Lesung im Lindenhof in Bendorf-Sayn
Arbeitsreicher Alltag begleitete die Familiengenerationen
Birgit Wessels blickte auf Rhein und Familie
Bendorf-Sayn. Birgit Wessels Geschichten aus ihrer Familiengeschichte und aus der Gegend um Bacharach präsentierte sie im entspannten, gemütlichen Rahmen eines Sonntagvormittag. Die Einblicke in die Vergangenheit, die die zertifizierte Gästeführerin, die in Bacharach-Steeg eine eigene Agentur für Kulturprogramme im Weltkulturerbe betreibt, sorgfältig recherchiert hatte, können aber gut auch über die Jahrhunderte in andere Regionen übertragen werden. Da war sich auch das bunt gemischte Publikum von Koblenz bis nach Andernach einig. Aufmerksam lauschte man der langen und kinderreichen Familiengeschichte um Abraham König, der im Jahre 1779 erstmals nach Bacharach kam. Mit ihm ging es durch die engen Gassen der mittelalterlichen Stadt durch die folgenden Generationen mit in die Neuzeit, wo Birgit Wessels heute im Haus ihrer Vorfahren, der dort sogenannten „Königsburg“ - einem idyllischen Fachwerkhaus - wohnt. Ihre Geschichten rankten sich um familiäre Tragödien, um die Berufe des Leinewebers, Winzers oder Tagelöhners, kargen Unterkünften, aber auch um viele fröhliche Feste, auch während der französischen Besatzung oder nach einer flammenden Rede von General Blücher. Wichtiger aber war, die Familie zu ernähren und eine Zukunft bieten zu können. Von Kämpfergeist berichtete Birgit Wessels und schaffte immer wieder geschickte Überleitungen in eine neue Generation ihrer Familie, die vielfach Modernisierung mit sich brachte, aber nicht immer ein besseres Leben. Ein Augenmerk der Lesung lag auch auf den Traditionen, die einen Ort ausmachen oder auf Festtagen, wie Weihnachten, St. Martin oder der „Kerb“ (Kirmes). Auch das Kennenlernen der „Familienzuwächse“ gehörte natürlich dazu, egal, ob man sich in der Kirchenbank kennen lernte oder bei der Arbeitsstätte in der Region, die man zuerst zu Fuß, später mit dem Fahrrad erreichte. Auch der Spruch „Le bœuf - der Ochs, la vache - die Kuh, fermez la porte - die Tür mach zu“, scheint überregional bekannt zu sein und wurde aus dem Stehgreif vom Publikum im „Lindenhof“-Saal mitgesprochen. „Ist ja fast, wie bei einer Kappensitzung“, schmunzelte Birgit Wessels. Den Vormittag moderierte Peter Siebenmorgen, der der jungen Autorin für ihre gelungene Lesung dankte. -PS-