Vortrag von Dr. med. Gerhard Kreuter beim Gesprächskreis Ahrwein
„Weinunverträglichkeit aus medizinischer Sicht“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als wohl höchst interessant, kündigte Oliver Piel vom Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. den Vortrag von Dr. Kreuter an. Denn wenn bisher die positiven Aspekte des Weingusses in den Vorträgen überwogen, ging er jetzt auf die negativen Seiten, nämlich die der Weinunverträglichkeit ein. Allerdings tritt in den meisten Fällen an die Stelle des Genusses der übermäßige Konsum. Sehr erfreut zeigte sich Piel über die rund 90 Zuhörer, die trotz der Fußball WM den Weg ins AhrWeinForum gefunden hatten.
Dr. Kreuter wies eingangs darauf hin, dass die Hauptursache einer Weinunverträglichkeit in erster Linie ein Übermaß an Alkohol (Äthylalkohol) ist. Besonders das sogenannte „Rausch-Trinken“ bzw. „Koma-Saufen“ der Jugendlichen stellt in allen europäischen Ländern ein riesiges Problem dar. Allein in Deutschland wurden im Jahre 2012 26.673 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wegen Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt. Dr. Kreuter zeigte, dass die Alkoholwirkung abhängig ist vom Promillewert: die Wohlfühlphase bis 0,5 Promille, die zunehmende Beeinträchtigung der Reaktion, der Koordination, des Sprechens und Sehens und eine gewisse Enthemmung bis 2 Promille , darüber beginnt ein Betäubungsstadium, ab 3 bis 4 Promille Lähmungsstadium bis hin zu Atemlähmung, Bewusstlosigkeit und Koma und Tod.
Der Referent stellte die in zahlreichen Vorträgen empfohlenen moderaten Dosen von Wein vor: Täglich für die Herren 0,3 bis 0,4 Liter und für die Damen 0,2 bis 0,3 Liter Wein. Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Der Wein hat aufgrund der nicht alkoholischen weinspezifischen Inhaltsstoffe Vorteile gegenüber anderen Alkoholika, zudem genießen Weintrinker in der Regel ihren Wein zu den Mahlzeiten, moderat und bewusst. Dr. Kreuter empfahl den Weingenuss zu den Mahlzeiten, da hierdurch der Blutalkoholspiegel deutlich geringer ansteigt.
Der Referent wies zudem darauf hin, dass der Alkoholabbau auf verschiedenen Wegen gestört sein kann, dies betrifft viele Asiaten, Australier, Indianer. Osteuropäer bauen den Alkohol schneller ab, vertragen dadurch auch mehr. Frauen haben bei gleicher Alkoholmenge höhere Promillespiegel als Männer. Auch ältere Menschen sollten ihren Alkoholkonsum etwas reduzieren.
Zuletzt beantwortete Dr. Kreuter die Frage, ob es eine echte Wein-Allergie gibt. Eine Allergie ist eine überschießende Abwehrreaktion unseres Immunsystems auf bestimmte, normalerweise harmlose Umweltstoffe, die leicht bis lebensbedrohlich verlaufen kann. Zusammenfassend wies der Redner daraufhin, dass eine echte Weinallergie im eigentlichen Sinne bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurde. Allerdings gäbe es bezüglich des Weines bestimme Unverträglichkeiten.
Ergänzt wurden die Ausführungen von Dr. Kreuter durch die Kellermeisterin der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, Astrid Rickert, die diese aus kellertechnischer Sicht voll unterstützte. Ein hohes Maß an Aufmerksamkeit werde allen Gefahrenquellen entgegen gebracht, die sich bei der Weinbehandlung auftun können.
Der Winzermeister Marc Linden brachte dann in Ahrwein aktuell den Vegetationsvergleich mit den letzten Jahren. Maßstab für die frühe Vegetation sei dabei das Jahr 2011. Während das Jahr 2014 im April bis Mitte Mai deutlich vorne lag, läge man jetzt um eine Woche hinter 2011 zurück. Linden führte dies auf die große Hitze Ende Mai bis Anfang Juni 2014 zurück, welches das Wachstum der Rebe hemmte.
