Verabschiedung der Leiterin des Wilhelm-Remy-Gymnasiums
Der Abschied kam manchem spanisch vor
Lisa Schneider geht als Chefin in die deutsche Auslandsschule auf Teneriffa
Bendorf. Spanisch vor kam manchem der 150 Gäste in der Sporthalle die Verabschiedung von Lisa Schneider, Schulleiterin des Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasiums (WRG). Denn so richtig verstehen, warum die beliebte und erfolgreiche Oberstudiendirektorin nach Spanien arbeiten geht, konnten einige wohl nicht. Fakt ist, dass Lisa Schneider zum Schuljahresbeginn Leiterin der deutschen Auslandsschule in Santa Cruz auf Teneriffa wird.
Zum Auftakt der Abschiedsfeier ging es tierisch zu. Denn die Mitglieder der Musical AG der Schule traten unter der Leitung von Studienrat Daniel Brengmann als afrikanische Tiere auf und spannten so den Bogen zu Teneriffa, das etwa 250 Kilometer vor der marokkanischen Küste liegt. Lisa Schneiders Stellvertreter Johannes Arnold erklärte, dass dies ja keine Verabschiedung in den Ruhestand, sondern nur in eine neue Wirkungsstätte sei. Er begrüßte neben zahlreichen Eltern, Schülern, Lehrern, Mitarbeitern, Freunden und Verwandten besonders Landrat Dr. Alexander Saftig, Stadtbürgermeister Michael Kessler sowie die Landtagsabgeordneten Josef Dötsch und Dieter Klöckner. „Sie alle kooperierten und arbeiteten mit Lisa Schneider eng zusammen“, betonte Arnold. Landrat Dr. Alexander Saftig wandte sich an Lisa Schneider: „Sie gehen an einen wunderschönen Urlaubsort, machen dort aber keinen Urlaub, sondern setzen das fort, was sie hier jahrelang erfolgreich realisiert haben.“ Der Landrat wies auf die Sanierungen des Wilhelm-Remy-Gymnasiums innerhalb der achtjährigen Amtszeit von Lisa Schneider hin: „Das waren mehr als acht Millionen, da muss das Zusammenspiel zwischen Träger und Schule gut funktionieren. Gemeinsam mit der ADD entwickelten wir umsetzbare Lösungsvorschläge, die auch finanzierbar waren. Bei dieser Schulentwicklungsplanung hat Lisa Schneider gut mitgearbeitet. Ich kenne sie als eine Partnerin, mit der man heftig diskutieren konnte aber auch Lösungen gefunden hat.“
Acht Jahre fruchtbare Arbeit
Der Leitende Regierungsschuldirektor Hendrik Immel, bei der ADD in Koblenz Referent für Gymnasien, meinte, dass diese Veränderung im WRG Lücken reißt. Er skizzierte, was eine gute, besondere Schule wie das WRG ausmacht: Vielseitiges lernen, aktivierende Unterrichtsqualität, inneres und äußeres Schulleben und Verantwortung. Immel führte einiges auf, was in diesem Gymnasium geboten wird: Umfangreiche Sprachen, Naturwissenschaft, darstellendes Spiel, Sport insbesondere in Form der Basketball AG, Schülerzeitung, Schulsanitätsdienst und Kontakte zu Schulen im Ausland. Apropos Basketball: Lisa Schneider spielte da sogar in der Bundesliga und wurde schließlich Trainerin. „Eine Schule mit solchem Angebot und die im großen Radius bekannt und beliebt ist, ist im Land einzigartig. Um Europaschule zu werden, mussten strenge Maßstäbe gemeistert werden“, führte Immel aus. Das alles und der persönliche Beitrag von Lisa Schneider haben dazu beigetragen, dass die Schülerzahlen innerhalb von acht Jahren von 600 auf jetzt 1058 gestiegen sind. Immel zeigte die wichtigsten Lebensabschnitte von Lisa Schneider auf: Geboren und Abitur in Mayen, nach Studium im Saarland und in Mainz ging sie ans Koblenzer Görres- Gymnasium, Rhein-Wied-Gymnasium Neuwied, Planstelle im Kurfürst-Balduin-Gymnasium Münstermaifeld (KUBA), kam 2007 nach Bendorf und wurde ein Jahr später Leiterin des WRG.
