Neujahrsempfang der Wirtschaft 2016 der IHK Koblenz
„Arbeit ist Schlüssel zur Integration“
Gastredner Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier mit sehr persönlichen Worten
Koblenz. Der Präsident der Handelskammer Koblenz (IHK), Manfred Sattler begrüßte zum diesjährigen Neujahrsempfang in der Rhein-Mosel-Halle wieder einige Hundert Gäste. In seiner Begrüßungsrede ging er eingehend unter anderem auf das Thema der Flüchtlingssituation im Lande ein. Ganz wichtig war es ihm zunächst den nicht hoch genug einzuschätzenden, unermüdlichen Einsatz der unzähligen Ehrenamtlichen in den einzelnen Gemeinden und Städten zu loben. Weiter sprach er davon, dass die Wirtschaft bei der Integration der Flüchtlinge eine ganz entscheidende Rolle spielen wird. Integration wird tatsächlich nur durch Ausbildung und Beschäftigung gelingen. So trägt die Wirtschaft eine maßgebende Verantwortung dabei unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Arbeit ist der Schlüssel zur Integration, so Sattler.
Gastredner Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier
Im Anschluss erfolgte der mit Spannung erwartete Gastvortrag von Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Was jetzt die IHK dazu bewogen hatte, gerade den Bischof als Gastredner einzuladen, war selbst dem nicht ganz klar und so wagte er etwas humoristisch eine Prognose – wir stehen jetzt mitten im Landtagswahlkampf und da schlägt ja wahrscheinlich mehr die Stunde der Bischöfe, als die der Politikerinnen und Politiker, so der Bischof. Welche Herausforderungen und Chancen liegen vor der Wirtschaft? Zu dieser Frage gab Ackermann aus seiner Perspektive heraus einige Anstöße. Seinen Vortrag teilte er in zwei gedanklichen Schritten auf. Zunächst ging es um den Weltrisikobericht des vergangenen Jahres. In der elfjährigen Geschichte dieses Berichtes hat es noch nie eine so breit gefächerte Risikolandschaft gegeben, wie in dem Jahr 2015, erklärte Ackermann. Dann ging er im Einzelnen auf diese Risiken ein. Im Punkt der Flüchtlingsthematik positionierte er sich dann auch: „Aus eigener Begegnung und Einschätzung muss ich sagen - ich kann es nicht nachvollziehen, dass gesagt wird an dem Punkt ist die Bundeskanzlerin naiv und eine Traumtänzerin. Und es erschreckt mich, wie personalisiert die Debatte inzwischen geführt wird.“ Der Kanzlerin laufen die Getreuen weg, es wird immer enger für sie, wie lange hält die das noch durch? Was rettet sie? So stellte Ackermann die Frage: „Ist das die Weise, diese Frage anzugehen?“ Dafür brannte spontaner Applaus auf.
Bei der Flüchtlingskrise müssen die Entwicklungen aufmerksam beobachtet werden
Im Thema der Flüchtlingskrise sagte er weiter, man solle nicht unkritisch sein, die Entwicklungen müssen aufmerksam beobachtet werden, die Augen nicht verschließen. Es gibt die Gefahr vor lauter politischer Korrektheit, vor lauter Korrektheit blind zu werden - Ideologie macht blind. Es muss erlaubt sein, zu sagen, dass Ressourcen begrenzt sind, auch beim Thema Flüchtlinge. Unrecht und Straftaten müssen auch beim Namen genannt werden. Aber das bedeutet nicht Panikmache, nicht Hysterie und Populismus betreiben. Es braucht nicht nur die „Willkommenskultur“, es wird auch eine „Integrationskultur“ brauchen. Soll heißen, es braucht einen längeren Atem, das wird eine längere Sache, das geht nicht von heute auf morgen, so der Bischof. Eine Wirtschaft die nicht tötet, sondern dem Leben dient war der Titel seines Vortrages. Soll heißen, die Wirtschaft die dazu beträgt, dass Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden, wenn die soziale Ungleichheit vergrößert wird. Wer so wirtschaftet, der schließt systematisch aus und das tötet, denn das heißt Menschen geraten an den Rand und verlieren Lebensmöglichkeiten und landen auch in Armut und Tod, so der Bischof in seiner Ausführung. Ein mehr als interessanter Vortrag, der in einzelnen Teilen auch sehr persönlich war und gleichzeitig zum Nachdenken anregte. So gab der Empfang eine gute Gelegenheit einen Blick auf das noch frische Jahr zu werfen.
Der Präsident der Handelskammer Koblenz (IHK), Manfred Sattler begrüßte zum diesjährigen Neujahrsempfang in der Rhein-Mosel-Halle wieder einige Hundert Gäste.
Eindrucksvoll und mehr als interessant die Rede von Bischof Stephan Ackermann.
Strahlende Gesichter nicht nur bei Manfred Sattler und Bischof Stephan Ackermann (v.r.).
