Allgemeine Berichte | 10.06.2014

Willi Böhm feierte runden Geburtstag

"Eine lebende Legende“

Zum 90. Geburtstag des engagierten Gewerkschafters kamen prominente Gratulanten in den ev. Gemeindesaal

Über den 90. Geburtstag von Willi Böhm (2.v.l.) freuen sich Ferhat Cato, Roger Lewentz und Dietmar Muscheid (v.r.). HEP

Bendorf. „Du bist eine lebende Legende.“ Das sagte Tobias Hanson,Gewerkschaftssekretär der IG Bergbau-Chemie-Energie Mittelrhein, zu Willi Böhm, als der mit seiner Familie und zahlreichen Gästen, darunter viele prominente Gratulanten, im evangelischen Gemeindesaal seinen 90. Geburtstag feierte. Nicht nur die komplette kommunalpolitische Bendorfer Führungsriege würdigte den Jubilar, sondern sogar der rheinland-pfälzische Innenminister und SPD-Landesvorsitzender Roger Lewentz, der die Laudatio hielt.  Er blickte zurück auf die Ereignisse in den vergangenen neun Jahrzehnten und gab nicht nur mit den Jahreszahlen etwas Geschichtsunterricht.  Die Inhalte des Liedes „Die Gedanken sind frei“, das zuvor der 59-jährige Bendorfer Folksänger Manfred Pohlmann eindrucksvoll zu Gehör gebracht hatte, seien für Willi Böhm stets wichtig gewesen, unterstrich Roger Lewentz. Er lobte Böhms Einsatz für die Sayner Hütte und die Deutsch-Französische Freundschaft, die sich durch die Mitbegründung des Freundschaftskreises Bendorf-Yzeure ausdrückte  und deren Vizepräsident und Präsident Willi Böhm bis 1996 war. Dies sei umso erstaunlicher, da Willi Böhm als Soldat im Herbst 1943 mit dem Zug von der Ukraine in die Normandie verlegt und dort beim D-Day in amerikanische Gefangenschaft kam, betonte der Laudator.

Auszeichnungen gab es an diesem 90. Geburtstag für Willi Böhm nicht, da er die schon fast alle hat, das sind unter anderem das Bundesverdienstkreuz,  die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz, die Hans-Böckler-Medaille, die Ehrenplakette des Förderkreises Gründer der Straße des Eisens sowie Ehrenvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der SPD Bendorf.

Einer der letzten großen Männer der Arbeiterbewegung

Willi Böhm ist einer der letzten großen Männer der Arbeiterbewegung am Mittelrhein, der sich nie falschen Autoritäten gebeugt hat. Seit den 60er-Jahren ist Willi Böhm aktiver Gewerkschafter, 28 Jahre Vorsitzender in Bendorf und arbeitet hier heute noch als Beisitzer mit. Ihm folgte 2001 Ferhat Cato, der nicht nur Hauptorganisator der Geburtstagsfeier war, sondern auch ein Buch geschrieben hat unter dem Titel: „Willi Böhm – Ein Leben für die Solidarität“. Logisch, dass Cato sich dafür intensiv mit Willi Böhms Vita beschäftigen musste:  Geboren wurde Böhm im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis, genau in Weis, wo er eineinhalb Jahre seiner Kindheit verbrachte. Danach ging es nach Bendorf und von 1930 bis 1938 in die dortige Katholische Volksschule.  Danach lernte er von 1938 bis 1939 Formenschreiner bei den rheinischen Schamotten- und Dinaswerken in Bendorf. Nach dem Umzug in das Dorf  Watenbüttel (bei Braunschweig) trat Böhm eine weitere Ausbildung als Modellschreiner an, die er 1942 mit der Gesellenprüfung in Hannover abschloss. In diesem Beruf kam er zum Reichsarbeitsdienst ins polnische Gdinja (früher Gdingen bzw. Gotenhafen)

Mit 18 musste er mit der Wehrmacht in Ukraine und Normandie und landete dann als Gefangener im Fort Meade (zwischen Washington und Baltimore, Maryland, USA) von wo aus er 1947 entlassen wurde. Ein Jahr später kehrte Böhm nach Bendorf zurück, heiratete seine Frau Lisa und arbeitete bei den Didier-Werken.  1949 wurde Willi Böhm Gewerkschaftsmitglied und Vater einer Tochter. 1959 trat er in die SPD ein, war Betriebsratsmitglied und 1962 Betriebsratsvorsitzender. 1987 gründete Willi Böhm den Förderkreis Geschichte der Arbeiterbewegung und wirkte 1995 mit bei der Gründung der Arbeitsloseninitiative Bendorf.

