Letzter Bauabschnitt für die Sanierung des Tragwerks der Gießhalle der Sayner Hütte wird im November beendet
60 000 Euro für die Sayner Hütte
Denkmalschutz-Stiftung von Lotto Rheinland-Pfalz übergab an der Gießhalle einen Fördervertrag
Bendorf-Sayn. Der dritte und letzte Bauabschnitt für die Sanierung des Tragwerks der Gießhalle der Sayner Hütte wird im November beendet sein. Das wurde vor Ort erklärt, als Erich Engelke von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) dem Bendorfer Bürgermeister Michael Syré und Rehlinde Glöckner vom Freundeskreis Sayner Hütte für den etwa eine Million Euro teuren Bauabschnitt ein Fördervertrag über 60.000 Euro überreichte.
DSD ist einer der Destinatäre (bezugsberechtigte Stiftung) der Glücksspirale, damit, so der verantwortliche bei Lotto Rheinland-Pfalz Thomas Kirsch, das Geld daraus breit gestreut werden kann, wie z.B. in Denkmalschutz, Sport, Musik oder Wohlfahrt.
So lobte auch Walter Desch, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Lotto Rheinland-Pfalz die Sanierung der Gießhalle, die bald für Gästeführungen freigegeben wird.
Der preußische Staat
Der preußische Staat übernahm die im 18. Jahrhundert gegründete Sayner Hütte 1815. Neben den bereits bestehenden königlichen Eisengießereien Gleiwitz/Oberschlesien und Berlin baute man die Sayner Hütte in den folgenden 50 Jahren zu einer der größten in Preußen aus. Zur Hütte gehörten Gebäude mit zwei Hochöfen, ein Formhaus, mehrere Hammergebäude mit insgesamt zwei Hämmern, verschiedene Lagergebäude und ein Wohnhaus. 1818 begann die Kunstgussproduktion, für die weitere Umbauten und Erweiterungen notwendig waren.
Die neue Gießhalle
In dieser Phase entstand von 1828 bis 1830 auch eine neue Gießhalle mit Hochofen. Die Gießhalle wurde in tragender Konstruktion aus Gusseisen-Fertigteilen errichtet, weil andere Baumaterialen durch Funkenflug beim Gießen evtl. entzündet worden wären. Die Raumform ist die einer größtenteils dreischiffigen Säulenbasilika, die 1844 verlängert wurde. Die Westwand aus verglastem Eisengitterwerk ist transparent und in neogotischer Formensprache. Die nicht tragenden Außenwände der Seitenschiffe sind gemauert. Das Satteldach des Mittelschiffs mit durchlaufendem, vergittertem Fensterband wird von Hohlsäulen ohne Basen mit dorischen Kapitellen getragen.
Die Stilllegung
Nach der Stilllegung 1926 kaufte die Stadt Bendorf alle Gebäude, obwohl sie kein Geld für die Instandsetzung der Gebäude hatte. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Hütte unversehrt, 1959 wurde der Hochofen bis auf die Westwand abgetragen. Der Abbruch der Gießhalle genehmigten die Behörden 1973. Erst durch ein Bürgerbegehren konnte sie 1975 buchstäblich in letzter Sekunde gerettet werden.
Die Übernahme der Stadt
Nach langen Verhandlungen übernahm Ende 2004 die Stadt Bendorf den überwiegenden Teil der Sayner Hütte. Nachdem 2003 ein Förderverein gegründet wurde, entstanden im Zusammenhang mit einem Tourismuskonzept für das gesamte Areal neue Nutzungsansätze. Dank erheblicher Landesunterstützung entsteht eine Veranstaltungshalle, um sie museal und im Sommer auch für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen und Seminare nutzen zu können.
Nationales Industriedenkmal
Die Sayner Hütte ist als erste gusseiserne Hallenkonstruktion ein bedeutendes nationales Industriedenkmal, und gehört daher zu den 13 Denkmälern, die in Rheinland-Pfalz über die Glücksspirale unterstützt werden. „Die Summe kommt auch durch private Spenden zusammen“, sagte Erich Engelke, „ich habe hier einen ganz leichten Geldkoffer, in dem jedoch kein Geld ist. Wir übergeben hier lediglich einen Fördervertrag über 60 000 Euro.“ Nicht dass man der Stadt Bendorf oder dem Förderverein misstraut, aber grundsätzlich kontrolliert die DSD, ob das Geld auch wirklich vertragsgemäß verwendet wurde und zahlt dann nach und nach oder auch den gesamten Betrag auf einmal aus. „Das ist ein Geschenk und an Bedingungen gebunden. Wir wollen, dass es für den vereinbarten Zweck ausgegeben wird“, erläuterte Engelke.
Insgesamt dürfte das gesamte Projekt Sayner Hütte etwa 6,5 Millionen Euro kosten, zu denen das Land fast 70 Prozent geben will und sich auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, deshalb war auch WFG-Geschäftsführer HenningSchröder anwesend, sowie die Stadt Bendorf über die Jahre hinweg mit Millionenbeträgen beteiligen. Angesichts dieser Summen erscheinen 60.000 Euro nicht viel, dennoch freuen sich alle Beteiligten darüber, da für die Sayner Hütte jeder Euro gebraucht wird.