Orthen: „Die Stadt bleibt langfristig nicht ohne eine Thermalbadelandschaft“
Temporäre Schließung der Ahr-Thermen
– Stadt erwägt den Kauf der Ahr-Thermen – Jedoch nur auf Basis eines Gutachtens –
Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Die Stadt und das Ahrtal sind weit mehr als die Ahr-Thermen oder die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN). Der Zusammenhalt der Akteure vor Ort birgt eine Stärke die ausreicht selbst eine temporäre Schließung der Ahr-Thermen zu stemmen“, sagte in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch einen Tag vor Silvester der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen. Er bekräftigte dabei die Linie der Kreisstadt, über einen durchaus möglichen Kauf der Anlage erst nach Vorlage eines Gutachtens über den Zustand und den Investitionsstau mit der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr zu verhandeln.
Fünf Millionen Euro gefordert
Über eine Forderung von vier oder fünf Millionen Euro für ein „defizitäres Unternehmen“ zeigte sich der Bürgermeister doch sehr erstaunt. Die temporäre Schließung der Ahr-Thermen sei kein Schiffbruch für die Stadt und Region. Orthen erklärte zudem, dass die Stadt langfristig nicht ohne eine „Thermalbadelandschaft“ bleiben werde. Er betonte jedoch auch, dass die Ahr-Thermen ein wichtiger touristischer Frequenzbringer sind. Daher habe die Stadt bereits sehr frühzeitig signalisiert, dass sie als Sachwalter des Steuerzahlers unter vertretbaren Bedingungen, den Kauf der Ahr-Thermen erwägen könne. Das am 16. April 2013 im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt vorgelegte Angebot der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr sei aber in vielerlei Hinsicht nicht annehmbar. Dies habe die Stadt auch unverzüglich und dezidiert mitgeteilt und um einen ergänzenden Sachvortrag im Haupt- und Finanzausschuss am 29. April.2013 gebeten. „Weder hier noch in der Folge habe die AGBN das damalige Angebot überarbeitet,“ bedauerte der Bürgermeister. Wegen der touristischen Bedeutung der Ahr-Thermen habe die Stadt der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr mit Datum vorn 19. Dezember 2013 für den Fortbetrieb durch die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr in 2014 einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von mindestens 300 000 Euro angeboten. „Zu diesem Angebot liegt bis heute keine schriftliche Stellungnahme des derzeit ausschließlich für die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr handelnden Prokuristen Reinicke vor“, so Orthen. „Eine ungeprüfte Ablehnung - zumal nur über die Presse kommuniziert - zeugt von schlechtem Stil, nicht aber von Kooperationsbereitschaft oder an einem Interesse an Lösungen“, erklärte der Bürgermeister. Nach Beauftragung des Gutachtens zur Aufklärung des baulich-technischen wie betrieblichen IST-Zustands der Ahr-Thermen hat die Stadt der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr mit Post vom 20. Dezember 2013 die erste Anforderungsliste des Gutachters übersandt, sodass dieser - bei entsprechender Offenlage der erbetenen Daten, so wie von Vorstand Gerd Zimmermann zugesagt - kurzfristig mit seiner Arbeit beginnen kann. Die Stadt werde weitere Gespräche mit der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr über die Ahr-Thermen nur auf Basis dieses Gutachtens führen, bekräftigte der Bürgermeister. Orthen hat als Mitglied des Aufsichtsrats die unverzügliche Einberufung einer Sitzung des Aufsichtrates des Aktiengesellschaft Bad Neuenahr verlangt. Sie soll nun am 7. Januar stattfinden. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass nach Kenntnis der Stadt kein Aufsichtsratsbeschluss vorliegt, der den Prokuristen zu seinem aktuellen Vorgehen ermächtigt.