Apropos Münstermaifeld: KUBA-Schulleiterin Madeleine Dazert-Balthasar, die als Vorsitzende der Bezirksdirektorenvereinigung, von 40 im ADD-Bereich waren 20 bei der Abschiedsfeier, sprach, erinnerte sich, wie sie 2007 Lisa Schneider nach Bendorf verabschiedete und jetzt wieder bei einer Abschiedsfeier ist. Dazert-Balthasar sagte: „Danke an eine aufgeschlossene, verlässliche, teamorientierte und charmante Kollegin.“ Zwischen den Redebeiträgen zeigten WRG-Schüler und Lehrer was sie in Musik und Unterhaltung so drauf haben. So kündigte Moderator Christoph Mohr den Solisten Thomas Damson mit Sombrero an, der lateinamerikanische Lieder, begleitet mit seiner Gitarre, sang. Die Bezirksdirektorenvereinigung sang umgetextete Lieder, die Musikgruppe GK12 brachte mit Chor und Band „In the Summertime und „Hall of Frame“ zu Gehör und die drei Tenöre (die Lehrer Daniel Brengmann, Stefan Brügel, Dr. Alexander Kulosa), begleitet von Vanessa Kasto am Klavier, entführten musikalisch nach Spanien mit dem My Fair Lady-Song „Es grünt so grün“ und dem Hit „Wochenend und Sonnenschein“. Und die „Bendorfer Puppenkiste“ führte Jim Knopf auf mit dem auf Lisa Schneider umgetexteten Song „Eine Insel mit zwei Bergen“. Die Fachschaften Sport und Biologie boten interessante Dinge: zum Einen aufgeblasene Plastikfiguren, die zeigten, was Lisa Schneider auf Teneriffa erwartet und ein Wissensspiel, ob Lisa Schneider denn reif für die Insel ist. Michael Lazarou bedauerte es ihr das Reifezeugnis zu übergeben aber: „Wir sind ja Demokraten.“
Die Schülersprecher Svenja Ebner und Luca Lichtenthäler erinnerten sich daran, das Lisa Schneider ihnen bei Gesprächen immer viel Schokolade angeboten hatte: „Wir sind aber nicht nur mit vollem Bauch aus dem Büro gekommen, sondern auch mit viel Motivation. Wir wünschen ihr einen Cocktail voller Freude und sagen: Auf Wiedersehen, denn Frau Schneider hat bestimmt schon eine Kooperation der Auslandsschule mit dem WRG im Kopf.“
Der Vorsitzende des Schulelternbeirats Thomas Hof bezweifelte, dass dies eine freudige Feier ist: „Für die, die bleiben und die Eltern ist es ein nachdenklicher Anlass, denn wir verlieren eine verdiente, tatkräftige Schulleiterin. Wir haben stets ihre sachliche Zusammenarbeit geschätzt und der offene Dialog war ihr sehr wichtig.“
Auf Ausstattung und Renovierung der Gebäude, die gestiegene Schülerzahl und die internationalen Trainingslager mit Frankreich verwies Personalratsvorsitzender Sven Störmer. Malte Möbius, zweiter Stellvertreter der Schulleiterin, hob ihre guten Kontakte zu Schulträger und -aufsicht hervor und weiter: „Besondere Anliegen waren ihr die internationalen Beziehungen wie namibische Patenschaften sowie Schüleraustausch mit Frankreich, Ungarn und Polen, aber auch die Integration von Flüchtlings- und beeinträchtigten Kindern in den schulischen Alltag.“
In ihrem Schlusswort dankte Lisa Schneider nicht nur allen Rednern und denen, die die Feier gestaltet hatten sondern auch Kollegen, Mitarbeitern, Eltern, Schülern, eben allen, mit denen sie in den acht Jahren Kontakt hatte. „Das ist der Hammer, was ihr alles über mich erzählt habt. Ich habe so viel liebevolles und fröhliches erlebt, dass meine Gefühle auf Kollisionskurs gingen. Es gibt bei mir wohl einen Siebenjahreszyklus für große Veränderungen. Dass ich Schulleiterin der deutschen Auslandsschule in Santa Cruz würde, hätte ich nie gedacht“, sagte sie und erzählte wie es zu dem neuen Arbeitsplatz in Spanien kam: „Anfang 2009 stand ich in Windhuk Namibia an der deutschen Auslandsschule und hatte den Gedanken, hier Schulleiterin zu werden. 2014 wurde die Stelle ausgeschrieben und ich dachte, es ist Zeit was Neues zu beginnen, ich hatte einen Auslandsschulvirus. Aber Afrika war nicht unbedingt mein Ziel und so bewarb ich mich für Santa Cruz. In Bendorf kann ich mit gutem Gewissen gehen und lasse niemanden im Stich. Die neue Herausforderung, Leiterin einer interkulturellen Schule zu werden, reizt mich“, begründete Lisa Schneider ihren Schritt und wurde von ihren Schülern mit einem „Hasta luego“ (Tschüss) verabschiedet.
Ob Lisa Schneider reif ist für die Insel, testete Michael Lazarou mit einem Wissensspiel.
