Coca-Cola investierte vor Ort
Standort Bad Neuenahr wird gestärkt
Neue Abfüllanlage bei Apollinaris in Betrieb genommen
Kreisstadt. Penible Hygiene und Sicherheit, damit nehmen es die Coca-Cola-Verantwortlichen genau. Und so müssen alle Teilnehmer der Besichtigung inklusive der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Abfüllanlagen für die kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke am Standort Bad Neuenahr in bis zu knielange Kittel und reflektierende Westen schlüpfen, außerdem Schutzbrille und Haarnetz aufsetzen und vor dem Eintritt die Hände desinfizieren - ob der Vorstandsvorsitzenden der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG, Ulrik Nehammer, Betriebsleiter Frank Wieland, die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke aus Bad Bodendorf oder Kreisstadtbürgermeister Guido Orthen.
Denn die Besuchergruppe darf an diesem Montag vergangener Woche nicht nur das Qualitätssicherungslabor in Augenschein nehmen, wo die Coca-Cola-Produkte chemisch-technisch auf Zusammensetzung und Geschmack sowie mikrobiologisch auf Verunreinigung wie etwa Keimen getestet werden. Auch der Sirupraum kann betreten werden, die „heiligen Hallen“ (Wieland) der Anlage, wo die Zutaten für den Sirup gemischt werden, der Basis, der anschließend kohlensäurehaltiges Wasser beigegeben wird, woraus dann das Endprodukt entsteht. Neu sind auch die Wasseraufbereitungsanlage und eine Flaschenwaschmaschine. Die Umbauphase zu einem Abfüllbetrieb für Mineralwasser und Erfrischungsgetränke dauerte acht Monate.
Von Coca-Cola bis Mezzo Mix
Der Beginn der Coca-Cola-Produktion ist ein Meilenstein für den Standort an der Landskroner Straße zwischen Bad Neuenahr und Heppingen, an dem bislang nur Wasser der Marke Apollinaris abgefüllt wurde.
Er passt sich zudem in die veränderte Produktions- und Markenstrategie des amerikanischen Weltunternehmens ein, die seit Jahresbeginn den Apollinaris-Vertrieb auf Deutschland beschränkt und damit der ursprünglichen Exportorientiertheit der „Queen of Table Waters“ - bereits 1913 wurden 90 Prozent der Produktion exportiert - ein Ende setzte. Der Werbeslogan „Aus dieser Quelle trinkt die Welt“ ist dementsprechend spätestens seit diesem Zeitpunkt Geschichte.
Getreu dem Konzernmotto „Hier produziert, hier getrunken!“ werden regionale Käufer schon bald die ersten Flaschen mit Coca-Cola, Coca-Cola light, Coke Zero, Fanta, Sprite oder Mezzo Mix aus Bad Neuenahr in den Händen halten - abgefüllt in PET-Mehrweg-, PET-Einweg- oder Glasmehrwegflaschen. Stündlich können in Bad Neuenahr bis zu 90.000 Glas- sowie 55.000 PET-Flaschen zur Versorgung der Handels- und Gastronomiekunden in der Region produziert werden.
Derzeit unterhält die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG in Rheinland-Pfalz sechs Produktions- und Vertriebsstandorte mit über 650 Beschäftigten. Der größte davon ist der in Bad Neuenahr mit 315 Beschäftigten, damit auch einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Ahrregion.
Zufriedenheit herrschte bei den Verantwortlichen nach der langen Zeit des Umbaus und des Anlagenaufbaus. Für Betriebsleiter Frank Wieland ist es „ein historischer Tag“. Und der gebürtige Däne Ulrik Nehammer (45), seit knapp zwei Jahren Vorstandsvorsitzenden der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG, hielt im Rahmen eines kleinen Grillfests für die Mitarbeiter nach eigenem Bekunden seine erste Rede komplett auf Deutsch.
Das sei dem Anlass angemessen, denn der Produktionsbeginn am Standort sei für ihn „ein bewegender und unvergesslicher Moment - die erste Coca-Cola aus Bad Neuenahr“. Mit einem „solchen Erfolg“ habe der Entdecker der Apollinaris-Quelle Georg Kreuzberg nicht rechnen können, als er 29. Dezember 1857 die Firma „Georg Kreuzberg & Compagnie“ gründete und damit den Grundstein für das spätere Großunternehmen Apollinaris legte. Heute würden über 90 Prozent der Deutschen diese Marke kennen, die damit zu den renommiertesten Mineralwassern in der Welt zähle.
Die Investitionen in Bad Neuenahr würden den Standort, einer von rund 80 des Coca-Cola-Konzerns in Deutschland, in erheblichem Maße stärken. Nach dem Plan solle die Anlage im Laufe des kommenden Jahres voll ausgelastet sein. „Jetzt müssen wir liefern, packen wir es an“, rief der Vorstandsvorsitzende den versammelten Mitarbeitern zu. „Wir wollen die Erfolgsgeschichte von Apollinaris in Bad Neuenahr fortschreiben. Mit dem Schutz des heiligen Apollinaris möge uns das gelingen.“
30 Millionen Euro investiert
Nehammers Dank galt neben den Mitarbeitern Stadt und Kreis für den „reibungslosen Übergang während des Umbaus“.
Der später zur offiziellen Inbetriebnahme hinzugestoßene Landrat Dr. Jürgen Pföhler freute sich über die „langfristige Bindung der bekanntesten Marke der Welt an diesen Standort“. „30 Millionen Euro sind hier investiert worden. Das kann in diesem Maße nur ein Weltkonzern“, betonte Pföhler. „Und wer so viel investiert, geht in der Regel nicht morgen. So werden auch die 315 Arbeitsplätze gesichert.“
Die neue Abfüllanlage sei im Verbund mit dem Unternehmen auch ein „großer Akt und eine große Gemeinschaftsleistung von Kreis und Stadt“ gewesen. Hinsichtlich der verschiedenen Genehmigungsprozesse von Bauaufsicht bis Brandschutz hätten alle „an einem Strang gezogen“.
Er dankte Betriebsleiter Frank Wieland für die gute Zusammenarbeit und überreichte ihm sowie Nehammer als Geschenk eine Auswahl gerahmter historischer Zeitungsanzeigen von Apollinaris in regionalen Blättern.
Landeswirtschaftsministerin Lemke bezeichnete die Inbetriebnahme der Abfüllstraße als „tolles Zeichen für die Region Ahr und Rheinland-Pfalz, dass Coca-Cola hier so viel Geld in die Hand nimmt“. Und es sei nicht nur ein Zeichen, denn jetzt laufe hier das Band. Und sie ergänzte: „Wir in Rheinland-Pfalz sind ein hervorragender Platz für Getränkehersteller. Das liegt zum einen an der Geologie unseres Landes, denn sie bietet besonders gute Voraussetzungen für die Produktion von Mineralwässern oder anderen Erfrischungsgetränken.
Das sieht man schon daran, dass 10 Prozent der deutschen Mineralwasserproduzenten ihren Sitz in unserem Bundesland haben. Für uns mit fast 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr ist die Getränkewirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig.“ Das sei auch ein Zeichen, dass der Strukturwandel gelinge, auch in einer Region wie die Ahr.
