Und „trotz einiger Arbeit machte es allen Spaß, gemeinsam etwas für eine gute Sache zu tun“. Insgesamt seien so fast 11.000 Euro zusammengekommen.

Auf Grund der gelungenen Organisation der Veranstaltung hätten die Verantwortlichen der Vor-Tour der Hoffnung die Ahrweiler Bürgerschützen gebeten, sich um den Zuschlag für die Organisation eines Benefizkonzertes der Bundeswehr-Bigband 2014 in der Stadt zu bewerben. „Die Bewerbung haben wir in Form einer Dokumentation bereits an die Bundeswehr übergeben und hoffen nun im Laufe dieses Jahres auf einen Zuschlag“, berichtete Busch. Engagement auch an anderer Stelle regte der Hauptmann anschließend an. Zum Fest des 125-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Ahrweiler bot er dieser an, sie von Schützenseite aus zu unterstützen, „damit die Kameraden der Feuerwehr bei ihrem Jubiläum nicht nur arbeiten, sondern auch selber feiern können“, und hoffte auf tätige Mithilfe aus den Reihen der Bürgerschützen.

Mehr als 700 Mitglieder

Die St.-Sebastianus-Bürger-Schützengesellschaft Ahrweiler konnte ihren Mitgliederhöchststand vom Vorjahr mit nun 702 Schützen in etwa konservieren. Neu dabei sind Lutz Feldt und Günter Kreis (beide Königsglied), Thomas Knieps, Markus Koll und Christian Wagner (jeweils Oberleutnantsglied), Marc Weber und Gerhard Roth (beide Jägercorps), Reinhard Gnath vom Leutnantsglied und Stefan Gies aus dem Tambourcorps. In seinem Festvortrag nahm Chronist Diewald die blanke Mitgliederzahl einmal genauer unter die Lupe. Danach ist die Schützengesellschaft in den vergangenen 20 Jahren insgesamt um ca. 200 Personen oder 40 Prozent gewachsen. Von den heutigen Mitgliedern seien alleine 545 seit 1982 beigetreten. „Das sind beeindruckende Zahlen“, so Diewald. Vor allem auch deshalb, weil in vielen anderen Schützengesellschaften in Deutschland die Mitgliederentwicklung gegenläufig sei.

Umfrage gestartet

Laut einer Umfrage unter den Ahrweiler Bürgerschützen, an der rund zehn Prozent von ihnen teilgenommen hätten, ergäbe sich ein klares Bild, welche Gründe für den Beitritt zur Gesellschaft dominieren.

Spitzenreiter der Nennungen sei „mit 82 Prozent das Wertesystem der Gesellschaft, also Glaube, Sitte, Heimat und damit auch der Begriff der Traditionspflege“. „Diese Werte sind ja für Außenstehende oft völlig überholt, stellen aber für vier Fünftel unserer Schützen einen wichtigen Beweggrund dar, Mitglied zu werden“, kommentierte der Chronist. Auf den Plätzen folgte ein Trio aus „Erleben von Geselligkeit“ (56 Prozent), Freunde, die bereits Zugmitglied waren (50 Prozent), und familiären Gründen (40 Prozent). Am Ende der Liste rangierten gesellschaftliche Beweggründe (20 Prozent), da die Bürgerschützen auch eine kommunikative Plattform darstellten, der Zuzug nach Ahrweiler (15 Prozent) und der Wunsch, in Ahrweiler Kontakt zu finden (5 Prozent). „Diese Zahlen wirken jedoch nur auf den ersten Blick klein, denn das heißt im Umkehrschluss, dass fast jeder 6. Schützenbruder auch mit Hilfe der Ahrweiler Schützen es sich hier heimisch gemacht hat und immerhin fast jeder 20. Schützenbruder mittlerweile aus anderen Stadtgebieten stammt“, kommentierte Diewald. Abgeschlagen belegten geschäftliche Gründe (3 Prozent) den letzten Platz. Auch hinsichtlich einer Schützenvergangenheit wären die Mitglieder befragt worden. So seien knapp 25 Prozent schon aktive Aloisiusjungen und 38 Prozent Junggesellenschützen gewesen. „Interessant ist dabei, dass das Gros unserer Mitglieder gar nicht in einer logischen Folge von der Aloisiusjugend über die Junggesellen zu uns gekommen ist. Ich gebe zu, dass hatte ich anders erwartet“, wunderte sich der Chronist.