Stadtbürgermeister Michael Syré würdigte Willi Böhms 40-jährige Arbeit im Bendorfer Stadtrat, bei dem er Mitglied in fast allen Ausschüssen war. 1984 wurde Willi Böhm Beigeordneter der Stadt Bendorf. „Ich danke für die aktiven Dinge für Bendorf und seine 17.000 Bürger“, sagte Syré und weiter: „Willi ist angesehen und man weiß, dass man auf ihn bauen kann.“

Wie schon zuvor Ferhat Cato versicherte dann auch der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid, dass man Willi Böhms 100. Geburtstag in dem Kleinod Sayner Hütte feiern werde. „Willi Böhm hat eine bemerkenswerte Biografie, die im Buch aufgezeichnet ist: eine breite Palette gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Engagements“,  hob Muscheid hervor.  

In die Gratulationscour reihten sich Ratsmitglieder, Parteivorsitzende, Vereinsvertreter, Bürger sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Dieter Klöckner und Vertreter der DGB-Seniorenarbeitskreise ein. In seiner Dankesrede drückte Willi Böhm seine Freude über die Anerkennung und Ehre zu seinem Geburtstag aus. Er hob besonders Manfred Pohlmann hervor, der den gesamten Festakt mit Wunschliedern des Jubilars umrahmt hatte: „Manfred Pohlmann hält die Not der Arbeiter von früher musikalisch festhält. Man sollte mehr Arbeiter- und Freiheitslieder singen, damit es den Menschen bewusst wird.“ Abgerundet wurde die Geburtstagsfeier von der Seniorengruppe IG BCE Bendorf mit Vorsitzenden Hedi Schenk.  

In seine Dankesworte verpackte der 90-jährige Jubilar Willi Böhm auch mahnende Worte.

"Eine lebende Legende“

Über den 90. Geburtstag von Willi Böhm (2.v.l.) freuen sich Ferhat Cato, Roger Lewentz und Dietmar Muscheid (v.r.). Fotos: HEP

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Imageanzeige
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0007#
Vollstreckungsstelle
Stellenanzeige Mitarbeiter
Empfohlene Artikel
Foto: Pixabay.com
69

Region. Ob Sport, Kultur, Musik, Brauchtum, Soziales oder Engagement für die Gemeinschaft: Vereine sind das Herzstück unserer Region. Hinter jedem Verein stehen Menschen, die mit Leidenschaft, Zeit und Ideen das Miteinander bereichern. Genau diese Geschichten möchten wir sichtbar machen.

Weiterlesen

Symbolbild.
115

Die letzte Juniwoche steht im Zeichen von Aufbruch und Neuorientierung. Der Sommer zeigt sich von seiner lebendigen Seite und weckt den Wunsch nach Leichtigkeit, Nähe und neuen Erfahrungen. Gleichzeitig verlangen einige Themen nach Klarheit und Konsequenz. Nicht jede Entwicklung verläuft geradlinig: Missverständnisse, unerwartete Verzögerungen oder das Gefühl, zwischen verschiedenen Erwartungen zu stehen, können herausfordern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nach dem Angriff mit Schlägen und Tritten auf einen 60-Jährigen, fahndet die Polizei nun nach den unbekannten Jugendlichen.
1783

Erst provozierten sie den Hund, dann schlugen sie zu

07.03.: Bonn: Jugendliche nach brutaler Attacke auf 60-Jährigen gesucht

Bonn. Die Bonner Polizei sucht derzeit mithilfe eines Fotos nach vier Jugendlichen, die im Verdacht stehen, am 07. März 2026 einen 60-jährigen Mann in der Sternstraße in Bonn angegriffen zu haben. Der Vorfall ereignete sich gegen 16:30 Uhr, als ein zunächst verbaler Streit zwischen dem Geschädigten und den Jugendlichen eskalierte. Auslöser des Streits war das fortwährende Provozieren des Hundes des Mannes durch die Jugendlichen.

Weiterlesen

Symbolbild.
279

Einbruch am hellichten Tage – schnelles Eingreifen der Polizei führt zur Festnahme

17.06.: Schnelle Festnahme nach Wohnungseinbruch in Polch

Polch. Am Mittwoch, dem 17. Juni 2026, ereignete sich gegen 12:20 Uhr ein Tageswohnungseinbruch in einem Einfamilienhaus im Stadtgebiet von Polch. Die örtliche Polizeidienststelle wurde umgehend über den Vorfall informiert.

Weiterlesen

Seit 10 Jahren unverändert: die Behelfsbrücke bei Birresdorf.
897

Entnervte Bürger, volle Aktenordner und kein Vorankommen:

Grafschaft: Bürger warten schon seit zehn Jahren auf eine neue Brücke

Grafschaft-Birresdorf. Zugegeben, das Projekt ist kompliziert und komplex: vor zehn Jahren rissen Wassermassen eine Brücke der L79 bei Birresdorf mit sich. Es kam eine einspurige Behelfsbrücke und es begannen Planungen: ein Regenrückhaltebecken, über dessen Damm die nun begradigte Straße samt neuem Radweg geführt werden soll. An ihrem Ende ein Kreisel. Im Jahr 2020 waren die Planungen im Ringener...

Weiterlesen