Hitzige Debatten im Internet
Der Zaun des Anstoßes
Seit einigen Wochen bestimmt ein neuer Zaun das Erscheinungsbild der Pfarrkirche St. Medard
Bendorf. Dass Bauprojekte jedweder Art für Zustimmung oder Kopfschütteln sorgen ist auch in Bendorf nichts Neues. Doch die jüngste bauliche Errungenschaft auf dem Kirchplatz polarisierte gewaltig in den Reihen der Bürger. Die Rede ist von einem neuen Zaun, der nun den Eingangsbereich der Kirche St. Medard umgibt, der besonders im Internet für raue Töne gegenüber der Pfarrgemeinde sorgte. In einer Facebook-Gruppe haben sich über 1700 Bendorfer -daheim oder im Exil- zusammengefunden um den Werdegang der Stadt am Rhein zu beobachten und dieser gemeinsam einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben. Im Moralverständnis der sozialen Netzwerke sahen einige Gruppenmitglieder das Konzept der Kirche als jederzeit offene Institution verletzt.
In der derzeitigen Lage der Kirche, stünde der Zaun als metallgewordenes Sinnbild der Abschottung und „einem Schritt in die falsche Richtung“, wie ein Sozialnetzwerker kommentierte. Ist ein Zaun überhaupt mit den Werten und Grundsätzen der Kirche vereinbar? Oder ist das ein notwendiger Schutz des Gotteshauses? Diese und andere Fragen kommen auf, doch zwischen den Zeilen ist stets lesbar, dass der St.-Medard-Zaun ein Symptom eines ganz anderen Problems ist, das nun für jeden Bendorfer sichtbar ist.
Schutz vor Vandalen
Für die Verantwortlichen des Zaunbaus ist jedoch die angesprochene Abschottung nicht wünschenswert, sondern schmerzvoll: „Es tut uns in der Seele weh“, erläutert Franz-Josef Schmidt. Schmidt ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates und tat sich wie die übrigen Ratsmitglieder nicht leicht, den Zaun umzusetzen. Doch anders wäre die „Würde des Geländes“ nicht mehr gewährleistet. Denn immer wieder fanden laut Schmidt in unmittelbarer Nähe St. Medards, der ein beliebter Versammlungsort für Jugendliche darstelle, regelrechte Gelage statt. Für die Mitglieder des Verwaltungsrates stellen Jugendliche an sich kein Problem dar, ganz im Gegenteil, wie Schmidt betont. Doch was mit zurückgelassenem Müll und nächtlicher Ruhestörung begann, entwickelte sich zu eingeschmissenen Kirchenfenstern, welche als Resultat mit Sicherheitsglas ausgestattet wurden. Entwürdigender Höhepunkt galt war Urinieren durch die seinerzeit frei zugängliche Tür in die Kirche selbst. Das war jedoch nicht alles. „Auch in die Weihwasserbecken wurde uriniert. Irgendwann weigerten sich die Küsterinnen das wegzuputzen“, so Schmidt.
Wiederherstellung der Ruhe
Als schließlich die Gemeinde erkannte, dass in und um der Kirche weder Würde noch Anstand herrschte, musste eine Lösung her. Die Verantwortlichen gingen also mit Polizei und Ordnungsamt verschiedene Lösungsmöglichkeiten durch, die über stichprobenartige Kontrollgänge der Polizeistreifen hinausgehen. Eine Videoüberwachung durch Kameras ist rechtlich gesehen heikel; außerdem verfolge man gar nicht so sehr eine Verfolgung der Straftäter. Stattdessen setze man auf Prävention statt Reaktion. Also entschied sich der Verwaltungsrat für einen massiven Metallzaun, welcher übrigens durch Mittel des Fördervereins und durch Zuwendungen von Privatpersonen, die den Zuständen ein Ende bereiten wollten, finanziert wurde. „Nun hoffen wir auf Ruhe und auf eine Wiederherstellung der angemessenen Würde des Ortes“, sagt Franz-Josef Schmidt, der schon eine Besserung diesbezüglich gespürt haben möchte. Auch für einige irritierte Beitragsersteller bei Facebook, welche die Offenheit der Kirche gefährdet sehen, findet Schmidt beruhigende Worte: „Durch diesen Zaun wird die Kirche keine Minute weniger geöffnet sein“.
Nun bleibt zu hoffen, dass die Pfarrkirche zukünftig vor den Attacken der Vergangenheit verschont bleiben wird. Ob die „Vandalen“ sich nun einen anderen Ort zum Wirken suchen, bleibt abzuwarten. Dazu findet sich ein passender Kommentar in der Bendorf-Gruppe, der im Hinterkopf bleiben sollte: „Wer der Ansicht ist, das Zäune Probleme lösen, hat immer noch nichts gelernt.“ ROB