Fünf Jahre nach der Flut
Verbandsgemeinde Altenahr gedenkt der Opfer und blickt gemeinsam nach vorn
aus Altenahr
Offener Ausklang bot Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen und zum Austausch
VG Altenahr. Mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung haben die Verbandsgemeinde Altenahr und die Pfarrei St. Andreas Ahreifel am Dienstag, 14. Juli, in Altenburg an die Flutkatastrophe vom Sommer 2021 erinnert. Fünf Jahre nach den verheerenden Ereignissen kamen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft zusammen, um der Verstorbenen zu gedenken, innezuhalten und zugleich den Blick auf den Weg des Wiederaufbaus und die Zukunft der Region zu richten.
Im Mittelpunkt standen die Erinnerung an die 33 Menschen aus der Verbandsgemeinde Altenahr, die in der Flut ihr Leben verloren haben, sowie die Würdigung des außergewöhnlichen Zusammenhalts, der die Region seitdem trägt.
Nach einem musikalischen Auftakt begrüßte Bürgermeister Dominik Gieler die Anwesenden. In seiner Ansprache erinnerte er an die Belastungen der vergangenen Jahre, würdigte die Solidarität vieler Helferinnen und Helfer und hob die Fortschritte beim Wiederaufbau hervor. Zugleich machte er deutlich, dass die Herausforderungen noch nicht bewältigt sind. „Der heutige Tag ist ein Tag des Erinnerns. Aber er darf auch ein Tag der Zuversicht sein“, sagte Dominik Gieler. „Lassen Sie uns unseren eingeschlagenen Weg weiter gemeinsam gehen. Mit Geduld, mit gegenseitiger Unterstützung und mit dem Vertrauen darauf, dass unsere Region auch die kommenden Herausforderungen zusammen meistern wird.“
Es folgten Grußworte des rheinland-pfälzischen Innenminister Achim Schwickert und Landrätin Cornelia Weigand. „Fünf Jahre nach der Flut gedenken wir der Menschen, die ihr Leben verloren haben, und ihrer Angehörigen. Gleichzeitig sehen wir, was seitdem gemeinsam erreicht wurde. Das Ahrtal steht heute für Zusammenhalt, Solidarität und den festen Willen, nach einer beispiellosen Katastrophe wieder nach vorne zu blicken“, sagte Achim Schwickert. „Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen, aber die Menschen in der Region haben mit Mut, Ausdauer und großer Kraft gezeigt, was möglich ist. Das Land steht weiterhin fest an ihrer Seite“, betonte der Innenminister.
„Die Flut hat unermessliches Leid gebracht. Nicht alle Wunden sind verheilt, manche Verluste sind unersetzlich, und verschiedene Erinnerungen bleiben schmerzhaft. Und doch zeigt der Blick auf die vergangenen fünf Jahre, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Hilfe und gegenseitige Unterstützung haben uns den Mut und die Kraft gegeben, aufzubauen. Ein lebendiger, lebenswerter Alltag ist in unsere wunderschöne Region zurückgekehrt. Zugleich sind wir es den Opfern schuldig, den Weg in eine gute Zukunft und den Weg für bestmögliche Sicherheit weiterzugehen. Das bedeutet nicht nur die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes, sondern auch den Ausbau der übergreifenden Hochwasservorsorge“, so die Landrätin.
Den zentralen Teil der Veranstaltung bildete der ökumenische Gottesdienst mit Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer sowie Matthias Grüll von der evangelischen Kirche. Gebete, Fürbitten, musikalische Beiträge und Momente der Stille schufen Raum für Trauer, Erinnerung und Hoffnung.
In seiner Ansprache nahm Bischof Ackermann Bezug auf das biblische Gebet der Psalmen, in denen Menschen ihre Klage, ihre Trauer, wie auch ihren Dank und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen. „Für die Zukunft gehe es nicht darum, das Geschehen der Flut mit ihren verheerenden Folgen zu vergessen. In die Erinnerung gehöre aber nach biblischer Tradition auch der dankbare Blick auf das, was seit Sommer 2021 an Solidarität, an Hilfe und an Neuanfang geschehen ist. Die Bibel rät uns dazu, uns nicht durch den Blick auf das Schreckliche fesseln zu lassen, sondern uns auch dankbar des Guten zu erinnern. Aus der Kraft dieser größeren Erinnerung erwächst der Mut zur Zukunft“, so der Bischof.
Begleitend zur Veranstaltung wurden Beiträge einer kreativen Mitmachaktion präsentiert. Bürgerinnen und Bürger hatten in den vergangenen Wochen Texte, Bilder, Fotografien und andere Werke eingereicht, die persönliche Erinnerungen, Dankbarkeit, Hoffnung und Perspektiven für die Zukunft zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung machte sichtbar, wie vielfältig die Erfahrungen der Menschen im Ahrtal sind und wie viel in den vergangenen Jahren bereits wieder entstanden ist.
Beim anschließenden offenen Ausklang nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum Austausch. In Gesprächen wurde deutlich, dass die Ereignisse des Sommers 2021 auch fünf Jahre später noch tief in den Erinnerungen der Menschen verankert sind. Gleichzeitig war spürbar, wie sehr Zusammenhalt, Engagement und gegenseitige Unterstützung die Region bis heute prägen.
Die Gedenkveranstaltung setzte damit ein Zeichen des Erinnerns und der Verbundenheit – und zugleich ein Zeichen der Zuversicht für den weiteren Weg des Ahrtals.
Zum Abschluss des Gottesdienstes spendete Bischof Dr. Stephan Ackerman den Segen. Foto: Thorsten Trütgen / VG Altenahr
Matthias Grüll (vo.) von der evangelischen Kirche, Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer (Mitte) und der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackerman (re.) feierten in dem gut gefüllten Mehrzweckzelt in Altenburg anlässlich des fünften Jahrestages der Flutkatastrophe im Ahrtal einen Gottesdienst. Foto: Thorsten Trütgen / VG Altenahr
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Dominik Gieler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr, begrüßte zur Gedenkveranstaltung Landrätin Cornelia Weigand (2. v. li.), die Bundestagsabgeordnete Mechtild Heil (3. v. li.) sowie den rheinland-pfälzischen Innenminister Achim Schwickert (2. v. re.). Den ökumenischen Gottesdienst zelebrierten der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackerman (3. v. re.), Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer (Mitte) sowie Matthias Grüll (re.) von der evangelischen Kirche. Foto: Thorsten Trütgen / VG Altenahr