Im Ahrwein Forum kamen Winzer und Jäger zum Dialog zusammen
Wildschäden im Wingert sind ein Problem
Ahrweiler. Die Angelegenheit ist höchst diffizil: Was kann man tun, um Wildschäden in den Weinbergen des Ahrtals zu verhindern? Jäger und Winzer sind dabei zu gleichen Teilen in die Pflicht zu nehmen. Trotzdem ist Vermittlung nötig, denn die Auffassungen über Pflichten und Maßnahmen sind nicht selten konträr. Doch eines eint sie, Weinbauern, Landwirte und Jagdpächter: die Wut über wiederkehrende, bisweilen große Wildschäden, die Keiler, Bachen, Rehe oder auch Dachse im Wingert verursachen. Und obwohl die Abschusszahlen in den Jagdrevieren immer gut waren, bleiben die Störungen und Verwüstungen in den Weinbergslagen erhalten. Zeit zum Austausch gab es kürzlich im Ahrwein Forum, wo sich rund 80 Winzer und Jäger, aber auch Revierinhaber und Vorstände der Jagdgenossenschaften trafen, um sich über Maßnahmen zur Verhinderung von Schäden zu informieren.
Teilweise geriet die Veranstaltung zum zähen Verteilen von Schuldzuweisungen. So kritisierte etwa ein Winzer: „Wenn sich eine ganze Rotte im Weinberg aufhält, ist der Schaden vorprogrammiert. Da helfen auch keine Zäune mehr. Das geht dann nicht selten in die Tausende.“ Die Jägerschaft ließ das nicht auf sich sitzen. Gerne sähen es die Weinbauern, wenn die ungebetenen Gäste in den Wingerten der Garaus gemacht würde. Doch den Jägern seien vielfach die Hände gebunden. Sie führten geänderte naturschutz- und jagdrechtliche Gesetze als Grund an, warum sie immer häufiger starken Reglementierungen unterlägen. So monierte Heinz Peter Kriechel als Vertreter der Jagdgenossenschaften, dass die Zunahme des Tourismus stetig Lebensräume für das Wild verkleinere. Dass sich Reh und Wildschwein in den Weinbergen bedienten, sei die logische Konsequenz, schlussfolgerte Kriechel, nachdem Angelika Schrader-Stahl, die Vorsitzende des kürzlich fusionierten Hegerings Bad Neuenahr-Ahrweiler, die Gäste begrüßt hatte. Die Jagd in den auch von Touristen, Joggern und Mountainbikern besuchten Weinbergen sei problematisch, aber nicht nur die: Auch viele „Feierabendwinzer“ bevorzugten es, in den Abendstunden ihre Arbeit im Wingert zu verrichten, wenn eigentlich die Stunde der Jäger geschlagen habe. Die Grundstückseigentümer seien zudem selbst zuständig, wenn es heiße, Wildschäden zu vermeiden.
Festzuhalten sind die äußerst unterschiedlichen Interessen der beiden Parteien: Jäger schreiben sich die Hege und Pflege von Wild unter der Präambel „Ehrfurcht vor dem Leben“ auf die Fahnen und verstehen sich als die „Anwälte der Tiere“, während die Winzer die Quantität und Qualität der Trauben als oberstes Gebot ansehen, um die Frucht in die Flasche zu bringen und Gewinne zu erzielen.
Schwarzwildbestand nachhaltig reduzieren
Wildmeister Christoph Hildebrandt hatte da bei seinem Vortrag über die Populationsdynamik von Schwarzwild einige offene Fragen zu klären, aber auch viele Wogen zu glätten. Er zielte vor allem darauf ab, den Dialog zwischen Winzern und Jägern zu schärfen, zeigte aber auch typischen Fehlerquellen auf: etwa im Bereich der Bejagungsstrategien.
So hatte er Rechenbeispiele vorbereitet, wo der Schwerpunkt für eine erfolgreiche Reduzierung der Wildschweine liegen müsse. Das Stichwort sei die Bejagung von Frischlingen, so Hildebrandt. „Die Zahlen sollten idealerweise bei 80 Prozent der erzielten Strecken liegen, sowie in der Schonung mittelalter Keiler, die als reife Keiler dann dafür sorgen, dass Jungspunde gar nicht erst auf die Idee kommen, Frischlingsbachen zu beschlagen und so für unerwünschten Nachwuchs zu sorgen“, erklärte der Wildmeister. Breiten Raum nahm in seinem Vortrag die Rolle der gegenseitigen Kommunikation ein. Der Dialog sei entscheidend. Winzer und Landwirte müssten mithelfen und die Jägerschaft etwa durch Bejagungsschneisen unterstützen, die erforderliche Entfernung zum Wald einhalten, alternative Pflanzen anbauen oder sich finanziell an Vorrichtungen zur Wildschadensabwehr beteiligen. „Das erfordert ein ständiges Miteinander von Landwirtschaft und Jagd“, so Hildebrandt. Ferner machte er klar, dass die Winzer als Grundstückseigentümer auch Jagdrechtsinhaber seien und damit auch die Verpflichtung zur Hege besäßen.
Notar und Jäger Stephan Schuck unterstrich in seinem Referat derweil die Wertigkeit der Jagd. Das Problem sei nicht nur die Bejagung, sondern auch die Bewirtschaftung. Schuck forderte ein „ehrliches Miteinander“, natürlich nicht ohne „seriöse Verträge“.
Am Ende des Abends blieb Zeit zur intensiven Diskussion, doch letztlich überwog die Erkenntnis: Patentrezepte gegen Wildschäden im Weinberg gibt es nicht. Eber, Bache und Co. werden wohl auch weiter den Geschmack der weißen und roten Trauben testen, wenn nicht sogar noch häufiger: Denn der Kreis der grunzenden Vierbeiner wird immer größer. Auch beim Rotwild gibt es große Zuwächse. Und eine Geburtskontrolle gibt es nicht.