Die Stadt wird nur auf der Basis eines Gutachtens verhandeln
„Die Folgen seines Handelns - auch für die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr selbst - sind daher ihm alleine zuzurechnen“, so Orthen. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Bad Neumahr aus neun Personen besteht, von denen die Stadt ein Mitglied mit nur einer Stimme stellt. Der Anteil, den die AGBN bisher aus der Spielbankabgabe für den Kurbetrieb erhielt, fließt ab 2014 zu 100 Prozent der Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler mbH zu. „Diese - und damit der Stadtrat als Gesellschafter - disponiert über die Verwendung, nicht die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr“, stellte Orthen klar. Sofern man sich dort noch immer um diesbezügliche Ansprüche bemühe, seien diese unbegründet. Falls nach Überzeugung des Stadtrates Leistungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr unter Prädikatisierungs- oder touristischen Gesichtspunkten für den Standort erforderlich seien, könne diese durch die Stadt, zum Beispiel durch Zuwendungen der Heilbad GmbH, gefördert werden. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. und die Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler mbH werden gemeinsam ein Basis-Angebot für die örtliche Hotellerie schaffen, um die Schließung der Ahr-Thermen wenigstens teilweise zu kompensieren. Ab dem 2. Januar 2014 gibt es, im Vorgriff auf die ab dem 1. April 2014 einzuführende Gästekarte, Sondertarife des TWINs für Hotelgäste: Auf alle Tarife des TWIN bekommen Übernachtungsgäste einen Rabatt von 2,50 Euro. In Abstimmung mit der Hotellerie werden das bereits bestehende Angebot an Wassergymnastik sowie weitere Angebote ausgebaut. Im Zusammenhang mit in der Bevölkerung geäußerten Bedenken, dass auf dem Grundstück der Ahr-Thermen schon bald Wohnblocks oder ähnliche Gebäude entstehen können, wies Orthen für die Stadt darauf hin, dass planungsrechtlich für dieses Grundstück ausschließlich die derzeitige Nutzung zulässig ist. Maternus Fiedler, Vorsitzender des Ahrtal-Tourismus, erklärte, dass er kein Verständnis für das Verhalten der Kur AG hat. Er wies darauf hin, dass sie im noch im Oktober neu erschienenen Gästekatalog des Ahrtal-Tourismus und auch auf der Homepage der Seniorenresidenz Villa Sibilla noch aktuell für die Ahr-Thermen werben. Wenn Reiseunternehmen den Ahrtal-Tourismus in Regress nehmen werden, wird der Ahrtal-Tourismus sich dazu auch an die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr wenden.
Stadtrat stärkt Bürgermeister den Rücken
Wie im Pressegespräch noch einmal deutlich wurde, hat der Bürgermeister und die Verwaltung den Stadtrat hinter sich. „Der Rat ist mit der Verwaltung und dem Bürgermeister einer Meinung“, sagteChristoph Kniel (CDU) im Pressegespräch im Rathaus. Sie komme sich vor, „als wenn mir einer die Pistole auf die Brust setzt“, sagte Elisabeth Graff (SPD) mit Blick auf das Vorgehen der AGBN. „Wasser hat große Bedeutung für die Stadt, betonte Hellmut Meinhof (FDP), und bezeichnete das Thermalbad als „essentiell“ für das Heilbad. Bedauerlich sei die „Kommunikationskultur“ der AG Bad Neuenahr. Aber; „Die Tür bleibt offen“. Wolfgang Schlagwein (Die Grünen) erinnerte an die öffentlichen Mittel, die in die Ahr-Thermen zur Steigerung ihrer Attraktivität in der Vergangenheit geflossen sind. So seine für den „Bademantelgang“. öffentliche Zuschüsse geflossen. Bürgermeister Guido Orthen wurde zu diesem Thema noch deutlicher. Die Stadt werde bei einer Schließung der Ahr-Thermen die 88 000 Euro, die als Zuschuss für die Saunalandschaft gewährt wurden, zurückfordern.
Der „Ahr-Thermen Poker“ geht weiter. Nach der temporären Schließung der Thermen werden neue Verhandlungen zwischen Stadt und AGBN zur Zukunft der Therme erwartet.
