Stadtrat will neues Entrée für Bad Neuenahr schaffen und den Bahnübergang beseitigen
Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler bringt Projekt auf den Weg
Eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen der Stadt soll fast 9 Millionen Euro kosten
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bezeichnete der Erste Beigeordnete Detlev Koch den Plan für ein neues Entrée für die Kurstadt Bad Neuenahr, von Heppingen kommend. Dafür sind allerdings umfangreiche Bauarbeiten notwendig, die alles in allem mit rund 8,6 Millionen Euro zu Buche schlagen. Da jedoch Bund, Land und Bahn einen Großteil der Kosten übernehmen, bleiben an der Stadtkasse lediglich etwa 1,1 Millionen Euro hängen. Entsprechend einmütig viel das Votum des Stadtrates in seiner letzten Sitzung der laufenden Wahlperiode aus, denn bis auf die vier Grünen und Rainer Jakobs stimmten alle Ratsmitglieder für das fortführen der Planungen. Sie brachten den Entwurf des Bebauungsplanes zur Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs sowie den Abschluss einer kurzen Vereinbarung mit der DB Netz AG auf den Weg. Als nächster Schritt wird der Planentwurf öffentlich ausgelegt und die Behörden beteiligt.
Auf jeder Seite ein Verkehrskreisel
Kernstück des neuen Stadteingangs sollen zwei Verkehrskreisel sein, einer auf jeder Seite der Bahnlinie. Die soll nämlich künftig nicht mehr ebenerdig überquert werden. Während die Fußgänger unterirdisch durch eine serpentinenförmig verschwenkte Fußgängerunterführung von der einen Seite zur anderen gelangen werden, sollen Fahrzeuge aller Art die Bahnlinie künftig nur noch auf der höher gelegenen Trasse der Bundesstraße B266 neu überqueren, kurz vor dem Werksgelände von Apollinaris. Der Bahnübergang soll zurückgebaut werden. Wenn alles nach Plan läuft, sollen voraussichtlich 2017 die Bagger anrollen und nach etwa zweijähriger Bauzeit im Jahre 2019 fertig werden. Letztlich erhofft man sich durch die Maßnahme eine erhebliche Entlastung des Durchgangsverkehrs und eine deutliche Verbesserung der städtebaulichen Ordnung. Bislang verursachten die geschlossenen Schranken des Bahnübergangs hinter dem Bad Neuenahrer Bahnhof regelmäßig enorme Rückstaus, bei denen die Fahrzeuge mit unter bis hinter dem Kirmesplatz stehen. Für den Fahrrad- und Fußgängerverkehr ist die Situation am Bahnübergang bei geschlossenen Schranken ebenfalls sehr unbefriedigend.
Überlastung des Knotenpunktes zwang zum Handeln
Aufgrund der damit einhergehenden Überlastung des nördlich des Bahnübergangs liegenden Verkehrsknotenpunktes Hauptstraße/Heerstraße/Landskroner Straße habe man sich zum Handeln gezwungen gesehen, so Koch.
Bei einer Analyse der Verkehrsströme habe man zudem festgestellt, dass der Bahnübergang an fast 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit nicht passierbar und in den Spitzenzeiten mit einer Frequenz von fast 30.000 Fahrzeugen pro Tag deutlich überlastet sei. Die Wartezeiten am Bahnübergang betrügen für den gesamten Verkehr im Schnitt zwölf Minuten pro Stunde. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten habe man als einzig sinnvolle Ersatzmaßnahme eine Straßenanbindung an die im Bau befindliche Umgehung der Heerstraße über die B266 südwestlich der Ortslage angesehen. Ein jetzt noch vorhandener Bahnübergang für Fußgänger zwischen dem „Gummiweg“ und der Landskroner Straße soll allerdings aus Sicherheitsgründen ersatzlos beseitigt werden. Gleichzeitig erhofft man sich, durch die neue Verkehrslösung auch zu einer Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs zu kommen.