Paul Knieps geehrt

Ins Zahlenspiel des Abends passte, dass es neben fünf Diamantjubilare in der Gesellschaft nun elf Goldjubilare gibt. Mit Paul Knieps reihte sich beim Patronatsfest ein weiterer Schützenbruder in die Schar derer mit 50-jähriger Mitgliedschaft ein. Hauptmann Willi Busch erinnerte daran, dass der ehemalige Tambourmajor der Junggesellen dieses Amt auch gleich bei den Bürgerschützen ausübte, als Bedingung dafür aber die Erhöhung der festgelegten Zahl von je zwei Trommlern und Flötisten auf insgesamt acht Mann wünschte. „Im Laufe der nächsten Jahre wurden dann neue Instrumente angeschafft und das Tambourcorps um das Schlagzeug erweitert. Tambourmajor wolltest Du aber lediglich für eine Übergangszeit machen. Aus dieser Übergangszeit wurden dann insgesamt 33 Jahre“, so Busch.

Heimat beschworen

Resümee zog auch Majestät Edgar Flohe. Politiker täten dies nach 100 Tagen, er eben nach 231 seiner Regentschaft. „Habe ich denn Eure Erwartungen erfüllt?“, fragte er die Versammelten. Kräftiger Beifall gab die Antwort. Flohe bedankte sich „für die treue Gefolgschaft“ und versicherte, „dass ich auch weiterhin mit Herz und Seele gerne Euer Schützenkönig bin“. Der Präses der Ahrweiler Schützen und Pastor von St. Laurentius, Jörg Meyrer, berichtete über das Gefühl, das ihn auf einer Berlin-Reise beschlichen habe. Dort habe sich niemand auf der Straße für ihn interessiert. „Das macht frei - und einsam“, ließ er die Zuhörer an seinem Innenleben teilnehmen. Umso mehr schätze er seine Heimat, die es zu erhalten gäbe. Der Ahrweiler Ortsvorsteher MdL Horst Gies freute sich, „wieder in Ahrweiler beim Patronatsfest zu sein“. Auch Bürgermeister Guido Orthen maß Heimat und Schützenwesen einen großen Wert zu: „Veränderungen können Angst machen“, sagte er hinsichtlich des demografischen Wandels und der aktuellen politischen Wirren in Europa. „Konstanz dagegen gibt uns Sicherheit. Die Bürgerschützen leisten einen wesentlichen Beitrag für diese Konstanz, damit das Leben nicht aus den Fugen gerät.“ Das „Ahrweiler Lebensgefühl und die Heimat“ beschwor auch Junggesellen-Hauptmann Peter Ropertz. Den „Zusammenhalt, das Zusammenleben und zusammen Feiern über die Altersgrenzen hinweg“ habe er vor allem beim 400. Jubiläum seiner Gesellschaft im vergangenen Jahr gespürt und erlebt. Es sei ein Zeichen, dass die Zusammenarbeit zwischen Junggesellen und Bürgerschützen funktionierte. Eine fast symbolisch zu nennende Umarmung mit seinem Amtskollegen Willi Busch sollte dann letzte Gerüchte verschweigen lassen, es habe u.a. beim vergangenen Schützenfest Zwist zwischen den beiden Gesellschaften gegeben. BÜN

Hauptmann Wilhelm Busch (l.) und Bürgerkönig Edgar Flohe (r.) ehren für 50 Jahre Paul Knieps.Foto: FIX

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