Politik | 02.08.2013

Jäger im Kreis MYK unterstützen Aktion der Kreisgruppe Ahrweiler

Das ist Tierquälerei

Protestaktion gegen Landesjagdverordnung

Koblenz/Region. Die Kreisgruppe Mayen-Koblenz im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz hat sich dem Protest der Kreisjägerschaft Ahrweiler gegen die Auswüchse der Landesjagdgesetzgebung angeschlossen. In einem Flugblatt wird die rot-grüne Landesregierung wegen der vorliegenden Fassung der Landesjagdverordnung besonders scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, mit „beispielloser Härte“ gegen heimische wild lebende Tiere vorzugehen.

Hintergrund ist die Beobachtung, dass vor allem im vergangenen harten Winter in Rheinland-Pfalz tausende wild lebende Tiere verhungert sind, einige auch im Landkreis Mayen-Koblenz. Den Jägern sei verboten, Reh-, Rot- und Muffelwild das Überleben zu sichern: Gefüttert werden dürfe in Rheinland-Pfalz nur noch in besonderen Notzeiten mit Ausnahmegenehmigung.

Zwar war zumindest eine solche Genehmigung im Kreis Ahrweiler beantragt, durch den bürokratischen Prozess jedoch viel zu spät erteilt worden. Entsprechende Äußerungen von grünen Politikern, wonach Notzeiten für eine natürliche Bestandsregulierung sorgen könnten, bezeichnet die Jägerschaft als zynisch und als ein „Verrecken lassen von Amts wegen“.

Der Vorstand der Kreisgruppe schließt ferner nicht aus, dass es vereinzelt höhere Wildbestände in einzelnen sensiblen Regionen gibt. „Wildschäden gibt es aber vor allem dort, wo die Lebensräume für unser heimisches Wild immer weiter beschnitten werden“, relativiert Dr. Dieter Mannheim (Mülheim-Kärlich), Vorsitzender der Kreisgruppe Mayen-Koblenz, entsprechende Berichte. „Man kann nicht große Teile unserer Kulturlandschaft für teils fragwürdige Projekte opfern und erwarten, dass sich die verbleibenden Tiere mit der Restfläche begnügen.“ Genau das aber sei Politik der Landesregierung, beklagt die Kreisgruppe in ihrem Flugblatt. Die Behörden hätten auf Anweisung aus Mainz rings um die Bewirtschaftungsbezirke für Rot-, Dam- und Muffelwild „Schießbefehl erteilt“. Jedes Stück, das aus diesen Ghettos heraustritt , müsse „hingerichtet“ werden. Nicht einmal auf tragende, also hochschwangere Stücke dieser Arten dürfe dabei Rücksicht genommen werden. Jäger, die das missachteten und dem Wild die Chance einräumen wollten, andere Futterstellen und Partner zu suchen, würden bestraft, kritisieren die Waidmänner.

Dr. Mannheim: „Unsere gesetzliche Aufgabe ist, einen gesunden, artenreichen, in seiner Stückzahl auf die Belange der Landeskultur abgestimmten Wildbestand zu erhalten. Dazu stehen wir, das wollen und das tun wir. Scharf jagen wo nötig – ja! Aber Wild verhungern zu lassen ist kein Mittel der Bestandsregulierung und mit uns nicht zu machen.“

Noch drastischer hat es Jürgen Kindgen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Ahrweiler, formuliert. Jäger wollten einen artenreichen Wildbestand erhalten und seien keine Tierquäler: „Aber Wild gezielt in den Hungertod zu treiben, ist Tierquälerei, Wild überall und jederzeit zu jagen, ist Tierquälerei, dem Wild unseren Schutz zu versagen, ist Tierquälerei.“

Gemeinsam fordern die Jäger aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz, das Fütterungsverbot aufzuheben, den, so wörtlich, Schießbefehl an den Grenzen der Bewirtschaftungsbezirke fallen zu lassen und deshalb gleich auch die „Wild-Ghettos“ aufzulösen. Grundsätzlich müssten sich Jagd- und Schonzeiten am Lebensrhythmus der Tiere orientieren, nicht an Interessen der Politik.

Unterschriftenaktion

Die Grünröcke bitten die Bevölkerung deshalb um Mithilfe bei ihrem Kampf gegen „die tierquälerische Politik der rot-grünen Landesregierung“ (Kindgen). An vielen publikumsintensiven Stellen und Plätzen, bei Nachbarn, in Vereinen, Arzt- und Anwaltspraxen, beim Friseur und in Einkaufsmärkten liegen in beiden Landkreisen Flugblätter und Unterschriftenlisten aus. Außerdem besteht die Möglichkeit, übers Internet und sogar per Smartphone seine Stimme abzugeben. Alle Unterschriften werden bei der Kreisjägerschaft Ahrweiler zusammengeführt, die sie dann ans Ministerium in Mainz weiterleiten wird. Bisher sind nach Auskunft der Pressereferentin Dr. Gitta Werner vom Vorstand der Jägerschaft an die 10.000 Unterschriften zusammengekommen, und es würden täglich mehr. Nach Auskunft Werners haben sich bereits Kreisgruppen aus weiteren Regionen des Landes für die Kampagne interessiert, auch vonseiten des Bauernverbandes und regionaler Politiker habe man Unterstützung bekommen. Sogar Landräte haben sich in die Listen eingetragen.

Landwirtschaftsministerium reagiert nervös

Im Landwirtschaftsministerium scheint man durchaus nervös auf die Aktion zu reagieren. Dem Vernehmen nach soll Staatssekretär Dr. Thomas Griese (Grüne) auf einer Veranstaltung der Bauernschaft den Jägern mit Konsequenzen gedroht haben. Ministerin Ulrike Höfken (Grüne) unterstellen die Grünröcke, mit ihrem vor wenigen Tagen erhobenen Vorwurf, die Jägerschaft bekomme das Schwarzwild-Problem nicht in den Griff, nur eine „billige Retourkutsche“ gefahren zu haben. Den „Gipfel des Schwachsinns“, so kommentierte es ein Jäger-Vertreter, habe sich allerdings ein Förster im Kreis Ahrweiler geleistet. Der habe – sollte es sich nicht um einen verfrühten Aprilscherz handeln – im Rundfunk die Jäger für die Ausbreitung von Zecken verantwortlich gemacht, weil durch die Fütterungen von Reh- und Rotwild im Winter zu viele der Plagegeister auf den Wirtstieren überlebten, um dann im Frühjahr gut gestärkt auszuschwärmen.

Pressemitteilung

Jäger-Kreisgruppe

Mayen-Koblenz

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