Anschlussfahrten an die Bundesstraße 266
Als Ersatzmaßnahme für den motorisierten Verkehr soll in Verlängerung der Hauptstraße, etwa 300 Meter vom Ortsrand entfernt, ein neuer Verkehrsknotenpunkt mit Anschlussrampen an die Bundesstraße 266 geschaffen werden. Um zusätzliche Verkehrsverlagerungen in die Apollinarisstraße und die Kreuzstraße zu vermeiden, will man in diesem Knotenpunkt eine zusätzliche Anbindung in diese Richtung schaffen. Der Fahrzeugverkehr zum Berufsbildungszentrum sowie Apollinarisstadion könne demnach direkt von der Bundesstraße über diesem Knotenpunkt mit einem neuen Anschluss zur Kreuzstraße gelangen, ohne die innerstädtischen Verkehrswege zu benutzen. Dadurch werde eine erhebliche Entlastung für den Stadtteil Bad Neuenahr erzielt. Angesichts des zu erwartenden Verkehrslärms ist an der verlängerten Hauptstraße der Bau einer Lärmschutzwand von 350 Metern Länge und drei Metern Höhe auf der südlichen Dammböschung der Bundesstraße erforderlich.
Meilenstein für die Zukunft von Bad Neuenahr
Bad Neuenahrs Ortsvorsteher Heinz-Dieter Brand sieht in der Maßnahme ebenfalls „einen äußerst wichtigen Meilenstein für die Zukunft von Bad Neuenahr“. Ohne dieses Projekt sei eine auch nur annähernd hinnehmbare Verkehrssituation für den Stadtteil seiner Ansicht nach nicht möglich. Erfreulicherweise belaufe sich der städtische Anteil für dieses Großprojekt nach Abzug aller Fördermittel auf lediglich 1,1 Millionen Euro, „wir denken, dass dies ein sehr gutes Ergebnis ist.“ Er hoffe, dass auch die Busverkehre nach der Baumaßnahme besser geregelt werden könnten und die Planung auch zur besseren Anbindung von Berufsbildungszentrum und Apollinarisstadion beitragen. Letztlich diene die geplante Verkehrsanlage der besseren Anfahrbarkeit des gesamten Stadtteils. „Wir sehen die Verwirklichung dieser Maßnahme als Endpunkt von jahrzehntelangem Wünschen und Überlegungen, den wirklich nicht attraktiven Ortseingang Bad Neuenahr Ost so zu gestalten, dass sie einer Kur- und Badestadt gerecht wird“, schloss Brand seine Ausführungen namens der CDU-Fraktion. Schwer nachvollziehbar war für Wolfgang Schlagwein (Grüne), dass sich die Bahn das Projekt 2,5 Millionen Euro kosten lasse, sie aber „kein Geld für die Modernisierung der Bahnhaltepunkte im Ahrtal hat“. Selbst für die notwendigsten Unterhaltungsmaßnahmen fehle das Geld, Treppen bröckelten, elektronische Fahrgast-Informationen fielen wochenlang aus und frisch modernisierte Stationen verdreckten wieder. Außerdem wisse er, dass defekte Züge mit Verspätung oder nur mit einfacher Traktion fahren, manchmal sogar ganz ausfielen.
Und für die angekündigten neuen Züge seien die alten Bahnsteige am Ahrweiler Markt oder in Heimerzheim schlichtweg zu niedrig.
In Wahrheit geht Neubau vor Erhalt
Zwar heiße es in Sonntagsreden immer, Erhalt gehe von Neubau, doch in Wahrheit geschehe genau das Gegenteil, kritisierte Schlagwein. Er nahm auch den rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Roger Lewentz ins Visier: „Der Minister, der A wie A1 sagt, sagt leider nicht B wie Bahnhof.“ Denn für weitere Modernisierungen von Bahnstationen der Ahrtalbahn habe er anscheinend kein Geld, hierfür jedoch schon. Die Grünen lehnten den Bebauungsplanentwurf ebenfalls rundweg ab. Ebenso wie Rainer Jakobs, der durch den Wegfall von geplanten Kreiseln eigentlich Geld sparen wollte, um die mittlerweile sehr angespannte Haushaltslage zu verbessern. Ohnehin war er der Ansicht, dass dort überhaupt kein Kreisverkehr und auch keine Ampel nötig seien, sondern dass man diese Kreuzung schlicht als innerstädtische T-Kreuzung mit einem Schild „Vorfahrt achten“ gestalten können. Hans Boes (FWG) hingegen fand das Projekt „eine gute Lösung“, bei der vor allem wichtig sei, „wann das alles fertig ist“.
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